Nun müssen sich die Beschuldigten (18, 24) gemeinsam auf der Anklagebank verantworten.
Prozessauftakt in KölnBrüderpaar soll mit Drogen gedealt haben – im Kiosk des Vaters

Die beiden beschuldigten Brüder mit Anwalt Gordon Christiansen beim Prozessauftakt im Kölner Landgericht
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Der Kiosk in Kalk war auf den Vater angemeldet, die beiden Söhne halfen aus – doch bei dem Verkauf von Zigaretten, Kölsch und gemischten Tüten beließen sie es laut Staatsanwaltschaft nicht. Drogen sollen in und an dem Geschäft veräußert worden sein. Seit Montag müssen sich die zwei Brüder (18, 24) wegen Handelns mit Betäubungsmitteln vor dem Kölner Landgericht verantworten.
Während dem älteren Angeklagten – er sitzt in Untersuchungshaft – eine mehrjährige Gefängnisstrafe droht, könnte der jüngere Beschuldigte, für den das Jugendstrafrecht gilt, mit einem blauen Auge davonkommen.
Köln: Brüderpaar soll in Vaters Kiosk mit Drogen gedealt haben
Der große Bruder soll laut Anklageschrift als Chef des Duos agiert haben, „er hatte den Überblick über die Bestände“, erklärte die zuständige Staatsanwältin in Saal 13 des Justizgebäudes. Der zum Zeitpunkt der ersten Tat erst 17-jährige Bruder hingegen sei für den Verkauf und den Transport der Drogen zuständig gewesen. Im vergangenen Oktober sei er im Bereich des Kioskes auf der Straße mit 196 Gramm Kokain erwischt worden, einen Monat später mit weiteren 15 Einheiten des weißen Pulvers. Im Januar soll er aus dem Büdchen heraus zumindest 0,33 Gramm der Droge verkauft haben.
Dem Vernehmen nach führten die Ermittler kurz darauf eine Razzia in einer Wohnung durch, die sich in unmittelbarer Nähe zu dem Kiosk befand. Rund ein Kilo Kokain und Utensilien zum Verkauf, wie eine Feinwaage und Verpackungsmaterial, seien dort aufgefunden worden, und auch eine scharfe Waffe. „In der Dunstabzugshaube der Küche lag ein Revolver mit Munition“, heißt es in der Anklage. Dazu seien eine Schreckschusspistole und zwei Messer sichergestellt worden. Ebenso 3560 Euro Bargeld – dieses „Dealgeld“ unterliege der Einziehung durch den Staat, sagte die Staatsanwältin.
Köln: Angeklagte schweigen zum Prozessauftakt zu den Vorwürfen
Zu den Vorwürfen schwiegen die Angeklagten, sie äußerten sich lediglich zu ihren Lebensläufen. Der 18-Jährige habe eine Förderschule ohne Abschluss verlassen, auch ein Wechsel aufs Berufskolleg sei nicht von Erfolg gekrönt gewesen, erklärte Strafverteidiger Gordon Christiansen für seinen Mandanten. Seit zwei Jahren habe er nichts mehr groß gemacht, „außer in dem Kiosk von seinem Vater zu arbeiten“, so der Anwalt weiter. Der Heranwachsende habe sich nun in einer Schule für Pflegeberufe beworben und wolle dort zunächst ein freiwilliges soziales Jahr (FSJ) absolvieren.
Einen ähnlichen schulischen Werdegang schilderte dann der ältere Bruder. Er habe bereits ein FSJ absolviert und sei als Inklusionshelfer an einer Grundschule tätig gewesen. Eine psychische Erkrankung habe ihn jedoch aus der Bahn geworfen. Nach einer Haftentlassung wolle er seinen Schulabschluss nachholen, wieder im sozialen Bereich Fuß fassen oder eine IT-Ausbildung anstreben. Nach den Einlassungen durften die Eltern und die Partnerin, die den Prozess verfolgten, den inhaftierten 24-Jährigen kurz in die Arme schließen. Ein Urteil in der Sache soll noch im Juli fallen.
Köln: Ordnungsamt setzt auf verstärkte Kiosk-Kontrollen
Seit Oktober 2024 setzt das Kölner Ordnungsamt einen Schwerpunkt auf Jugendschutz im Einzelhandel, besonders bei Kiosken. Die Behörde setzt dabei gezielt jugendliche Testkäufer ein – zuletzt fielen 44 von 73 kontrollierten Betrieben negativ auf, was einer Quote von 60 Prozent entspricht. Besonders auffällig der Verkauf von illegalen Vapes und dem Oraltabak „Snus“ gewesen, der in der EU nur in Schweden verkauft werden darf. „Das Ordnungsamt wird den Kontrolldruck weiter hochhalten“, teilte die Behörde jüngst mit. Auch gezielte Nachkontrollen stünden im Fokus.
Das Ordnungsamt hatte zuletzt gemeinsam mit der Polizei im Rahmen der „Ordnungspartnerschaft Ringe“ (Opari) einen Kiosk in der Innenstadt kontrolliert und dabei verschiedene Drogen entdeckt. Die Beamten stellten rund 300 Gramm Cannabis, etwa 13 Gramm Kokain und 49 Opioid-Tabletten des Arzneistoffes „Tilidin“ sicher. Bei der Durchsuchung fanden sie unter der Verkaufstheke des Büdchens außerdem eine Feinwaage, kleine Plastiktütchen und ein Messer mit augenscheinlichen Kokainrückständen auf der Klinge. Die Polizei leitete daraufhin ein Strafverfahren ein.
