Mit Walter Raab ist einer der prägenden Künstler Zollstocks gestorben. Über Jahrzehnte hielt er sein Veedel in Tausenden Stimmungsbildern fest.
NachrufWalter Raab gab Zollstock mit seinen Bildern ein Gesicht

Walter Raab malte bis zuletzt in seinem Atelier in Zollstock, das er sich vor Jahrzehnten über seiner Wohnung ausgebaut hat.
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Regale voller Bücher über Malerei, an den Wänden und auf dem Boden Stapel von Bildern – das Dachatelier von Walter Raab über seiner Wohnung am Kalscheurer Weg erzählt viel über den Menschen, der dort arbeitete. Vor allem aber zeugte es von einer Leidenschaft, die ihn sein ganzes Leben begleitete – der Malerei.
Mit Walter Raab ist am 28. Juni im Alter von 90 Jahren ein Mensch gestorben, der sein Veedel über Jahrzehnte mit offenen Augen, feinem Gespür und unzähligen Bildern begleitet hat. Familie, Freunde und viele Weggefährten trauern um einen bescheidenen, warmherzigen Menschen mit wachem Geist.
1936 in Bayenthal geboren, prägte der Krieg seine frühen Jahre. 1943 wurde die Familie ausgebombt, zwei Jahre verbrachte sie im Bergischen Land, bevor sie 1945 nach Köln zurückkehrte – nach Zollstock, in den Kalscheurer Weg. Dem Veedel blieb er sein Leben lang treu. Hier ging er zur Schule, spielte seit seiner Jugend Trompete im Blechbläserkreis der Melanchthon-Kirche, lebte er mit seiner Familie und fand über Generationen hinweg Freundschaften. Zollstock war seine Heimat – und eines seiner wichtigsten Motive.
Malen als Notwendigkeit
Ob der Höninger Weg, der Dom, Brauhäuser, die Rheinlandschaft oder Straßenszenen aus dem Veedel: Walter Raab malte keine Postkartenansichten, sondern Stimmungen. „Malen war für mich immer eine Notwendigkeit, die Skizzen am Ende des Tages fast wie ein Zwang“, beschrieb er einmal. Auch auf Reisen hatte er sein Skizzenbuch stets dabei. Viele Werke zeigen mediterrane Landschaften aus Griechenland, Tunesien, Spanien oder Frankreich. „Hier können die Farben zu ihrer völligen Entfaltung aufblühen“, schwärmte Raab.
Mehrere Tausend Werke entstanden im Laufe seines Lebens. Vor allem der Aquarellmalerei war er zugetan. „Aquarelle sind vergleichbar mit Lyrik. Sie lassen viel Raum für Assoziationen und stoßen das Unbewusste im Menschen an“, beschrieb Raab einmal. Trotz seines großen Talents und seiner enormen Produktivität, entschied sich der Zollstocker beruflich bewusst für einen sicheren Weg. Nach seiner Arbeit als Fernmeldebauhandwerker bei der Post ging er in den höheren Dienst und wurde Lehrer in der Erwachsenenbildung. Die Kunst blieb seine Freiheit. „Ich kannte Maler, die mussten morgens malen, um abends zu essen. Das wollte ich nicht. Ich wollte unabhängig malen können“, sagte Raab einmal.
Geschichte Zollstocks festgehalten
Seine Bilder prägen auch das öffentliche Leben in Zollstock. Für den Bürgerverein kopierte er die älteste bekannte Ansicht des Stadtteils, für die Gemeinde St. Pius hielt er deren Geschichte in vier Gemälden fest. Die großformatigen Bilder hängen im Pfarrsaal der Kirche. Bis zuletzt saß Walter Raab regelmäßig an der Staffelei, war im Veedel unterwegs und seiner Familie mit sechs Enkeln eng verbunden. Mit Walter Raab verliert Zollstock nicht nur einen Künstler, sondern einen stillen Chronisten seines Veedels. Seine Bilder bewahren die Atmosphäre des Stadtteils – und die Erinnerung an einen Menschen, der ihn mit großer Aufmerksamkeit und viel Herz ein Leben lang begleitet hat.
