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Public Viewing
Stadt Köln will Weltmeister im Zurückrudern werden

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3 min
22.06.2026, USA, East Rutherford: Fußball, Männer, WM 2026, Norwegen - Senegal, Vorrunde, Gruppe I, Spieltag 2, New York -New Jersey -Stadion, Norwegens Fans mit dem Ruder-Ritual während des Spiels. Foto: Seth Wenig/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Von Norwegen lernen, heißt Siegen lernen: Warum die Kölner die Weltmeisterschaft im Zurückrudern ausrichten wollen. 

Das will sich Köln nicht entgehen lassen. Die Metropole am Rhein bewirbt sich um die Weltmeisterschaft im Zurückrudern – wenn auch nur für Stadtverwaltungen. Unser satirischer Wochenrückblick.

Das sind einfach super Bilder, die man so gerne auch in Köln sähe. Bei der Fußball-WM redet plötzlich alle Welt über Norwegens Ruder-Ritual im imaginären Wikingerschiff. Ein Ritual, das sich wie ein Virus in Windeseile von den Rängen auf die Mannschaft übertragen hat. Kein Wunder. Schließlich hat das Trockenrudern etwas durch und durch Kölsches. Es ist die Schwester des Schunkelns.

Nein. Ich habe keinen Hitzekollaps. Schauen Sie doch mal genau hin. Tausende bewegen sich im gleichen Rhythmus zu einem imaginären Trömmelche, kommen zwar keinen Meter voran, haben aber jede Menge gute Laune. Ich bin mir sicher: In der nächsten Karnevalssession werden rudernde Wikinger nach dem New Yorker Times Square auch den Heumarkt erobern.

Und was machen die Kölschen, wenn das Schunkeln als Kulturgut in Gefahr gerät? Das, was sie in ihrer Geschichte immer getan haben, sobald der Feind übermächtig erschien. Sie passen sich an und umarmen ihn so lange, bis der gar nicht mehr weiß, warum er sie angegriffen hat. So haben es die Kölschen über die Jahrhunderte geschafft, mit ihren Traditionen nicht unterzugehen.

Kölscher Dezernenten-Achter gilt als klarer Favorit

Genau das ist in dieser Woche erneut passiert. Köln hat sich dazu entschlossen, im Wettstreit mit Metropolen wie New York, Peking, Paris, London, Mailand, Madrid und Düsseldorf die erste Weltmeisterschaft für Stadtverwaltungen im Zurückrudern auszurichten. Auf dem Fühlinger See.

Der kölsche Dezernenten-Achter mit dem Beigeordneten für Mobilität als Steuermann gilt als klarer Favorit, schließlich kann niemand im Rückwärtsrudern mehr Erfahrung vorweisen: die Trankgasse am Dom für Autofahrer zu und wieder auf, die Behelfsbrücke für Höhenhaus kommt nicht oder vielleicht doch. Und das sind nur einige seiner Pokale. Ascan Egerers Entschlossenheit an der Zurückruder-Pinne hat sich längst auf die Mannschaft übertragen.

Der Mann ist ein Motivator, ein Guru, dessen Spirit sich in dieser Woche sogar auf die Ordnungsbehörde übertragen hat. Die kassierte innerhalb weniger Tage das erlassene Public Viewing-Verbot nach 22 Uhr wieder ein. Mit der Begründung, man müsse alles dafür tun, dass der kölsche Dezernenten-Achter auf dem Fühlinger See beim Kampf um den WM-Titel im Zurückrudern nicht baden geht.

Was kann da mehr anspornen als Live-Bilder beim Rudelgucken der norwegischen Spiele, selbst wenn sie nach 22 Uhr angepfiffen werden? Einer Zeit, in der Behörden normalerweise die erste Tiefschlafphase schon hinter sich haben.

Die Euphorie im Dezernenten-Achter hat mittlerweile Ausmaße angenommen, die keiner für möglich gehalten hätte. Unser Ascan ist kurz davor, zur Kultfigur zu werden, hört man aus dem Boot. Der Mann sei einfach ein As und werde den kölschen Kahn schon zum Titel brüllen. Anschließend darf Norwegen gern Fußball-Weltmeister werden. Die Weltmeister vom Rhing sind wir immer noch selbst.