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Einbrüche in KleingartenanlagenSchaden wiegt oft schwerer als der Diebstahl

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Zwei Männer stehen mit ihren beiden Hunden neben der Laube einer Kleingartenanlage.

Jürgen Wittek (l.) und Maik Gwis sind überzeugt, dass es den Kameras zu verdanken ist, dass in ihrer Gartenanlage seit mehr als anderthalb Jahren nicht mehr eingebrochen wurde. 

Aufgebrochene Türen, zerstörte Fenster, geklautes Werkzeug, Ärger mit der Versicherung: Einbrüche gehören für viele Kleingärtner im Kölner Süden zum Alltag. 

Es ist oft gar nicht der materielle Verlust, der am schwersten wiegt. „Es ist einfach kein schönes Gefühl, wenn jemand seine Laube oder seinen Schuppen aufgebrochen vorfindet, das ist alles sehr ärgerlich“, sagt Maik Gwis, Vorsitzender der Kleingartenanlage Neuenhof in Höningen. Ein Gefühl, das viele Pächter nur zu gut kennen. Einbrüche in Gartenlauben und Geräteschuppen sind ein Dauerthema in Kölner Kleingartenanlagen. Abgelegene Lagen, einfache Bauweise und meist fehlende Alarmanlagen machen den Tätern den Einstieg leicht. Die Polizei Köln registrierte 947 Einbrüche in Kleingärten im Jahr 2023, 616 im Jahr 2024. Für 2025 liegen noch keine abschließenden Zahlen vor, laut Polizei deutet sich jedoch bereits ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr an.

In der Anlage Neuenhof wurde zuletzt 15 bis 30 mal pro Jahr eingebrochen. „Es kamen mitunter Geräte, vor allem mit Akkus, weg, oft wurde jedoch gar nicht viel geklaut. Aber der Schaden war da und eine aufwändige Abwicklung mit der Versicherung nötig“, berichtet Gwis. Häufig falle die Entschädigung geringer aus als erwartet. „Die Pächter sind dann oft enttäuscht“, sagt er. Besonders belastend seien Einbruchswellen. „In Müngersdorf wurden in einer Anlage vor vielen Jahren in einer Nacht einmal 32 Lauben aufgebrochen. Das ist viel“, berichtet Christoph Kürten vom Kreisverband der Kölner Gartenfreunde. Beliebtes Diebesgut seien Akku-Rasenmäher und andere Geräte. „Manchmal kommt auch gar nichts weg. Aber der Schaden durch aufgebrochene Türen oder Fenster ist dann da“, bestätigt Kürten die Beobachtung von Gwis.

Anlage am Sonnenhang in Rodenkirchen auch betroffen

Auch die Pächter der Anlage Sonnenhang in Rodenkirchen können davon ein Lied singen. „Es wird immer mal wieder bei uns eingebrochen“, sagt Vorsitzender Damir Vukovic. „Die Wildkamera eines Pächters hat einmal einen Einbrecher aufgenommen, der hat sich Essen aus der Laube geholt, ein Bierchen getrunken und dann ein Nickerchen im Gartenstuhl gemacht.“ Darüber könne man fast lachen – wären da nicht die Schäden. „Da sind immer Schäden an der Laube, eine kaputte Tür, ein kaputtes Fenster“, sagt er.

Die Vereine setzen deshalb verstärkt auf Prävention. Pächter werden sensibilisiert, Türen und Fenster gut zu sichern und unbekannte Personen anzusprechen. Im Sonnenhang hat der Vorstand am Vereinsheim Bewegungsmelder installiert. „Wir überlegen auch, Kameras anzubringen, aber das ist aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht so einfach“, sagt Vukovic. Öffentliche Wege dürfen nicht gefilmt werden.

Kameras überwachen vereinseigenes Gelände im Neuenhof

In der Anlage Neuenhof hat man den Schritt vor rund anderthalb Jahren gewagt. „Wir haben uns vorher intensiv von einem Rechtsanwalt beraten lassen“, sagt Gwis. Die Kameras wurden so installiert, dass ausschließlich vereinseigenes Gelände erfasst wird. Die acht Kameras zeichnen auf, sobald sich etwas in ihrem Sichtfeld bewegt, gleichzeitig geht Licht an. Die Kameras kosteten rund 1.200 Euro. „Für unseren Verein ist das viel Geld. Aber die Investition hat sich gelohnt. Seit wir die Kameras haben, haben wir keine Einbrüche mehr“, sagen die beiden. Mitte Januar habe eine Kamera nachts drei junge Männer mit Einbruchswerkzeug aufgenommen. „Als das Licht anging, blickten sie erschreckt hoch und merkten, dass sie gefilmt wurden“, erzählt Wittek. Eingebrochen wurde in der Nacht nicht. Auch die benachbarte Anlage KGV Höningen rüstet auf. „Wir statten derzeit unsere Hauptwege mit Solarlampen aus und hoffen, das schreckt ab“, sagt Vorstand Stefan Teichmann. Im vergangenen Jahr habe man einen Täter auf frischer Tat gestellt und der Polizei übergeben, berichtet er.

An einer blauen Bretterhütte ist eine Kamera angebracht.

Die Kleingartenverein Neuenhof im Kölner Süden setzt auf Videoüberwachung, um Einbrecher abzuschrecken.

Wichtig sei neben technischer Sicherung vor allem Aufmerksamkeit, betonen Vereine und Kreisverband: regelmäßig nach dem Rechten sehen, gerade auch im Winter, andere Pächter und den Vorstand informieren und Einbrüche unbedingt bei der Polizei anzeigen. „Die Anzeige braucht man als Nachweis für die Versicherung“, sagt Kürten. Zugleich warnt er vor Unterversicherung der Parzellen. „Mit der Übernahme eines Gartens ist eine Grundversicherung verbunden, die aber oft nicht ausreicht“, erläutert er. Die Pächter müssten prüfen, ob sie ausreichend versichert seien. „Nachversichern ist jederzeit möglich“, so Kürten. Nicht versichert seien allerdings Gegenstände wie Fernseher oder Stereoanlagen. „Die gehören nach dem Bundeskleingartengesetz nicht in Kleingartenlauben und werden von der Gartenversicherung nicht abgedeckt“, betont er.


Die Polizei bietet kostenlose Beratungen zum Einbruchschutz beim Kriminalkommissariat für Kriminalprävention und Opferschutz an unter der Telefonnummer 0221 229-8008 oder der E-Mail kriminalpraevention.koeln@polizei.nrw.de.