Abo

Olympischer MomentDas Kleid von Katarina Witt muss richtigherum hängen

3 min
Das Deutsche Sport- und Olympia Museum in Köln.

Das Deutsche Sport- und Olympia Museum in Köln 

Absolute Perfektion hat den Eiskunstlauf-Star durch seine Karriere getragen – das verlangt die Olympiasiegerin auch für die Präsentation ihres Kleidungsstücks im Deutschen Sport & Olympia Museum. 

Kai Hilger zögert kurz. Wo ist vorn, wo hinten? Dann hält der Kurator des Deutschen Sport & Olympia Museums das Kleid für ein Foto in die Höhe, das einst die zweimalige Eiskunstlauf-Olympiasiegerin Katarina Witt trug. Er will es auf keinen Fall falschherum zeigen. „Bei einem Besuch hier im Museum hat sie mich dafür mal gemaßregelt“, erzählt Hilger. Das auf einem Bügel hängende Kleid hatte sich in seiner Vitrine gedreht und Besucher blickten auf die Rück- anstatt die Vorderseite. 

Absolute Perfektion hat Witt durch ihre Karriere getragen, hat ihr zwei olympische Goldmedaillen, vier WM-Siege und sechs Mal EM-Gold eingebracht. Dieses hohe Maß an Disziplin legt man wohl nicht so schnell ab. Und erhofft es sich auch von anderen, so wie Witts gestrenge Trainerin Jutta Müller es stets von ihrer Schülerin erwartet hat. Wann genau Witt das schlichte blaue Kleid mit den dezenten Pailletten trug, ist nicht zweifelsfrei überliefert. 

Ein Kleid der zweimaligen Eiskunstlauf-Olympiasiegerin Katarina Witt.

Ein Kleid der zweimaligen Eiskunstlauf-Olympiasiegerin Katarina Witt

Wer noch einmal eintauchen möchte in die Ära der Katarina Witt, findet viel Interessantes auf ihrer Homepage. Die aktuellen News enden im Januar 2022 mit einem Eintrag über einen Auftritt bei der Talkshow „3 nach 9“. Aber zu ihren großen Turnieren gibt es vom EM-Debüt 1979 im Alter von 13 Jahren mit dem Team der DDR bis zu ihrem Comeback nach sechs Profijahren im ersten gesamtdeutschen Team bei den Olympischen Spielen 1994 in Lillehammer ausführliche Berichte. 

Mit fünfeinhalb Jahren hat Witt demnach in ihrer Heimatstadt Chemnitz zum ersten Mal das Eis betreten. Schon bei ihrem ersten Wettbewerb anderthalb Jahre später wurde sie Erste – die Aussicht auf ein kleines Plüschtier zur Belohnung habe sie zu Höchstleistungen getrieben. Bei ihrer ersten EM 1979 in Zagreb ist sie mit 13 Jahren die jüngste Teilnehmerin. Sie trägt die Haare kurz und läuft ihre Kür in einem von einer Teamkollegin geliehenen Kleid. Nach Platz 18 in der Pflicht zeigt sie vier Dreifachsprünge und kommt am Ende auf Rang 14.

Bei der Eiskunstlauf-EM 1983 in Dortmund löst Katarina Witt einen Trikot-Eklat aus

Im Jahr darauf bei ihrem WM-Debüt in Dortmund habe sie „forsch, fröhlich und unbedarft“ zum ersten Mal vor einem Weltpublikum einen bleibenden Eindruck hinterlassen, schreibt Witt. Schon damals sei ihr klar gewesen, „dass ich eines Tages auf das Siegertreppchen möchte“. Zunächst musste sie sich allerdings mit Rang zehn begnügen.   

Weitere drei Jahre später und wieder in Dortmund gibt es dann endlich die ersehnte Goldmedaille für Witt, sie feiert ihren ersten Europameister-Titel. Und löst einen Trikot-Eklat aus: Sie läuft in ihrem Kurzprogramm zu einem Medley, das unter anderem eine Mozartmelodie beinhaltet. Auf dem Eis stellt Witt den Komponisten dar und trägt Knickerbocker. Sie überzeugt sportlich, aber nicht modisch. Ein Frau auf dem Eis in Hosen? Das ging damals gar nicht. Also wurde eine Regel eingeführt, wonach Frauen beim Eiskunstlaufen Röcke zu tragen hatten.  

Witt schreibt: „Mit dem gleichen Kurzprogramm wie bei der Europameisterschaft in Dortmund laufe ich bei der Weltmeisterschaft in Helsinki einen Monat später als Mozart im Rock! Ich komme mir echt bescheuert vor. Für einen Eiskunstläufer ist es ungemein wichtig, sich in seinen Kostümen wohl zu fühlen und das tue ich im Falle dieses Rockes nicht.“ Ihren ersten WM-Titel gewann Witt 1984 trotzdem, genauso wie ihr erstes Olympiagold. Und viele weitere Erfolge in den unterschiedlichsten Kostümen folgten. 

Anlässlich der Winterspiele Milano Cortina 2026 blicken wir mit der Serie „Olympischer Moment“ in die Historie: 17 Tage lang geht es um Ausstellungsstücke, die im Deutschen Sport & Olympia Museum in Köln in der aktuellen Sonderausstellung „Höher, schneller, kälter!“ zu sehen sind. www.sportmuseum.de