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Ein kulinarischer Samstag in RodenkirchenDie Moveater laden per App zur „gastronomischen Schnitzeljagd“

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Gastronomin Petra Walterscheidt mit den Moveat-Organisatoren Holger Lodahl und Simone Brabec.

Gastronomin Petra Walterscheidt mit den Moveat-Organisatoren Holger Lodahl und Simone Brabec.

Moveat ist wie eine kulinarische Schnitzeljagd durchs eigene oder ein neues Veedel. Frühlingspremiere war in Rodenkirchen. 

Minifrikadellen auf Wirsing oder ein Curry aus Kichererbsen als vegane Variante? Rheinische Tapas, italienische Antipasti oder doch etwas Süßes? Im vergangenen Jahr feierte die Restaurant-Tour Moveat Premiere. Jetzt im Frühjahr hielt die „kulinarische Schnitzeljagd“ mit einer ersten Station in Rodenkirchen. Moveat, aus dem Englischen zusammengesetzt, bedeutet so viel wie bewegen und essen.

Ein „Moveater“ wird man dabei ganz einfach. Über eine App buchen die Teilnehmer ihre Tickets zu 45 Euro. Am Startrestaurant gibt es ein gelbes oder grünes Bändchen für veganes Essen und dann beginnt die Tour durch das Veedel.

Wir fangen eigentlich beim größten Restaurant an und von da verteilt es sich, weil jeder nach seinem eigenen Gusto die sechs bis acht Restaurants erkunden kann
Holger Lodahl

„Wir fangen eigentlich beim größten Restaurant an und von da verteilt es sich, weil jeder nach seinem eigenen Gusto die sechs bis acht Restaurants erkunden kann“, erklärt Holger Lodahl, Kommunikationssprecher der Firma Wellfairs aus Meerbusch. Seit 2018 ist Moveat in Schweden, Dänemark und Norwegen erfolgreich. Im September hatte das Veranstaltungsunternehmen das Konzept von moveat übernommen und erstmalig in Düsseldorf getestet. Da nahmen gleich 300 Gäste teil. Lanciert hatte das Unternehmen das Angebot zunächst über bekannte Influencer und Portale wie „Rausgegangen“.

Schlemmen und klönen

Die meisten der 90 Teilnehmenden in Rodenkirchen kamen über die sozialen Netzwerke. „Wir sind aus Niederkassel gekommen, weil wir uns heute sowieso treffen wollten. Dafür ist die Veranstaltung perfekt“, bescheinigt die Freundinnen-Gruppe, die mit den öffentlichen Verkehrsmitteln angereist ist. Damit ist das Konzept gut beschrieben: Etwas anderes und andere kennenlernen, gleichzeitig schlemmen und klönen. Nicht nur die Strecke ist individuell, sondern auch die Verweildauer. „So entzerrt es sich“, erklärt Lodahl. 

In Rodenkirchen beginnt die Tour im „Bistro Verde“. Im Hof hat Petra Walterscheidt Hochtische mit Tischdecken und Blumen dekoriert und draußen, neben dem normalen Betrieb, einen Getränkestand aufgebaut. „Ein tolles Konzept. Neue Gäste lernen uns kennen und wenn sie möchten, kommen sie wieder“, sagt die Inhaberin.

Tatsächlich kommt ein Mutter-Tochter-Gespann aus Rodenkirchen, das das Restaurant bisher nicht auf dem Schirm hatte: „Wir entdecken tatsächlich im eigenen Viertel etwas Neues“, erklären sie. Viele kommen aus unmittelbarer Nähe, andere nutzen die Gelegenheit, um kulinarische Hotspots in anderen Veedeln oder gleich in einer anderen Stadt kennen zu lernen. Im Bistro gibt es besagten Wirsing oder das Curry.

Schnitzel und Pommes

Der Gewinn für die Gastronomen sind darüber hinaus die Getränke, die separat bezahlt werden müssen. Im Haus Schmitz werden rheinische Tapas serviert, dreierlei Salate stehen im Nosh Café & Deli zur Auswahl, Hing´r der Heck serviert Schnitzel und frische Pommes. „Alle Gastronomen geben sich viel Mühe und servieren das, was bei ihnen persönlich meist gegessen wird“, erklärt Lodahl. So hat sich das Hing´r der Heck mit Gastronomin Jessica Klinker seit ihrer Übernahme 2024 deutlich verjüngt. Neben Schnitzel und Pommes schwören viele junge Besucher auf die vegane Currywurst. Das altehrwürdige Haus Schmitz präsentiert im gemütlichen Innenhof rheinische Tapas, anstatt wie bisher argentinische Steaks. Im Linos gingen die Meinungen auseinander. „Der Sarti Spritz und die Parmigiana waren toll“, meinte eine Gruppe aus Sürth. Andere verzichteten, da der Italiener keine freie Platzwahl anbot, sondern die Moveater, trotz schönstem Wetter, von den anderen Gästen im Souterrain separierte.

Überzeugendes Konzept

Im Quartier war der angebotene Käsekuchen kurz vor Ende um 17 Uhr bereits aus, die Gäste bekamen stattdessen Möhrenkuchen und Bananenbrot. „Es ist das erste Mal für diesen kleineren Stadtteil und dafür ist es wirklich erfolgreich“, erklärt Simone Brabec, die vor Ort die Restaurants aussucht. Wie sie das im Vorfeld macht? Nach Bewertungen, Größe, in erster Hinsicht aber nach der Kulinarik. „Prinzipiell zahlen wir nicht für das Essen, sondern wir lernen wirklich etwas Neues kennen“, sagen Gaby und Klaus aus Hürth, die gerne immer wieder nach Rodenkirchen kommen. Prinzipiell fand das Paar, wie fast alle Moveater, das Konzept überzeugend: „Man geht doch sonst immer in die gleichen Restaurants. Hier haben wir zwei gefunden, da gehen wir ganz sicherlich noch einmal hin.“ Weitere Termine sind am 11. April in Nippes, am 16. Mai im Belgischen Viertel und am 13. Juni in Kalk, wo jeweils sechs bis acht Restaurants ihre Türen für die Moveater öffnen.