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450 Wohnungen in BestlageDas Quartier Vierfalt entsteht in Ehrenfeld

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Zwei Männer in Anzügen stehen auf einem leeren Grundstück. Im Hintergrund sind der Colonius und das Telekom-Hochhaus an der Inneren Kanalstraße zu sehen.

Große Pläne mit der Brache: Henning Dieke und Christian Giessler (v.l.) wollen auf dem früheren Siemens-Gelände fast 500 Wohnungen bauen.

Das ehemalige Siemens-Gebäude wurde vor vier Jahren abgebrochen. Im Herbst ist es nun soweit: Der Bau des neuen Quartiers „Vierfalt“ beginnt.

Dann soll auf dem ehemaligen Grundstück der „Ehrenfelder Aida“, dem abgerissenen, an die Aufbauten eines Kreuzfahrtschiffs erinnernden Siemens-Gebäudes, der erste Bauabschnitt des Wohnungsbauprojekts „Vierfalt“ starten. Bis Anfang 2029 will der Immobilieninvestor Swiss Life Asset Managers (SLAM) etwa 170 Wohnungen im geschlossenen Häuserblock des Baufelds A an der Stammstraße fertigstellen: „Die Wohnungen werden eine Größe zwischen 25 und 170 Quadratmetern haben, der Schwerpunkt liegt auf Ein- bis Dreizimmerwohnungen“, erklärt Christian Giessler, Niederlassungsleiter Rhein-Main bei SLAM. „Wir wenden uns an eine breite Zielgruppe.“

Eins der letzten innenstadtnahen Grundstücke Kölns wird bebaut

Es wäre der Startschuss für die Bebauung eines der letzten großen freien, innenstadtnahen Areale der Domstadt: Auf einer Fläche von 1,9 Hektar Größe sollen bis Anfang 2030 in vier Bauabschnitten insgesamt 430 bis 450 Wohnungen geschaffen werden, am Zuschnitt einiger Wohnungen werden noch Feinjustierungen vorgenommen. Den Erfordernissen des kooperativen Baulandmodells entsprechend sind etwa 110 öffentlich geförderte Wohnungen eingeplant. Bei den übrigen wird der Anteil von Mieteinheiten laut Giessler bei 30 bis 50 Prozent liegen, bei dem Rest handelt es sich um Eigentumswohnungen.

Hinter einer Brachfläche sind der Fernsehturm, ein Bürohochhaus und eine Moschee zu sehen.

Das neue Wohnquartier Vierfalt ensteht in direkter Nachbarschaft zu Colonius, Moschee und Telekom-Hochhaus.

Auch die Preise stehen schon fest: Für die Eigentumswohnungen müssen Käufer 7- bis 9000 Euro pro Quadratmeter berappen, die künftigen Mieter müssen mit 20 und 25 Euro pro Quadratmeter rechnen, je nach Größe und Lage der Wohnung. „Das Quartier fügt sich nach Konzeption und Stil hervorragend in diese Umgebung ein“, sagt Henning Dieke, geschäftsführender Gesellschafter des Maklerunternehmens Cloudberry Real Estate, das für den Vertrieb zuständig ist. „Und die Lage zwischen dem Belgischen Viertel und dem alten Ehrenfeld ist einmalig.“ Das Wortspiel „Vierfalt“ bezieht sich auf das Image des „bunten“ Stadtteils Ehrenfeld ebenso wie auf die vier Baublöcke.

Zu sehen sind mehrere Wohnblöcke, davor sind Grünanlagen und Menschen mit Fahrrädern oder auf Bänken sitzend zu sehen.

So sollen sie  Wohnblöcke einmal aussehen. Sie sollen modernsten Standards entsprechen.

