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Vermüllung von Köln So soll die Stadt wieder sauberer werden

Müll Pilotprojekt

Ein Müllberg in Porz

Porz – Für herausragende Sauberkeit ist Köln nicht gerade berühmt, und der Stadtbezirk Porz sieht mit vermüllten Grünanlagen, überquellenden Abfallsammelbehältern und dreckigen Bürgersteigen keineswegs besser aus als andere Veedel.

Von Porz aus könnte jetzt aber ein Signal ausgehen, das ein schmuckeres Bild der Gesamtstadt zur Folge hat. In Urbach stellten Fachleute der Abfallwirtschaftsbetriebe und gegen die Vermüllung engagierte Mitglieder der vernetzten Bürgervereine jetzt ein Pilotprojekt für eine sauberere, lebenswerte Stadt vor.

Seit Jahresbeginn haben die AWB und die vernetzte Gemeinschaft der Bürgervereine aus den Porzer Ortsteilen das Projekt vorbereitet, seit Juni läuft es. Erste ermutigende Ergebnisse sind schon zu sehen. Hält der Trend, soll der Rat die in Porz getroffenen Maßnahmen möglichst für die ganze Stadt einführen.

Wirksame Demonstration am Porzer Bezirksrathaus

Die Porzer Bürgervereine hatten schon zahlreiche Anläufe unternommen, um Politik und AWB zu mehr und besser fokussiertem Einsatz gegen den Müll in der Stadt zu bewegen. Es blieb jedoch bei vereinzelten Erfolgen, die Unzufriedenheit wuchs, bis im Januar eine öffentlichkeitswirksame Demonstration am Porzer Bezirksrathaus stattfand. „Wir wollten erreichen, dass nicht nur punktuell Abhilfe geschaffen wird, wenn Müllbehälter überlaufen, Beete und Gehwege im Abfall versinken“, sagt Simin Fakhim-Haschemi vom Vorstand der Vernetzung.

Nur über regelmäßige Gespräche lasse sich echte Verbesserung erzielen.
Christian Joisten, SPD-Fraktionschef im Rat, vermittelte ein erstes, ermutigendes Treffen mit dem Vorstand und örtlichen Fachleuten der Abfallwirtschaftsbetriebe, „und seither haben wir uns kontinuierlich ausgetauscht und das Pilotprojekt ans Laufen gebracht“, sagt Fakhim-Haschemi. Am „runden Tisch Müll“ sind von Seiten der AWB Ulrike Diederichs (Bereichsleiterin in der Geschäftsführung), Vertriebsmitarbeiter Francesco Micello und der für Porz zuständige Gruppenleiter Markus Brendgen, von Seiten der Vernetzung Sprecher der einzelnen Vereine versammelt.

Zunehmende Achtlosigkeit bei der Entsorgung von Müll

Bei einem Treffen in Urbach berichteten Ulrike Diederichs von der AWB und Aktive der vernetzten Gemeinschaft über konkrete Maßnahmen, die seit Juni durchgeführt werden oder angestoßen worden sind. „Die AWB sind natürlich der erste Ansprechpartner, wenn es um eine saubere Stadt geht“, sagt Diederichs , „dieser Verantwortung sind wir uns bewusst und sehen auch, dass sich der Reinigungsbedarf verändert hat.“

Damit spielt sie darauf an, dass immer mehr Menschen vielfältige Aktivitäten ins Freie verlegt haben und schon dadurch mehr Müll zusammenkommt. Doch sei auch ein zunehmend achtloser Umgang vieler mit der Entsorgung des eigenen Abfalls zu beobachten. „Nicht selten werden Straßen und Plätze mutwillig verdreckt“, gibt die für Vertrieb, IT, Marketing und Digitalisierung zuständige Bereichsleiterin wieder, was AWB-Teams täglich erleben. Deshalb seien die Abfallwirtschaftsbetriebe froh, wenn Organisationen wie die Vernetzung der Bürgervereine sich engagierten und Anlieger in die Reinigungsnotwendigkeiten miteinbeziehen.

