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Demokratie-Projekt „36schulen1vibe“Plasberg an Porzer Schule – Demokratie lebt vom Widerspruch

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Prominenter Diskussionsteilnehmer bei der Talkrunde in der Aula vom Stadtgymnasium Porz: TV-Moderator und Journalist Frank Plasberg.

Prominenter Diskussionsteilnehmer bei der Talkrunde in der Aula vom Stadtgymnasium Porz: TV-Moderator und Journalist Frank Plasberg.

Frank Plasberg geht direkt in die Vollen. „Jede gute Diskussion braucht einen Stinkstiefel“, sagt der Journalist und ehemalige Moderator der TV-Sendung „Hart aber fair“. Da er ihn im Plenum in der Aula des Stadtgymnasiums Porz noch nicht entdeckt habe, werde er jetzt diese Rolle übernehmen. Und dabei legt er den Finger tief in die Wunde: „Hört euch doch mal zu, ich habe keine einzige andere Meinung gehört.“

Damit spielt Plasberg auf einen Film an, den Schülerinnen und Schüler mehrerer Schulen gedreht haben. Dabei haben sie mit Passanten in der Fußgängerzone über ihre Sichtweisen auf Demokratie gesprochen. Auf die Frage, was Demokratie für die Menschen bedeutet, wird oft mit Freiheit oder Meinungsfreiheit geantwortet. Auf die Frage, was ihm Hoffnung macht, antwortet ein Passant: „Schüler wie dich.“

Plasberg fordert Perspektivwechsel: Debatten statt Sonntagsreden

Plasberg will provozieren. Das seien Sonntagsreden. „Wir sind die Guten und wir versichern uns gegenseitig, dass wir die Guten sind.“ Was ihm fehlt, sind andere Meinungen, Sichtweisen. Plasberg plädiert in Debatten auch mal dafür, einen Perspektivwechsel vorzunehmen, andere Sichtweisen kennenzulernen, auf andere zuzugehen und nicht auszugrenzen. „Wir müssen untereinander besser zuhören“, mahnt er und schiebt ein Zitat hinterher, was Churchill zugeschrieben wird. Demnach solle man auch denjenigen zuhören, die man für Idioten hält.

Das Podiumsgespräch in der Aula, bei dem neben Schülerinnen und Schülern auch Jochen Ringel von der Bezirksregierung Köln und Matthias Braun von der Uni Bonn mit dabei sind, ist ein Teil des Projekts „36schulen1vibe“. Bei dem wollen die Schülerinnen und Schüler zeigen, wofür sie stehen: für Demokratie, Vielfalt und ein respektvolles Miteinander. Entscheidend dabei: Was können sie selbst bewegen – tagtäglich? Wo werden ihre Meinungen gehört? Demokratie ist nicht nur ein Thema, das im Unterricht behandelt wird. Die jungen Menschen sollen und wollen demokratische Prozesse selbst erleben. Wichtiger Punkt dabei ist die Beteiligung.

Demokratie ist ein Tu-Wort, betonen die Projektkoordinatorinnen Claudia Roche und Evelyn Pfalz. „Mir liegt am Herzen, dass Jugendliche erleben: Ich kann mitreden und etwas bewegen. Schule ist dafür der ideale Ort: Hier kommt unsere Gesellschaft in ihrer ganzen Vielfalt zusammen. Und hier haben junge Menschen einen geschützten Raum, um Demokratie zu üben – ihre Meinung zu sagen, einander zuzuhören, auch mal zu streiten und gemeinsam Lösungen zu finden“, sagt Claudia Roche, die Schulleiterin des Maximilian-Kolbe-Gymnasiums in Wahn ist. Ihre Kollegin Evelyn Pfalz vom Stadtgymnasium Porz ergänzt: „Wer jungen Menschen zutraut, die Zukunft zu gestalten, muss ihnen heute Raum geben. Sie sollen erleben: Meine Stimme zählt.“

Insgesamt beteiligen sich 36 Kölner Schulen an dem Projekt. Und das auf unterschiedliche Weise. Es gibt einen gemeinsamen Kalender mit vielen Veranstaltungen. Die reichen vom „Orange Day“ mit Ausstellung und Kunstaktionen am Berufskolleg Südstadt über den von Jugendlichen vorbereiteten Landtagsbesuch der LVR-Anna-Freud-Schule bis zu „Luises Aktuelle Stunde“ an der Königin-Luise-Schule oder einem Schüler-Talk am Maximilian-Kolbe-Gymnasium zum Thema „Wehrpflicht früher und heute: gehorchen, verweigern, Verantwortung übernehmen?“


36schulen1vibe.de