Das Weiß der Skibrille ist vergilbt, das Material des Helms bröckelt. Doch die Erfolge der Skirennläuferin sind unvergessen.
Olympischer MomentRosi Mittermaiers Gold-Helm zeigt Altersschwäche

Diesen Helm trug Skirennläuferin Rosi Mittermaier bei ihrem Abfahrts-Olympiasieg in Innsbruck 1976.
Copyright: Alexander Schwaiger
Zweimal Gold und einmal Silber bei den Olympischen Winterspielen 1976 in Innsbruck, das sind Erfolge, die auf ewig unvergessen bleiben. Der Helm und die Brille allerdings, die Skirennläuferin Rosi Mittermaier bei ihrem Abfahrts-Sieg vor 50 Jahren trug, sind nicht für die Ewigkeit gemacht.
Man sieht ihnen das in ihrer Glasvitrine im Deutschen Sport & Olympia Museum nicht auf den ersten Blick an, deutlich erkennbar ist lediglich der Gelbstich der einst weißen Skibrille. Aber Kurator Jens Hilger sagt: „Der Helm bröckelt uns unter den Fingern weg, wenn wir ihn bewegen.“
Auch Ski, Stöcke, Handschuhe und Anzug, die Mittermaier damals in der Abfahrt nutzte, sind im Kölner Museum zu sehen. Die Exponate aus den 1970er-Jahren seien „konservatorisch herausfordernd“, erklärt Hilger: „Kunststoffe sind mittlerweile porös und brüchig und Schaumstoff zerbröselt.“
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Rosi Mittermaier ist die einzige westdeutsche Olympiasiegerin von Innsbruck 1976
Mit ihrem beiden Goldmedaillen blieb Mittermaier 1976 die einzige westdeutsche Olympiasiegerin, sie wurde zur Heldin einer ganzen Nation und den Spitznamen „Gold-Rosi“ bis zu ihrem Tod nicht mehr los. Sie starb Anfang 2023 mit 72 Jahren an einer Krebserkrankung.
Nach den Spielen trudelten bei ihr zu Hause auf der Winkelmoosalm bei Reit im Winkel massenhaft Briefe von Fans ein. „In meinem Elternhaus war ein ganzes Zimmer voll mit Post und Paketen“, erzählte sie mal dem Münchner Merkur, der Postbote sei „total narrisch“ geworden: „In einem Monat sind 27.000 Briefe gekommen, das hat uns der Postbote erzählt.“
Die Deutschen hätten gespürt, was „die Rosi ausmacht. Dieses Nie-abgehoben-Sein, die totale Bescheidenheit“ – so zitierte die ARD-Sportschau Mittermaiers Ehemann Christian Neureuther, selbst ehemaliger Skirennläufer, zu ihrem 50. Geburtstag.
Bis zu den Spielen in Innsbruck hatte Mittermaier nie eine Abfahrt gewonnen, bei den Olympischen Spielen 1968 und 1972 war sie als große Hoffnungsträgerin ohne Medaille geblieben. Und zweieinhalb Wochen vor ihrem Goldlauf von Innsbruck war sie bei einer Weltcup-Abfahrt sogar noch auf dem letzten Platz gelandet.
Doch an jenem 8. Februar 1976, am Tag des olympischen Abfahrtsrennens von Innsbruck, gelang Mittermaier mit der Startnummer 9 ein perfekter Lauf. Drei Tage später holte sie sich auch den Sieg im Slalom, hier war sie schon vorher als Favoritin gehandelt worden. Weitere zwei Tage später fuhr Mittermaier im Riesenslalom zu Silber.
Der „Abendzeitung München“ sagte Neureuther kürzlich: „Drei Goldene, das wär ihr dann zu viel gewesen.“ Wenn sie gar keine Medaille gewonnen hätte, wäre ihr das seiner Ansicht nach auch egal gewesen, „dann hätte die Rosi gesagt: Mei, dann hab ich halt nix gwonnen. Aber Hauptsach’, schee war’s.“
Nach der Olympiasaison beendete Mittermaier ihre Karriere auf dem Höhepunkt ihres sportlichen Könnens. Sie hatte alles erreicht und wünschte sich ein ruhiges Leben ohne Druck und all den Vermarktungs-Trubel.
1980 heiratete sie Christan Neureuther, das Paar bekam zwei Kinder – und Sohn Felix stieg in die Fußstapfen der Eltern und wurde ebenfalls erfolgreicher Skirennläufer. Die Familie und die Berge, Liebe und Harmonie, das seien die wichtigsten Dinge gewesen in ihrem Leben, heißt es über Rosi Mittermaier.
Anlässlich der Winterspiele Milano Cortina 2026 blicken wir mit der Serie „Olympischer Moment“ in die Historie: 17 Tage lang geht es um Ausstellungsstücke, die im Deutschen Sport & Olympia Museum in Köln in der aktuellen Sonderausstellung „Höher, schneller, kälter!“ zu sehen sind. www.sportmuseum.de
