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Platzbenennung am Kölner Hauptbahnhof Wirbel um Pädophilie-Vorwürfe gegen Felix Rexhausen

Die Fläche nördlich des Hauptbahnhofs sollte am 17. Mai als Felix-Rexhausen-Platz eingeweiht werden.

Die Fläche nördlich des Hauptbahnhofs sollte am 17. Mai als Felix-Rexhausen-Platz eingeweiht werden.

Köln – War Felix Rexhausen ein Pädophiler, einer, der in seinen Schriften Sex mit Kindern das Wort redete? Oder war der in Köln geborene Homosexuelle und Mitgründer der deutschen Sektion von Amnesty International ein Kämpfer für die Menschenrechte und ein Leuchtturm des kritischen Journalismus?

Mehr als 20 Jahre nach dem Tod Felix Rexhausens hat die Diskussion um den Schriftsteller die Kölner Politik erreicht. Der Grund: Im Frühjahr vergangenen Jahres hatte die Bezirksvertretung Innenstadt auf Antrag des „Bundes Lesbischer und Schwuler Journalisten“ die Umbenennung einer Fläche hinter dem Hauptbahnhof in Felix-Rexhausen-Platz beschlossen. Am 17. Mai, dem Internationalen Tag gegen Homophobie, sollte das Straßenschild feierlich enthüllt werden – in Anwesenheit von Bezirksbürgermeister Andreas Hupke und dem Kölner Centrum Schwule Geschichte.

Sex mit Kindern beschrieben

Doch nun hat der katholische Theologe David Berger in einem Artikel den Vorwurf der Pädophilie gegen Rexhausen erhoben. Seitdem ist die Aufregung groß. Als Konsequenz haben die Bezirkspolitiker die Umbenennung des Platzes vorerst auf Eis gelegt. „Die Angelegenheit muss aufgearbeitet und aufgeklärt werden, dabei lassen wir uns auch nicht unter Zeitdruck setzen“, erklärte Hupke auf Anfrage.

Der 1932 in Köln geborene Felix Rexhausen arbeitete als Journalist und Autor. 1961 war er Mitgründer der deutschen Sektion von Amnesty International. Bekannt wurde er vor allem mit seinem Buch „Lavendelschwert“ (1966), in dem er satirisch Dokumente einer fiktiven homosexuellen Revolution im Adenauer-Deutschland zusammenstellt.

Felix Rexhausen starb 1992 in Hamburg und wurde auf dem Ostfriedhof in Dellbrück beigesetzt. (jac)

Berger, der den Streit ins Rollen gebracht hat, ist in der Szene kein Unbekannter: Der Theologe machte zunächst Karriere in der Katholischen Kirche, bevor er sich 2010 öffentlichkeitswirksam outete. Konkret geht es bei den Vorwürfen um Rexhausens 1969 erschienenes Buch „Berührungen“, einem fiktiven, aber – wie es im Vorwort – heißt, „nicht frei erfundenen“ Tagebuch, das sich um die sexuellen Erlebnisse eines Homosexuellen in den 60er Jahren dreht. Kritiker Berger hebt insbesondere auf eine Textstelle ab, in der Sexspiele von 14-jährigen Jungen mit Elfjährigen beschrieben werden. Dort werde „moralisch zwar der Sex von Erwachsenen mit Sieben- oder Neunjährigen zunächst infrage gestellt“, aber sofort nachgeschoben: „Liebe und Lust mit einem Fünfzehnjährigen sind eine durchaus andere Sache“. Die Benennung eines Platzes nach Rexhausen, so Berger weiter, schade der Akzeptanz und Integration homosexueller Menschen enorm.

Ganz neu ist der Streit nicht. Mitglieder des „Bundes Lesbischer und Schwuler Journalisten“ (BLSJ), der seit 1998 den Felix-Rexhausen-Preis für Publizisten vergibt und auch die Umbenennung des Platzes initiierte, hatten schon im vergangenen Jahr einen neuen Namen für den Preis gefordert. Das Lager der Gegner war damals in einer Abstimmung aber unterlegen. Man habe sich intensiv mit der Person Rexhausens beschäftigt, sagt Michael Lohse vom BLSJ. Die kritisierten Textstellen seien aus dem Zusammenhang gerissen, der Autor grenze sich vielmehr klar gegen Pädophilie ab.

„Satirische Ausrichtung“

„Das ganze Buch hat eine deutlich satirische Ausrichtung und setzt sich mit verschiedenen Formen schwulen Lebens in einer Zeit repressiver Sexualmoral auseinander“, so Lohse. Das Centrum Schwule Geschichte, das die Einweihungsfeier mitgestalten wollte, hält den Vorwurf der Pädophilie ebenfalls für nicht belegbar. „Aufgrund der Verdienste Rexhausens um Amnesty International und wegen seines Einsatzes für die Menschenrechte halten wir die Benennung eines Platzes nach Felix Rexhausen für durchaus angemessen.“

Der Kölner Bundestagsabgeordnete Volker Beck, der 2013 im Rahmen der Pädophilie-Debatte bei den Grünen selbst unter Druck geraten war, fordert dagegen eine Klärung der Vorwürfe. Zwar habe er das Buch nicht gelesen und daher auch keine abschließende Meinung dazu. „Der Vorgang zeigt aber, dass die Schwulenbewegung diesbezüglich endlich ihre eigene Geschichte aufarbeiten muss.“