Desolate Infrastruktur„Die Prognose für Gremberghoven ist deprimierend“
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Überreste der zwölf Schrebergärten in der Nähe des Bahnhofsplatzes.
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Köln-Gremberghoven – Der historische Kern wird geschützt, neue Wohnungen werden gebaut und alte saniert - es tut sich einiges in Gremberghoven. Trotzdem kommentierte SPD-Fraktionschef Simon Bujanowski den Vortrag der Verwaltung auf der Bezirksvertretungssitzung zu der ehemaligen Eisenbahnersiedlung mit den Worten: „Die Prognose für Gremberghoven ist deprimierend.“ Denn trotz großer Anstrengungen für das Viertel, ist es bis jetzt nicht gelungen, die desolate Infrastruktur zu verbessern.
Zwei Kioske sind die einzigen verbliebenen Nahversorger im Ort.
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Die ehemaligen Kirchen sind entwidmet und geschlossen. Der letzte Lebensmittelhändler ist vor Jahren fortgezogen, Post- und Polizeistelle sind verschwunden. Lediglich zwei Kioske sind noch im Ort verbleiben und ein Geldautomat. „Früher gab es einen Metzger, einen Friseur und einen Bäcker hier, doch das ist nun alles weg“, klagt Gunther Geisler, Vorsitzender des Bürgervereins Gremberghoven.
Wunsch nach einem Supermarkt
Die Anwohner wünschen sich wieder einen Lebensmittelhändler im Veedels-Zentrum. Doch der ist nicht in Sicht. „Die rund 3000 Einwohner im Viertel reichen für einen großen Supermarkt als Kundenstamm nicht aus“, sagt Marc Höhmann, vom Amt für Stadtentwicklung und Statistik. Man habe mit vielen Einzelhandelsketten gesprochen, doch keine wollte in Gremberghoven investieren. Immer hieß es, ein Vollsortimenter sei dort nicht profitabel zu betreiben.
Der letzte kleine Supermarkt in Gremberghoven an der Frankenstraße ist seit Jahren geschlossen.
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Auch über alternative Geschäftsformen wurde nachgedacht. Etwa einen Bürgerladen, wie es ihn in Vogelsang gab. „Damit haben wir aber schlechte Erfahrungen gemacht“, erläutert Höhmann. Das Geschäft am Goldammerweg in Vogelsang sollte als genossenschaftlich getragener Laden den Mangel an Einkaufsmöglichkeiten im Stadtteil beheben. Zu kaufen gab es Lebensmittel und Artikel des täglichen Bedarfs. Doch wegen zu geringem Umsatz, musste der Laden nach eineinhalb Jahren wieder schließen. Ein solches Schicksal würde Höhmann auch für ein vergleichbares Projekt in Gremberghoven befürchten: „Das Gewerbegebiet Eil zieht einfach viel Kaufkraft ab.“ Zudem gibt es auch im benachbarten Finkenberg einen Discounter.
Keine existenzgefährdende Konkurrenz
Das wollen die Bezirksvertreter aber nicht einfach hinnehmen. So fordern CDU und Grüne eine Änderung des stätischen Einzelhandels- und Zentrenkonzeptes. Einen entsprechende Beschluss haben die Politiker bereits im September beschlossen. Das Konzept soll den Einzelhandel in den Veedeln steuern und gewährleisten, dass bestimmte Einkaufszonen keine existenzgefährdende Konkurrenz bekommen.
Das kann passieren, wenn eben ein Discountmarkt am Rand eines Stadtteils eröffnet und Kunden dann ihre Einkäufe lieber dort erledigen als im Stadtteilzentrum. So dürfen außerhalb der ausgewiesenen zentralen Versorgungsbereiche nur Geschäfte bis zu einer bestimmten Größe eröffnet werden.
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Wenn das Konzept aber einen Supermarkt in Gremberghoven verhindert, muss es angepasst werden, findet Werner Marx. „Wir hätten uns etwa einen Discounter auf dem Gebiet des heutigen Birkenwäldchen zwischen Hohenstaufenstraße und Steinstraße gewünscht“, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende. Das hatte die Verwaltung aber abgelehnt. „Wir hätten sonst Kaufkraft aus dem benachbarten Finkenberg abgezogen und den dortigen Einzelhandel geschadet“, erklärt Höhmann. Stattdessen werden auf der 2,2 Hektar großen Fläche nun nur Wohnungen gebaut.
Auch die SPD fordert eine Anpassung des Zentrenkonzeptes. Anpassen, das heißt etwa neue Größen für Verkaufsflächen zu definieren und die Abstände zu anderen Einkaufszentren zu verändern. Allerdings habe die Politik nur bedingt Einfluss auf den Einzelhandel, sagt Bujanowski. „Wir können nur die Rahmenbedingungen geben, wenn sich aber keine Betreiber findet, sind uns die Hände gebunden“, so der SPD-Politiker.