„Demokratiefeindlich und skandalös“Kölner Druckerei kündigt Stammkundin – Streitpunkt Israel-Plakate?

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Blumen und Steckbriefe von seit dem Angriff der Hamas Vermissten Israelis hängen an der Synagoge an der Roonstraße in Köln.

Um Poster, wie hier vor der Kölner Synagoge, ging es bei einem Druckauftrag der Kölnerin – um den Satz „Gegen jeden Antisemitismus“ bei einem anderen.

Die Begründung der Porzer Druckerei lässt Tanja Schmieder fassungslos zurück. 

Tanja Schmieder war eine gute Kundin der Porzer Druckerei Aslan. Als Gründerin des Kölner Vereins City of Hope hatte sie Plakate gegen Rassismus und für Menschenrechte in Auftrag gegeben, Flyer für Impfkampagnen für Geflüchtete und für die Opfer des rechtsextremistischen Anschlags von Hanau. Umso überraschter war die in der Szene nicht unbekannte Flüchtlingshelferin und Aktivistin, als ihr die Druckerei jüngst kündigte, nachdem sie Plakate mit den Konterfeis der von der Terrororganisation Hamas entführten Israelis und drei Kapuzenpullover mit der Aufschrift „Gegen jeden Antisemitismus“ in Auftrag gegeben hatte.

Die Tatsache der Kündigung irritierte Schmieder, die Begründung hält sie für „demokratiefeindlich und skandalös“: „Unsere Entscheidung basiert darauf, dass wir nicht im Einklang mit den Werten stehen, die Sie unterstützen“, schrieb die Druckerei in ihrer Begründung, die dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ vorliegt.

Geschäftsführer der Kölner Druckerei spricht von einem Missverständnis

Und weiter: „Als Unternehmen legen wir großen Wert auf ethische Grundsätze und eine positive Ausrichtung, die sich auf die Förderung des Friedens und der Toleranz erstreckt. Wir sind der festen Überzeugung, dass eine solche Grundhaltung für eine harmonische Welt von entscheidender Bedeutung ist.“

Widerspricht es den ethischen Grundsätzen der Druckerei, ein Plakat zu drucken, das für Solidarität mit den Entführungsopfern der Terrororganisation Hamas wirbt? Lässt sich Solidarität mit den Geiseln und ihren Verwandten nicht in Einklang bringen mit der Förderung von Frieden und Toleranz? Geschäftsführer Mustafa Aslan entschuldigt sich am Telefon zunächst dafür, nicht sofort auf die Fragen reagiert zu haben – er sei bis Montag in der Türkei gewesen. Die Kündigung habe nichts mit den Plakaten zu tun. „Das muss ein Missverständnis gewesen sein. Es käme mir nicht in den Sinn, Solidarität mit den Geiseln nicht gutzuheißen, ein Mitarbeiter von mir ist mit einem Israeli zusammen“.

Porträt von Tanja Schmieder

Menschenrechtsaktivistin Tanja Schmieder

Schmieder habe „Shirts mit einem englischen Aufdruck in Auftrag geben, mit dem ausdrücklich die Politik Netanjahus und die Bombardierungen in Gaza gutgeheißen werden. Das konnte ich nicht mittragen, das ging entschieden zu weit“. Er sei „immer für die Menschlichkeit und den Frieden“, sagt Aslan, „aber wenn 10.000 Unschuldige sterben, kann ich das nicht unterstützen.“ Er sei „immer nur für den Frieden“.

Als Unternehmen legen wir großen Wert auf ethische Grundsätze und eine positive Ausrichtung, die sich auf die Förderung des Friedens und der Toleranz erstreckt
Stellungnahme der Druckerei

Sie habe nie Shirts mit englischsprachigen Aufdrucken bei der Druckerei in Auftrag gegeben, sagt dazu Tanja Schmieder. „Es gab da nur die Hoodies mit dem Aufdruck ‚Gegen jeden Antisemitismus‘ – und die Plakate mit den Geiseln der Hamas.“

Sie habe Mustafa Aslan als netten und auch toleranten Menschen kennengelernt. „Aufträge für Flüchtlingshilfe waren ok, solidarisch mit der Ukraine zu sein war ok, der Kampf gegen Rechtsextremismus war ok.“ Auch als es um Solidarität mit den Opfern des rechtsextremistisch motivierten Anschlags von Hanau ging, habe es keine Probleme mit einem Druckauftrag gegeben. „Aber beim Kampf gegen Antisemitismus und Solidarität mit den Geiseln der Hamas hört die Freundschaft wohl auf.“

Sie würde Tote in einem Krieg niemals gutheißen. „Ich habe nie einen Unterschied gemacht, mir sind Hautfarbe und Religion völlig egal. Sonst würde ich mich nicht seit 2014 für Geflüchtete einsetzen.“ Die Version, sie habe Shirts in Auftrag gegeben, mit denen „Bombardierungen und Tote gutgeheißen werden, ist völlig absurd“, sagt Schmieder.

Lale Akgün: „Erdogan ist ein unverhohlener Antisemit“ 

Die frühere Kölner Bundestagsabgeordnete Lale Akgün (SPD) überrascht die Geschichte nicht. „Der türkische Präsident Erdogan bezeichnet die Hamas als Befreiungsorganisation und lässt Porträts von deren Führer aufhängen, Erdogan ist ein unverhohlener Antisemit“, sagt sie. „Und die Türkeistämmigen in Deutschland haben ihn mit großer Mehrheit gewählt.“ Menschen, die sich der Geschichte der Schoa und der besonderen Verantwortung Deutschlands nicht bewusst seien, rät Akgün, „besser die Klappe zu halten“.

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