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Olympischer MomentGlücks-Sitz mit deutlichen Gebrauchsspuren

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Maßgeschneiderter Sitz von Bob-Olympiasiegerin Mariama Jamanka.

Der maßgeschneiderter Sitz von Bob-Olympiasiegerin Mariama Jamanka

Mit der Maßanfertigung für ihren Bob gewann Pilotin Mariama Jamanka bei den Winterspielen 2018 Gold und 2022 Silber. 

Ein paar pfeilschnelle Schritte, ein kraftvoller Sprung in den Bob, ein bisschen Gehuddel in die richtige Position und hinter ihr die Anschieberin, die ein paar Schritte mehr macht und dann leicht verzögert ebenfalls ihren Platz im Bob findet. Dann geht es rasant die Eisrinne hinab. So sah Mariama Jamankas Leben als Bob-Pilotin jahrelang aus. Und das hat Spuren hinterlassen. Sicherlich in übertragenem Sinne in ihrer Persönlichkeit. Aber auch ganz real im Kunststoff ihres maßgeschneiderten Sitzes. 

Das Exemplar, mit dem Jamanka 2018 in Pyeongchang Gold im Zweierbob und vier Jahre Später in Peking Silber gewann, hat sie dem Deutschen Sport & Olympia Museum zur Verfügung gestellt. Es ist eine maßgeschneiderte Spezialanfertigung des Instituts für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) in Berlin, der deutschen Geheimwaffe von Athletinnen und Athletinnen mit hohen Anforderungen an ausgeklügelte Technik. An Jamankas Sitz sind an der schmalen Oberkante zahlreiche Kratzer zu erkennen. Die Farbe ist abgewetzt von den vielen Reinrutsch-Manövern in den Bob. 

Bobpilotin Mariama Jamanka begann ihre sportliche Karriere in der Leichtathletik

Bei den Winterspielen 2018 war Jamanka erst seit drei Jahren Bobpilotin. Sie hatte ihre sportliche Karriere in der Leichtathletik begonnen, war zunächst Mehrkämpferin und dann Diskus- und Hammerwerferin. Ihr damaliger Trainer riet ihr 2023 zum Wechsel als Anschieberin in den Bobsport, zwei Jahre später wurde sie Pilotin.

Vor ihrem ersten olympischen Rennen hatte Jamanka noch kein Weltcuprennen gewonnen. Und so musste sie sich einem angeordneten Anschieberinnen-Tausch fügen: Bundestrainer René Spies verfügte, dass Jamankas Partnerin Annika Drazek lieber mit Pilotin Stephanie Schneider antreten sollte, da dieser bessere Chancen bei den Winterspielen zugeschrieben wurden. Jamanka bekam dafür die vermeintlich weniger leistungsstarke Lisa Buckwitz zugeteilt. 

Es kam, wie es kommen musste: Jamanka und Buckwitz holten sich völlig überraschend die Goldmedaille. Vier Jahre später schaffte Jamanka, diesmal mit Anschieberin Alexandra Burghardt, Platz zwei bei den Winterspielen in Peking. Kurz darauf beendete sie ihre sportliche Karriere und wurde Fernsehmoderatorin.

Buckwitz dagegen blieb dem Sport treu und wechselte von der hinteren auf die vordere Position im Zweierbob. In Mailand und Cortina erlebt sie nun ihre ersten Winterspiele als Pilotin. Laura Nolte, die Zweierbob-Olympiasiegerin von Peking, hat in Cortina schon Silber im Monobob geholt. Ihr werden auch im Zweier die besten Chancen unter den drei deutschen Pilotinnen zugeschrieben, die Entscheidung fällt an diesem Samstag. Buckwitz, der Weltmeisterin von 2024, ist in diesem Jahr noch kein Weltcupsieg gelungen. Aber dass das nichts heißen muss, weiß sie ja seit ihrem Olympiasieg mit Jamanka. 

Anlässlich der Winterspiele Milano Cortina 2026 blicken wir mit der Serie „Olympischer Moment“ in die Historie: 17 Tage lang geht es um Ausstellungsstücke, die im Deutschen Sport & Olympia Museum in Köln in der aktuellen Sonderausstellung „Höher, schneller, kälter!“ zu sehen sind.

Die Ausstellung endet zunächst am 22. Februar, ist aber ab dem 6. März bis zum 12. April an neuer Stelle weiter zu besichtigen – ergänzt um Exponate zu den dann beginnenden Winter Paralympics. www.sportmuseum.de