Ampelsystem für Mülleimer

Diederichs und Fakhim-Haschemi erinnern daran, dass in Porz satzungsgemäß mehr als 90 Prozent der Bürgersteige und gut die Hälfte der Straßen von den Anliegern sauber gehalten werden müssen. Diese Verpflichtung wollen sie durch Informationsarbeit deutlich ins Bewusstsein der Porzer rücken.

Ein wichtiger Baustein für mehr Sauberkeit sind aufnahmebereite Abfallbehälter – das Überquellen hatte zuletzt häufig für Ärger gesorgt. In Vorbereitung des Pilotprojekts haben die Bürgervereine für alle Porzer Ortsteile die öffentlichen Papierkörbe beobachtet und in ein Ampelsystem eingeordnet.

„Rot gilt für die Müllbehälter, die regelmäßig überquellen, gelb für solche, bei denen das immer wieder mal vorkommt und grün für die, bei denen die Leerungsintervalle dem Bedarf entsprechen“, berichtet Fakhim-Haschemi. Um Abhilfe zu schaffen, suchten die AWB nach geeigneten Lösungen, die aber auch in die komplexen Arbeitsabläufe bei der Stadtreinigung passen mussten. Bisher, so Diederichs, sind die Leerungen durchweg an die Straßenreinigung gekoppelt.

Verschiedene Maßnahmen zur Erreichung des Ziels

Um mehr Flexibilität zu erreichen, habe man beide Vorgänge entkoppeln müssen, was organisatorisch aufwändig sei. Der Erfolg allerdings stellte sich prompt ein. „Die häufigere Leerung hat schon ziemlich gute Ergebnis gebracht“, sagen Diederichs und Fakhim-Haschemi übereinstimmend.

Ein weiteres Ziel, bei dem die Bürgervereine die AWB in der Bedarfseinschätzung unterstützt haben, ist die Benennung sogenannter Abfall-Hotspots. Für jedes Veedel wurde ein solcher Hotspot ausgesucht, an dem während der Versuchsphase ein besonderer Einsatz erfolgt. Teams arbeiten in zwei Schichten, Auftakt ist am Friedrich-Ebert -Ufer.

Bei der Informationskampagne hinsichtlich der Anliegerpflichten bei der Reinigung arbeiten Bürgervereine und AWB gleichfalls zusammen. Die von den AWB gedruckten Handzettel wollen die Bürgervereine in den einzelnen Orten verteilen. Bis in den November/ Dezember soll das Pilotprojekt laufen, danach werden die Ergebnisse in eine umfassende Planung einfließen.

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Ulrike Diederichs zufolge wird das Pilotprojekt aus Eigenmitteln der AWB finanziert. Eine Fortsetzung oder sogar Ausweitung auf die ganze Stadt wäre aber mit Kosten verbunden, für die eine Finanzierung gesucht werden müsse, „über den Haushalt oder Gebühren.“ Diederichs sieht durchaus Möglichkeiten zu einer gerechten Kostenverteilung und verweist auf ein Beispiel aus Hamburg, wo alle großen Anlieger vertraglich verpflichtet wurden, Müll vor ihrem Gelände zu entsorgen – bei Missachtung erledige das die Stadt und bitte prompt zur Kasse.

Die Gemeinschaft der Bürgervereine zeigt sich sehr froh über den jetzt regen Austausch mit der AWB und die Möglichkeit zur Mitwirkung an der Planung. Die Abfallwirtschaftsbetriebe setzen gleichfalls aufs Miteinander, wie Diederichs betont. „Es ist sinnvoll und effektiv, sich da einzubringen, wo schon Engagement ist.“ Simin Fakhim-Haschemi lobt die Bündelung der Kräfte und den Elan der Reinigungsmitarbeiter. Sie bringt die erhoffte langfristige Wirkung schlicht auf den Punkt: „Machste nichts, kostet es“, sagt sie.