Köln war den Olympischen Ringen noch nie so nah. Schon jetzt ist es eine erfolgreiche Bewerbung, sagt Rundschau-Chefredakteur Jens Meifert
Olympia-BewerbungKöln und Rhein-Ruhr haben eine große Chance


Im geplanten Stadtteil Kreuzfeld soll ein temporäres Olympiastadions entstehen.
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Es ist nicht lange her, da ist die Bewerbung der Städte an Rhein und Ruhr um die Olympischen Spiele belächelt worden. Olympia? Ernsthaft? Wo nicht mal die Kölner Straßenbahnen halbwegs pünktlich fahren? Noch frisch war die Erinnerung an die Düsseldorfer Pleite bei der deutschen Ausscheidung für die Spiele 2012. Sang- und klanglos scheiterte vor 23 Jahren die Initiative. Dieses Mal ist Köln das Zugpferd für die NRW-Bewerbung um die Wettkämpfe 2036, 2040 oder 2044. Und zwei Tage vor der nationalen Entscheidung lässt sich sagen: So nah war die Stadt den Olympischen Ringen noch nie.
Am Samstag kommt es zum Entscheid zwischen Köln und München. Der Rückzug Berlins folgt aus abgeschlagener Position in der Rangfolge. Mit anderen Worten: Köln und die 14 anderen Bewerberstädte im Bundesland haben viel richtig gemacht. Die Zustimmung der Bürger ist ähnlich hoch ausgefallen wie in München, und in der Bewerbungsmappe blitzen ein paar Superlative auf, die jedem IOC-Mitglied gefallen dürften.
Ticket-Zahlen werden beeindrucken
Da ist vor allem die Zahl von bis zu 17,6 Millionen Tickets, die verkauft werden könnten. Und da sind Wettkämpfe vor Rekordkulissen: Schwimmen vor 60.000 Besuchern im Stadion auf Schalke oder ähnliche Kulissen beim Rugby im Kölner Stadion oder Handball in Düsseldorf. Dazu kommt die Erzählung von Modernität und Nachhaltigkeit.
Die Sportstätten liegen noch kompakter zusammen als in Paris 2024, versprechen die Initiatoren. Athleten könnten mit dem Schnellboot auf dem Rhein zu Wettkämpfen in Nachbarstädten fahren – und eines Tages auch die Bürger? Wie jede olympische Bewerbung verspricht Köln einen großen Modernitätsschub für die Stadt. Paris hat mehrere Schnellbahnen und Bahnhöfe für die Spiele in Betrieb genommen.
Köln will im Norden ein temporäres Stadion und ein Olympisches Dorf bauen, aus denen ein neues Stadtviertel entstehen soll. München hat den olympischen Traum vor mehr als 50 Jahren bereits realisiert. Aber Köln hat mit den Partnerstädten seine eigene Erzählung gefunden und mit den gut vernetzten Akteuren die Bewerbung erfolgreich platziert. Das ist mehr als nur ein Achtungserfolg. Die Bewerbung wird nicht mehr als Spinnerei belächelt. Aber wie im Wettkampf zählt am Ende nur eins: das Ergebnis.