Kampf der DrogenbandenGeiselnahme und Explosionen in Köln waren offenbar Druckmittel der Rauschgiftmafia

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Beamte des SEK (Symbolbild)

Beamte des SEK (Symbolbild)

Die Spur führt die Ermittler dem Vernehmen nach auch zu Banden der organisierten Drogenkriminalität in den Niederlanden.

Ein brutaler Kampf in der Drogenszene schwelt offenbar seit zwei Wochen im Rheinland und an der Ruhr. Fünf Sprengstoffanschläge haben die Bevölkerung zuletzt aufgeschreckt: drei in Köln, einer in Engelskirchen und ein weiterer in Duisburg.

Wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ aus Ermittlerkreisen erfuhr, wollten mutmaßlich Drogenhändler der niederländischen sogenannten Mocro-Mafia mit Sprengstoff unter anderem in der Keupstraße in Mülheim sowie in Buchheim Personen unter Druck setzen, um 300 Kilogramm gestohlenes Marihuana wiederzubekommen. Die Strafverfolger schätzen den Wert des Rauschgifts auf circa anderthalb Millionen Euro.

Drogenbande soll Paar aus Bochum nach Köln entführt haben

Darüber hinaus sollen die niederländischen Täter in Bochum einen Mann und eine Frau entführt und nach Köln-Rodenkirchen verschleppt haben. Am Freitagabend befreite ein Spezialeinsatzkommando die Gefangenen und nahm vier mutmaßliche Entführer fest. Opfer wie Geiselnehmer stammen mutmaßlich aus dem Drogenmilieu. Sieben Männer sitzen deshalb inzwischen in Untersuchungshaft, wie die Polizei am Montag mitteilte. Sechs von ihnen wirft die Staatsanwaltschaft gemeinschaftliche Geiselnahme und gefährliche Körperverletzung vor, der siebte wird der Beihilfe beschuldigt.

Die Kripo stellte bei weiteren Durchsuchungen an sechs Orten in Köln am Samstag Geld und Mobiltelefone sicher. Ermittler fürchten allerdings, dies könnte erst der Auftakt zu einer Welle weiterer Rache- und Gewaltakte gewesen sein. Weitere Drahtzieher sollen verfolgt worden sein, konnten aber wohl in den Niederlanden abtauchen.

„Mocro-Mafia“ scheint sich in NRW auszubreiten

Ob die zwei Geiseln einer kriminellen Großfamilie angehören, ist noch nicht ganz klar. Zunächst war die Dortmunder Polizei für den Fall zuständig. Bei der Festnahme der vier Geiselnehmer in Rodenkirchen wurden Schusswaffen sichergestellt.

Insider in den Sicherheitsbehörden verfolgen mit Sorge, dass sich die Mocro-Drogenmafia in NRW auszubreiten scheint. Schon befürchtet man niederländische Verhältnisse, in der selbst das Königshaus durch die marokkanisch stämmigen Drogenbanden bedroht und der Journalist Peter R. de Vries auf offener Straße erschossen wurden.

Seit Monaten überschwemmen Kokaintransporte aus den Seehäfen in den Beneluxstaaten den deutschen Schwarzmarkt. Auch die illegalen Cannabis-Transporte aus Holland nehmen seit der Liberalisierung durch die Bundesregierung spürbar zu. Neben der italienischen Mafia mischen insbesondere holländische Banden mit marokkanischen Wurzeln mit. Die Mitglieder stammen aus sozialen Brennpunkten und dienen sich hoch. Erst als Geldautomatensprenger, dann im Drogengeschäft oder als Auftragskiller.

Oliver Huth, NRW-Chef des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), hat schon lange vor der Entwicklung gewarnt. Die wochenlangen Anschläge und Geiselnahmen, „zeugen von einer neuen Qualität der Gewalt durch die Drogen-Gangs aus den Niederlanden. Wir haben jetzt die holländische Mafia hier, die jenseits der Grenze bereits die Demokratie untergräbt“.

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