Voraussetzung für den Baubeginn ist allerdings die Erteilung der Baugenehmigung, doch nach der Zustimmung der politischen Gremien ist man bei SLAM zuversichtlich. Schließlich seien mittlerweile auch die Einwände der Anwohner und des BUNDs wegen der vorgeschriebenen großen Grünfläche widerlegt, die dem Projekt angeblich fehle. So teilte die Stadt mit, die Kritiker seien von einer falschen Berechnungsgrundlage ausgegangen, und Christian Giessler betont, die Dichte der Bebauung habe sich aus dem städtebaulichen Wettbewerb ergeben und wurde von der Stadt anschließend festgeschrieben.

Außerdem werde nach der Fertigstellung der Wohnblöcke nicht nur die lange verschlossene direkte Verbindung zwischen Franz-Geuer-Straße und Everhardstraße für Fußgänger und Radfahrer wiederhergestellt, die im Radverkehrsplan als Hauptroute ausgewiesen ist. Auch die Ost-West-Verbindung zur Bezirkssportanlage, etwa von der Pellenzstraße aus, wird für Radfahrer und Fußgänger wieder geöffnet.

Schon vor Jahren hatte sich eine Initiative für eine Öffnung zusätzlicher Flächen der Anlage für Anwohner eingesetzt. Die Verwaltung stellte die Umsetzung in Aussicht, doch bislang wurde lediglich mit einer Fußgängerampel über die Innere Kanalstraße eine sichere Verbindung zwischen Sportanlage und Grüngürtel hergestellt. Nun hofft man im Veedel wieder: Eine Neugestaltung der Anlage im Zusammenhang mit dem „Vierfalt“-Projekt würde Sinn machen.

Ein mehrgeschossiges Bürogebäude ist zu sehen, im Hintergrund ragt der Colonius in die Höhe.

Im Herbst 2022 begann der Abbruch des Siemens-Gebäudes in Ehrenfeld.

Die von vielen Anwohnern geforderte Erschließung des Wohngebiets für den Pkw-Verkehr über die Fuchsstraße aber sei nicht herzustellen, erklärt Giessler: „Dort befindet sich ein öffentlicher Parkplatz, über den unser Grundstück nicht zu erreichen ist.“ Die vier separaten Tiefgargen des neuen Quartiers mit ihren insgesamt 270 Pkw-Stellplätzen werden daher ausschließlich über Franz-Geuer- und Stammstraße angefahren. Mit etwa 1400 „Fahrzeugbewegungen“ täglich rechnet das Stadtplanungsamt, auf die Franz-Geuer-Straße entfielen 1000 – zu Siemens-Zeiten seien es rund 2000 gewesen.

811 Fahrradstellplätze, Kultur und Gastronomie ergänzen das neue Veedel

Der Schwerpunkt liegt ohnehin auf dem Radverkehr: Insgesamt sind für die „Vierfalt“-Bewohner mehr als 811 Fahrradstellplätze vorgesehen, mehr als 170 davon oberirdisch an den Hauseingängen. Zehn Prozent dieser Stellplätze sind für Lastenräder geeignet, auch Abstell- und Lademöglichkeiten für E- Lastenfahrräder sind Teil des Angebots. Großen Wert legt Christian Giessler auf den Umstand, dass das Wohnquartier mit Photovoltaikanlagen und Wärmepumpen die höchsten Energiestandards für Neubauten erfüllt. Auch seien die drei geplanten achtgeschossigen „Hochpunkte“ auf den meist fünf- bis sechsgeschossigen Gebäuden etwa auf der Höhe des ehemaligen Siemens-Gebäudes.

Kulturbetriebe und Gastronomie sollen sich ebenfalls im neuen Wohngebiet ansiedeln, aber ebenso wie Büros und Dienstleistungen wohl eher in geringem Umfang. Fest eingeplant sind die drei- bis viergruppige Kita und ein etwa 1500 Quadratmeter großer öffentlicher Spielplatz auf dem Grünstreifen an der Bezirkssportanlage. 

www.vierfalt-koeln.de