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„Ich kann nicht nichts tun“Wie Jörg Blöck das Sürther Bootshaus im Exil weiterleben lässt

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Das abgebrannte Sürther Bootshaus am 4. August

Das abgebrannte Sürther Bootshaus am 4. August

Der Brand hat im Kölner Süden eine Lücke hinterlassen – und einen Gastronomen ohne Herd. Nun teilt dieser sein kulinarisches Erbe ehrenamtlich.

Seit das Sürther Bootshaus am 4. August bis auf den Dachstuhl niederbrannte, steht Jörg Blöck ohne seine Wirkungsstätte da. Ein schwerer Schlag für den passionierten Koch, der schon als Neunjähriger am Herd stand. „Er kann einfach nicht ohne das Kochen“, sagt seine Lebensgefährtin Ursula „Uschi“ Seigner. Blöck selbst macht keinen Hehl aus seiner Gefühlslage: „Ich kann nicht einfach auf der Couch sitzen und nichts tun. Die Trauer ist immer noch da – schließlich ist da eine Existenz kaputtgegangen.“

Blöck bringt Haxe und Knödel in andere Küchen

Während am Bootshaus die Wiederaufbauarbeiten anlaufen, bekämpft Blöck den Kummer mit Tatendrang. Seine Idee: Wenn er seine traditionellen „Bayerischen Wochen“ nicht auf dem Boot feiern kann, bringt er Haxe, Knödel und Krustenbraten eben in andere Küchen.

Das abgebrannte Sürther Bootshaus

Das abgebrannte Sürther Bootshaus

Gastronom Jörg Blöck am Herd im Landhaus Alt Weiß mit neuem Pächter Martin Richter (links)

Gastronom Jörg Blöck am Herd im Landhaus Alt Weiß mit neuem Pächter Martin Richter (links)

Für sein kulinarisches Asyl hat sich der erfahrene Gastronom, der seit mehr als 30 Jahren selbstständig ist, zwei seiner früheren Wirkungsstätten ausgesucht, wo er ehrenamtlich aushilft. Den Anfang machte in der vergangenen Woche das Landhaus Alt Weiß, das Blöck selbst von 2015 bis 2020 führte und das im April von dem jungen Pächterehepaar Jessie und Martin Richter übernommen wurde.

Die Aktion kommt gut an. Das Lokal war durchgehend ausgebucht, die Gäste kamen in bayerischer Tracht und drängten sich am Tresen. Für Blöck eine Win-win-Situation: „Ich kann hier mein Know-how einbringen.“ Neben den Rezepten vermittelt er dem Nachwuchs wertvolle Kniffe für den Einkauf, die Kalkulation und die Organisation einer solchen Themenwoche. „Ich habe das Konzept übertragen, um die jungen Kollegen ein wenig anzulernen und Erfahrungen weiterzugeben“, sagt Blöck.

O’zapft is in Rodenkirchen

Seit Dienstag, 29. September, ist das bayerische Gastspiel weiter nach Rodenkirchen ins Haus Schmitz gezogen. Auch hier ist Blöck kein Unbekannter: 2008 arbeitete er dort als Küchenchef. „Die ursprüngliche Kneipe trägt nach dem Umbau immer noch meine Handschrift“, erzählt er. Da sich in der Küche seither einiges verändert hat, stellt sich der Routinier auf ein wenig Improvisation ein.

Der Krustenbraten für die kommenden Tage ist bereits angesetzt. Das Menü bleibt identisch mit dem aus Weiß, das Konzept haben die Richters und der aktuelle Pächter des Haus Schmitz, Rami Salim, gemeinsam ausgetüftelt. Bis zum Sonntag, den 4. Oktober, stehen die bayerischen Spezialitäten auf der Karte. Am Samstag, 3. Oktober, wird ein Bayernfest mit Live-Musik und Schmankerln gefeiert. Tracht ist dabei ausdrücklich erwünscht.

Blöck will in der Gänsezeit erneut helfen

Nach den anstrengenden Wochen gönnt sich das Bootshaus-Paar erst einmal eine wohlverdiente Auszeit. Doch die Pause wird nicht von Dauer sein: Sobald im Spätherbst die Gänsezeit beginnt, wird Blöck vermutlich schon wieder in der nächsten Küche aushelfen.

Parallel dazu läuft die Zukunftsplanung für das eigene Restaurant. Wenn alle Handwerker und Gewerke Hand in Hand arbeiten, ist eine Wiedereröffnung des Sürther Bootshauses im Mai oder Juni 2027 realistisch. Bis dahin nutzt Blöck die Zeit am heimischen Herd, um neue Kreationen für die spätere Speisekarte auszuprobieren. Sein augenzwinkerndes Fazit zu den privaten Kochexperimenten: „Manchmal ist es für die Tonne, aber meistens kann man es sehr gut essen.“