Beim traditionellen Prinzenessen hielt Prinz Niklas eine bewegende Rede, in der er unter anderem die Kraft des Karnevals betonte.
„Karneval geht über den Tod hinaus“Prinz Niklas kündigt rührende Geste für Rosenmontagszug an

Beim Prinzenessen umarmen sich die drei Freunde: Stefan Blatt, Niklas Jüngling und Clemens von Blanckart (v.l.).
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Zwar liegt noch ein Wochenende voller Auftritte und der Sessionshöhepunkt am Rosenmontag vor dem Dreigestirn, doch die Regentschaft von Prinz Niklas I. (Jüngling), Bauer Clemens (von Blanckart) und Jungfrau Aenne (Stefan Blatt) ist längst auf der Zielgeraden. Am Tag nach Weiberfastnacht ist es daher Tradition, beim sogenannten Prinzenessen auf die bisherige Session zu blicken.
In der Feuer- und Rettungswache 10 in Kalk schloss sich dabei ein Kreis: Als das Trifolium Anfang Juli 2025 erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurde, hatte das Festkomitee bewusst die Wache der Freiwilligen Feuerwehr in Brück gewählt. Die Session sollte im Zeichen des Ehrenamts stehen. Rund sieben Monate später steht fest, dass die Regenten das Motto „Alaaf – mer dun et för Kölle“ so gut verkörpert und gelebt haben, dass es auch am Freitag immer wieder Applaus und stehende Ovationen gab.
Kölner Karneval: Prinzenessen bei der Feuerwehr
„Wir wollten den Menschen zeigen, wie schön der Fastelovend ist“, sagte Prinz Niklas I. Gerade die Besuche abseits der großen Bühnen werden den Dreien in Erinnerung bleiben, so der Regent. Ein gemaltes Bild, das er bei einem Besuch eines Kindergartens erhalten hat, sei das einzige Geschenk von unzähligen, das er in seinem Zimmer aufgehängt habe. „Die Kinder wussten mehr über unsere Ornate als so mancher Karnevalist im Sartory oder Gürzenich. Das geht sehr ans Herz.“
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Der Prinz berichtete von Besuchen in Seniorenheimen, schilderte eindrucksvoll, wie eben noch abwesend erscheinende Menschen plötzlich tanzen und mit Tränen in den Augen „Einmal am Rhein“ von Willi Ostermann singen. Man habe Brücken bauen wollen zwischen Jung und Alt. Und: „Überall, wo wir waren, wird der Karneval gelebt, und das werden wir nicht vergessen.“

Das Dreigestirn mit ihren Partnerinnen (v.l.) Jungfrau Aenne mit Ehefrau Julia, Prinz Niklas mit Freundin Katrin, Bauer Clemens mit Ehefrau Lara
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Prinz Niklas gelang es, schwer zu beschreibende, außergewöhnliche Momente, mit treffenden Worten zu schildern. Beim Palliativ- und Hospizverein im Mildred-Scheel-Haus lernten sie Patientin Barbara kennen, die extra für den Besuch des Dreigestirns ihr Karnevalskostüm angezogen hatte und den Tollitäten auf dem iPad einen Auftritt ihres Südstadt-Chores „Die Brausen“ zeigte. „Wir haben der Frau das letzte Alaaf gebracht. Als wir da raus sind, haben wir im Auto erst mal geweint.“
Über die Begegnung hatte das Dreigestirn zuvor schon beim Besuch des „Kölner Stadt-Anzeiger“ berichtet. Sechs Tage nach dem Besuch ist die Sängerin verstorben. Die Prinzenspange, die ihr Niklas überreicht hat, ist bei ihr im Grab. Beim Prinzenessen sagte Niklas nun, dass er den von Barbara geschenkten Pin des Südstadt-Chores Tag für Tag in seinem Täschchen am Ornat trage. „Ich habe der Frau versprochen, dass sie die Session mit mir erleben wird.“ Und: „Ich trage Barbara in den Rosenmontagszug, und ich werde sie nie vergessen. Die Kraft des Karnevals geht über den Tod hinaus.“

Stehend applaudierten die geladenen Gäste in der Feuerwache 10.
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Was vom Dreigestirn bleiben wird, ist zudem die Erinnerung an sein karitatives Engagement. Bis jetzt sammelte das Trio 116.000 Euro für den gemeinnützigen Verein Caja, der wohnungslosen und bedürftigen Menschen in Köln eine kostenlose und unbürokratische medizinische Grundversorgung bietet.
Bevor das Team der Koelncongress-Gastronomie zum Hauptgang Rinderfilet mit Kartoffelstampf, Johannisbeerjus und diversen Beilagen auftischte, berichteten auch Bauer Clemens und Jungfrau Aenne von der Stahlkraft des Karnevals. Zudem habe es in der Regentschaft untereinander kein bisschen Streit gegeben, berichtete Aenne und witzelte: „Aber wir haben auch gar keine Zeit, miteinander zu sprechen.“ Man gehe am Aschermittwoch größer raus, als man in die Session reingegangen sei, so die Jungfrau.
Viele Hände schüttelte am Freitag auch Alt-OB Fritz Schramma, der wegen seiner Krebstherapie in dieser Session bislang auf öffentliche Auftritte verzichtet hatte. Er sei guter Dinge, blickte Schramma nach vorn, der am Tisch mit seinem Nachfolger Jürgen Roters und dessen Nachfolgerin Henriette Reker teilnahm. Auch im Beisein des aktuellen OB Torsten Burmester sowie Gastgeber und Feuerwehr-Chef Christian Miller hob Festkomitee-Vizepräsident Lutz Schade die Bedeutung des Brauchtums hervor: „Karneval ist der Herzschlag der Stadt.“ Christoph Kuckelkorn, Kölns oberster Jecken-Boss, war beruflich verhindert.
Für das musikalische Rahmenprogramm sorgte Michael Kuhl mit Band, für eine Überraschung Marcus Gottschalk: Der Protokollchef des Dreigestirns ehrte Marco Hollekamp, der seit sechs Jahren als Adjutant des Bauern ehrenamtlich tätig ist, mit dem Festkomitee-Verdienstorden in Silber.

