Gegen die starke Strömung im Rhein kann selbst ein erfahrener Schwimmer, der eine Zusatzqualifikation zum Strömungsretter hat, nichts ausrichten und wird mitgerissen.
Gefährliche StrömungFeuerwehr und DLRG demonstrieren Gefahren beim Baden im Rhein
Gleich mehrere Personen trieben am Mittwochnachmittag in der Nähe des Rodenkirchener Ufers im Rhein. Anlass zu Besorgnis gab es aber nicht: Die städtische Feuerwehr und die DLRG demonstrierten bei einem Termin für die Medien, wie gefahrvoll es ist, in dem Strom zu schwimmen, und wie Rettungseinsätze ablaufen. Damit wollte die Stadt den Sinn des seit vorigem September geltenden Verbots untermauern, im Rhein zu baden.
Ein Verbot, das so mancher nicht einsehen mag, scheint der Fluss doch an vielen Stellen in Ufernähe harmlos. Dagegen hielt Ulrich Laschet, Pressesprecher der Feuerwehr, fest: „Der Rhein ist gefährlich!“ Die Demonstration solle alles andere als dazu animieren, „es auch mal probieren“, unterstrich er. Alle eingesetzten Leute seien trainierte Rettungsschwimmer und „abgesichert“.
Nie gegen die Strömung schwimmen
Zum Beispiel der Mann in Neoprenanzug und Weste, der sich als Erster von einem motorisierten Schlauchboot aus in den Rhein gleiten und sich zunächst auf dem Rücken treiben ließ. Dann drehte er sich um und schwamm mit kräftigen Zügen gegen die Strömung an. Schien es zunächst, als ob er sich zumindest auf der Stelle halten könnte, zeigte sich schnell, dass selbst dieser erfahrene Schwimmer, der die Zusatzqualifikation eines Strömungsretters hat, nichts gegen die starke Fließgeschwindigkeit ausrichten konnte und mitgerissen wurde. Schließlich ließ er sich wieder in Rückenlage treiben, mit den Füßen voran, bis ihn DLRG-Kollegen wieder in das weitergefahrene Boot aufnahmen.

Auch ein Schwimmer mit der Zusatzqualifikation eines Strömungsretters kommt nicht gegen die Strömung an.
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„Wir empfehlen immer, nie gegen die Strömung zu schwimmen, weil das zu kräfteraubend ist“, sagte Kian Shahbodaghi, Pressesprecher der DLRG Bezirk Köln. Komme man in diese Notlage, solle man sich treiben lassen und versuchen, sich langsam in einem 45-Grad-Winkel schräg in Richtung Ufer zu steuern. „Das ist die einzige Chance, selber rauszukommen – wenn man es überhaupt schafft.“ Außerdem gelte es, mit Hilferufen auf sich aufmerksam zu machen und auf Rettungsboote zu warten.
Strömung kann Menschen, die im Rhein stehen, mitreißen
„Der normale Freizeitschwimmer ist nicht in der Lage zu wissen, wie sich die Strömung verhält“, so Shahbodaghi. Überdies gebe es „Kehrwasser“ genannte Bereiche, in denen sich die Strömung umkehrt, und auch Strudel. Und der Sog und die Wellen, die von vorbeifahrenden Schiffen ausgehen, könnten jemanden, der bis zu den Knien im Wasser steht, mitreißen. Das Verbot der Stadt sieht vor, dass man höchstens knöcheltief im Rhein stehen darf.

Bei dieser Übung wurde ein Mann von einem mit einer Leine gesicherten Schwimmer geborgen.
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Weitere Demonstrationen führten vor Augen, wie Personen aus dem Fluss gerettet werden. Zunächst hievten zwei Rettungsschwimmer einen im Wasser treibenden Mann in ein Boot. Im Ernstfall wird ein solcher „Patient“, wie er in der Sprache der Retter heißt, nur medizinisch erstversorgt und später an den Rettungsdienst an Land übergeben. Bei der zweiten Übung wurde ein Mann von einem mit einer Leine gesicherten Schwimmer geborgen. Der Feuerwehrmann ging von der Spitze der Buhne ins Wasser, auf der sich die Medienvertreter als Beobachter postiert hatten.
Bußgeld bis zu 1000 Euro bei Verstößen
Immer dann, wenn der Alarm „Person im Rhein“ bei der Feuerwehr eingeht, wird er gleichzeitig an die Kölner DLRG weitergeleitet. Sind deren ehrenamtlich tätige Retter im Dienst, rücken sie mit aus. Alle Rettungsboote sind am Eingang des Deutzer Hafens stationiert. Im schlimmsten Ernstfall sind laut Laschet über 35 Personen zu Wasser, an Land und in einem Hubschrauber im Einsatz, um einen Menschen im Fluss zu finden. Im vorigen Jahr sei 36 Mal eine Person im Rhein gemeldet worden, alle seien lebendig geborgen worden. „Ein bis zwei Hunde waren auch dabei.“

Wer im Rhein badet, bringt nicht nur sich selbst in Gefahr, sondern bindet auch Rettungskräfte, die an anderer Stelle fehlen könnten.
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Nach Angaben der DLRG ertranken 2025 in NRW 48 Menschen und im Jahr zuvor 57. Die meisten starben in Flüssen und Seen. Auch in Köln sei es immer wieder zu Badeunfällen gekommen, bestätigte Dirk Käsbach, Leiter des Ordnungsamts. Deshalb habe sich die Stadt in der Pflicht gesehen, für die Gefahr zu sensibilisieren und festzusetzen, dass das Baden im Rhein uneingeschränkt verboten ist. „So können wir Verstöße ahnden, wohl wissend, dass wir nicht zu jeder Zeit überall sein können.“ Das Bußgeld kann bis zu 1000 Euro betragen.
Bis zum 24. Juni seien 38 Verfahren wegen einer entsprechenden Ordnungswidrigkeit eingeleitet worden, sagte Käsbach weiter. Sieben davon allein am Mittwoch. Zeigten sich die angesprochenen Menschen einsichtig, könnten die Bediensteten des Ordnungsamts schon mal ein Auge zudrücken.
Bislang kein Alarm wegen Person im Rhein
Pro Tag würden 50 bis 100 „Sensibilisierungsgespräche“ geführt. Jeder, der das Verbot überflüssig finde, solle sich klarmachen, dass er mit dem Baden im Rhein nicht nur sich selbst in Gefahr bringe, sondern auch diejenigen, die ihn im Notfall zu retten versuchen. Das gelte nicht zuletzt für die professionellen Rettungskräfte, die nicht nur belastet, sondern durch den Einsatz auch gebunden und somit an anderer Stelle fehlen würden.
Fürs Erste gab Feuerwehr-Sprecher Laschet Entwarnung: In den zurückliegenden drei Wochen habe es keinen einzigen „Person im Rhein“-Alarm gegeben. Doch die Hitze- und Badesaison habe ja gerade erst begonnen.
