Zollstocker erzählen ihre Geschichten – und Besucher können im November durch Guckkästen in ihre Lebenswelten eintauchen.
Kulturprojekt im VeedelLebensgeschichten aus Zollstock werden durch Guckkästen erlebbar

Sascha Salmen will Lebens- und Veedelsgeschichten einfangen und in selbst hergestellten Guckkästen erlebbar machen.
Copyright: Stephanie Broch
Wer lebt eigentlich hinter den Türen im Veedel? Welche Erinnerungen und Erfahrungen verbergen sich hinter den Fassaden? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt eines ungewöhnlichen Kulturprojekts, das Sascha Salmen jetzt in Zollstock auf den Weg gebracht hat. Unter dem Titel „Wir sind Zollstock – das Veedel im Guckkasten“ möchte der Schauspieler, Kulturvermittler und angehende Theaterpädagoge Menschen aus dem Stadtteil zu Wort kommen lassen – und neue Begegnungen ermöglichen.
„Auch Geschichten von Menschen, die sonst kaum gehört werden, sollen sichtbar und hörbar werden“, sagt Salmen. Alter, Herkunft und Lebensgeschichte der Interviewpartner sollen möglichst unterschiedlich sein. Persönliche Erinnerungen an Zollstock und Anekdoten aus dem Veedelleben sind ausdrücklich willkommen.
Das Projekt entsteht im Rahmen von Salmens Weiterbildung zum Theaterpädagogen als Tandemprojekt. Sein Tandempartner ist die evangelische Melanchthonkirche in Zollstock. Nachdem Salmen dort seine Idee vorgestellt hatte, sagten Pfarrer und Presbyterium schnell zu, wie der 48-Jährige berichet.
Rund 30 Menschen möchte er interviewen. Aus ihren Erzählungen entsteht eine Ausstellung, die im November in der Melanchthonkirche zu sehen sein wird. Die Gespräche dauern etwa 90 Minuten und können bei den Interviewpartnern zu Hause, in der Kirche oder an einem für sie besonderen Ort im Veedel stattfinden.

In den Guckkästen sollen die Lebens- und Veedelsgeschichten hör- und sichtbar werden.
Copyright: Stephanie Broch
Begehbare Galerie von Lebensgeschichten
Im Mittelpunkt steht die persönliche Verbindung zu Zollstock: Wie sind die Menschen hierhergekommen? Was bedeutet ihnen der Stadtteil? Welche Erinnerungen verbinden sie mit bestimmten Orten? Salmen zeichnet die Gespräche auf und schneidet daraus etwa zweieinhalb Minuten lange Auszüge. Diese werden in selbst gebauten Guckkästen zu hören sein, die er mit Fotos oder Videomaterial gestaltet und technisch ausstattet.
„Der Blick durch das Schlüsselloch ist ein Akt der Neugier, das Zuhören ein Akt der Wertschätzung. Unter dem Motto ‚Persönlichkeit trifft Weite‘ soll Zollstock so zu einer begehbaren Galerie von Lebensgeschichten werden“, beschreibt Salmen die Idee.
Interviewpartner noch gesucht
Mit Bezirksbürgermeisterin Sabine Müller hat Salmen bereits ein Interview geführt, weitere sollen im September folgen. Noch sucht er Interviewpartner, besonders Jüngere bis etwa Mitte 20, damit möglichst viele Generationen und unterschiedliche Perspektiven vertreten sind.
Nach einer Ausbildung zum IT-Systemelektroniker und vielen Jahren in diesem Beruf entschied sich Salmen für eine berufliche Neuorientierung. An einer Abendschule in Aachen ließ er sich zum Berufsschauspieler ausbilden. Seine Weiterbildung zum Theaterpädagogen absolviert er beim Latibul, dem früheren Theaterpädagogischen Zentrum Köln. „Theater hat mich schon als Kind fasziniert“, erzählt er.
Salmen lebt seit 2019 in Zollstock. In Bergheim geboren und aufgewachsen, wohnte er zuvor lange in Düren und Aachen. Wegen einer neuen Partnerschaft zog er in den Kölner Süden. „Ich fühle mich sehr wohl hier. Es gibt viel Grün, Cafés und Restaurants, die Menschen sind freundlich und die Atmosphäre offen“, schildert Salmen.
Ausstellung in der Melanchthonkirche
Die Ausstellung wird am Freitag, 6. November, um 18 Uhr mit einer Vernissage in der Melanchthonkirche eröffnet. An den folgenden Samstagen im November sind Begegnungscafés geplant. Besucher sollen dort miteinander ins Gespräch kommen und sich über ihre Verbindung zu Zollstock austauschen.
Das Projekt finanziert Salmen bislang selbst. Zwischen 3500 und 4000 Euro wird es ihn voraussichtlich kosten, eine Kulturförderung erhält er nicht. Deshalb freut er sich über Unterstützung durch private Förderer, Unternehmen und Sponsoren.
Wer seine Geschichte oder eine besondere Anekdote aus Zollstock erzählen und Teil des Projekts werden möchte, kann sich bei ihm melden.
Kontakt: Sascha Salmen, Telefon 0176 31772295, E-Mail: S.Salmen@pureCulturalAct.de. Weitere Informationen: www.pureculturalact.de/Wir-sind-Zollstock
