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„Es gibt weniger Blech“Wegfall von Parkplätzen lässt Kölner Nachbarn aufatmen

3 min
Drei Frauen stehen auf einem Bürgersteig. Ein Auto parkt hinter ihnen.

Barbara Mühlpointner, Heidi Dube und Renate Hofmann empfinden die neue Parkregelung als Gewinn.

Der Wegfall von rund 60 Parkplätzen in der Weißen Siedlung in Zollstock trifft auf viel Kritik. Einige freuen sich aber auch über mehr Platz für Fußgänger.

Kaum ein Thema bewegt die Anwohner der Bornheimer Straße und der Alfterstraße derzeit so sehr wie die neue Parksituation. Seit die Stadt im vergangenen September das jahrzehntelang zwar verbotene, aber geduldete Gehwegparken beendet hat, sind in den beiden Straßen rund 60 Stellplätze weggefallen. Viele Anwohner wollen diese Entscheidung jedoch nicht akzeptieren. Sie haben eigene Messungen vorgenommen, die nach ihren Angaben zu anderen Ergebnissen als die der Stadt führen. Zudem haben sie einen Vorschlag erarbeitet, der ihrer Ansicht nach den Erhalt der Parkplätze ermöglichen würde: Gehwegparken auf beiden Straßenseiten, ergänzt durch Markierungen für die Stellflächen. Die Initiative startete eine Petition, wandte sich an Verwaltung und Politik und setzt sich mit Nachdruck für eine Rücknahme der Regelung ein.

Als Argumente führen die Anwohner Stellplatzmangel sowie eine gestiegene Fahrgeschwindigkeit auf der nun freieren Bornheimer Straße an. Doch es gibt auch Anwohner, die den Wegfall der Parkplätze begrüßen. Dazu gehören Renate Hofmann, Heide Dube, Barbara Mühlpointner und Uli Bock.

Freude über mehr Platz auf schmalen Gehwegen in Köln-Zollstock

„Ich genieße es sehr, jetzt hierherzugehen. Man kann nebeneinander gehen und sich dabei unterhalten. Ich kann die schöne Architektur der Siedlung sehen, und es ist leiser, weil es viel weniger Parksuchverkehr gibt“, sagt Hofmann, die seit 16 Jahren in der Bornheimer Straße lebt. Auch als Radfahrerin fühlt sie sich sicherer. „Vorher war es so eng mit den Autos auf beiden Seiten der Straße, dass ein Auto und ein Fahrrad gar nicht aneinander vorbeikommen konnten. Als Radfahrerin musste ich mich dann immer zwischen die parkenden Autos quetschen, um den Gegenverkehr vorbeizulassen“, schildert Hofmann.

Links und rechts einer schmalen Straße mit Kopfsteinpflaster parken Autos.

So sah es bis Mitte Mai in der Bornheimer Straße und der Alfterstraße aus. Autos parkten auf beiden Seiten der Straße, teils auf dem Gehweg.

Ähnlich sieht es Heide Dube, die seit 22 Jahren in der Alfterstraße wohnt. „Es ist jetzt auf jeden Fall besser. Die Gehwege waren einfach zu schmal, wenn dort Autos parken, zumal die Autos auch immer größer werden“, sagt sie.  Früher habe sie ihr Fahrrad häufig umständlich rangieren müssen, wenn sie es aus dem Haus holte, weil direkt vor ihrer Haustür Fahrzeuge standen. „Jetzt kann man auch ruhig weitergehen, wenn einem auf dem Fußweg jemand entgegenkommt. Vorher war für zwei Menschen kein Platz, man musste in die Vorgärten ausweichen“, berichtet Dube.

Auch Barbara Mühlpointner spricht von einem spürbaren Gewinn an Lebensqualität. „Man kann besser gehen, man kann besser sehen, es gibt weniger Blech“, sagt die langjährige Anwohnerin der Bornheimer Straße. Uli Bock formuliert es ähnlich: „Ich bin seit der Durchsetzung der Straßenverkehrsordnung in unserer Straße positiv überrascht, wie viel Lebensqualität wir dadurch gewonnen haben. Die Straße ist übersichtlicher geworden, und ich muss mich nicht mehr zwischen die Autos zwängen, wenn mir jemand entgegenkommt. Leute im Rollstuhl, mit Rollator oder Kinderwagen hatten eh auf unserer Straßenseite keine Chance“, berichtet er.

Kein Recht auf kostenlosen Parkplatz

Hofmann weist zudem darauf hin, dass Apps für die Parkplatzsuche das gesamte Viertel als kostenlosen Parkraum ausweisen. „Wir verstehen die Sorgen unserer Nachbarn, aber die Zeiten mit Recht auf kostenloses Parken im öffentlichen Raum sind vorbei“, sagt sie. Weil die Gegner der neuen Regelung ihre Position gegenüber Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit bereits deutlich vertreten hatten, wandte sich nun auch Hofmann an Torsten Burmester. In ihrem Schreiben an den OB bezeichnet sie die Neuregelung als „einen Boost für die Lebensqualität in unserem Quartier mit den unter Denkmalschutz stehenden Riphahn-Bauten“. Die Stimmung sei trotz der gegensätzlichen Position zum Parken unter den Nachbarn gut, berichten sie, Dube und Mühlpointner.