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Olympischer MomentLegendäre Bogner-Jacke im Streifen-Design

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Eine Jacke von Bogner aus der deutschen Olympiakleidung für Lillehammer 1994.

Eine Jacke von Bogner aus der deutschen Olympiakleidung für Lillehammer 1994.

Ob als Flammen oder Zebrastreifen bezeichnet – deutsche Skirennläufer sind in diesem Look nicht zu übersehen.

Die schwarzen Streifen auf weißem Hintergrund sind legendär. Erfunden hat sie das Münchner Modeunternehmen Bogner, das sie heute auf seiner Internetseite als „Iconic Flames“ bezeichnet. Seit den Winterspielen von Albertville 1992 zieren die schwarzen Flammen die Rennanzüge deutscher Skirennläufer. Manch einer mag das wenig ikonisch finden und schlicht als Zebra-Look bezeichnen, aber der Wiedererkennungsfaktor ist hoch. Die Deutschen werden auf den olympischen Pisten dieser Welt immer sofort erkannt.  

Mit den Flammen auf ihren Anzügen rasten deutsche Stars wie Katja Seizinger, Markus Wasmeier, Hilde Gerg, Martina Ertl, Maria Höfl-Riesch oder Viktoria Rebensburg auf olympische Podestplätze. 2018 jubelte  Thomas Dreßen in einem Anzug mit den „Iconic Flames“ auf der legendären Streif in Kitzbühel über seinen Sieg. 

Für die aktuell in Mailand und Cortina laufenden Spiele hat Bogner den Look auf den Rennanzügen der deutschen Athletinnen und Athleten allerdings leicht abgewandelt. Emma Aicher ist nicht mit schwarzen Flammen auf weißem Hintergrund zu Abfahrts-Silber gerast, sondern der schwarze Schriftzug „Team Germany“ auf den weißen Anzugbeinen erinnert nur noch an die „Iconic Flames“.

Erstmals tragen deutsche Olympia-Athleten die Bogner-Streifen 1992 in Albertville

Die Bogner-Jacke im Deutschen Sport & Olympia Museum stammt von den Spielen 1994 in Lillehammer. Sie fanden nur zwei Jahre nach Albertville und der Bogner-Streifen-Premiere statt, weil die Winterspiele seit damals nicht mehr im selben Jahr wie die Sommerspiele ausgetragen werden. Lillehammer 1994 waren die ersten Winterspiele, die zwischen die Austragung zweier Sommerspiele rückten. Die Zebra-Jacke von Bogner trugen die Athleten damals bei offiziellen Anlässen wie den Siegerehrungen.   

Willy Bogner senior hat das Unternehmen 1932 gegründet, zunächst als Importgeschäft für Ski, Zubehör und Strickwaren aus Norwegen. Er nahm 1936 selbst als Langläufer und Kombinierer an den Spielen in Garmisch-Partenkirchen teil. Schon damals stattete seine Firma die deutschen Skirennläufer aus. Willy Bogner junior gehörte dem deutschen Alpin-Team bei den Spielen 1960 in Squaw Valley und 1964 in Innsbruck an, 1977 übernahm er nach dem Tod seines Vaters die Leitung des Unternehmens.  

Zwischen Sport- und Modekarriere überzeugte Bogner junior immer wieder auch als Kameramann und Filmemacher. Er fing für vier James-Bond-Filme Wintersport-Action im Bild ein. Und in seinem Film „Feuer und Eis“ von 1986 verband er auf damals neue Art Ski-Action, Musik und Lifestyle. Bogner wurde unter anderem mit einem Bambi und dem Bayrischen Filmpreis ausgezeichnet. 

Die Ära von Bogner als Ausstatter der gesamten deutschen Olympia-Mannschaft bei Winterspielen endete allerdings 2018 in Pyeongchang. Seither kommt die Kollektion von Adidas, wohl aus Kostengründen. Bogner gab seine Stücke nie ganz umsonst her. Die Wahl des Ausstatters für die Rennkleidung obliegt aber weiterhin den Verbänden selbst, und das deutsche Ski-alpin-Team setzt weiterhin auf Bogner. Die Rennanzüge für die Athleten werden maßgeschneidert und auf die entsprechenden Disziplinen Abfahrt, Super G, Riesenslalom und Slalom angepasst. Über den deutschen Sportdirektor Wolfgang Maier ist zu hören, dass er in Cortina an den Pisten konsequent Bogner trägt und nicht adidas.

Der Sportartikelhersteller aus Herzogenaurach hat in diesem Jahr für seine Winter-Ponchos und Hüte, mit denen deutsche Athletinnen und Athleten in der Modestadt Mailand bei der Eröffnungsfeier der Spiele auftraten, auch schon mächtig Häme kassiert. Das unförmige Cape und der Schlabber-Hut wurden als „Angleroutfit“ bezeichnet und Eiskunstlauf-Olympiasiegerin Katarina Witt bekam als Co-Kommentatorin bei der Fernsehübertragung einen Lachkrampf. Das deutsche Team konterte die Kritik in den Sozialen Medien allerdings mit Humor und schrieb zu einem Post: „Wir angeln uns jetzt Medaillen!“

Anlässlich der Winterspiele Milano Cortina 2026 blicken wir mit der Serie „Olympischer Moment“ in die Historie: 17 Tage lang geht es um Ausstellungsstücke, die im Deutschen Sport & Olympia Museum in Köln in der aktuellen Sonderausstellung „Höher, schneller, kälter!“ zu sehen sind. www.sportmuseum.de