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„Ich mag alte Traditionen“Entertainer Linus erweckt Kölns ältesten Kiosk wieder zum Leben

4 min
Linus steht in der Schmitzebud.

Dass die Schmitzebud in der Radsport-Szene einen wichtigen Stellenwert hat, wird beim Blick in das Lokal sofort deutlich.

Kölns ältestes Büdchen hat einen neuen Chef: Entertainer Linus macht aus der Schmitzebud ein Lokal am Königsforst.

Die Schmitzebud, das älteste Büdchen in Köln, feiert seine Wiedereröffnung unter einer neuen Leitung. Der Unterhaltungskünstler Linus übernimmt den traditionsreichen Ort und plant ein einladendes Lokal mit schmackhaften Gerichten.

In Rath-Heumar wird es in der Schmitzebud wieder lebendig. Das Lokal auf der Schäl Sick, direkt am Königsforst, bietet künftig Speisen mit besonderen Namen. So gibt es Flammkuchen, die „Pappnas“, „Feuerteufel“, „Nordlicht“ und „Grüner Daumen“ heißen, sowie Snackteller mit der Bezeichnung „Dicke Dinger Deluxe“.

Eine neue Epoche für das älteste Büdchen von Köln beginnt am 14. Mai 2026 um 10 Uhr. Der neue Betreiber ist der Unterhaltungskünstler Michael Büttgen (66), der den meisten als Linus ein Begriff ist. Der traditionsreiche Treffpunkt wird Raum für bis zu 60 Personen haben.

Wiedereröffnung in Rath-Heumar: Die Schmitzebud startet am 14. Mai

Der neue Inhaber teilte EXPRESS.de mit: „Wir wollen die Tradition und die Philosophie dieses Gebäudes fortsetzen. Es wird einfache, aber frisch zubereitete Speisen geben“. Er fügte hinzu: „Kaffee, Kuchen, Getränke, Popcorn – es wird so bunt, wie auch mein Leben ist. Nachhaltigkeit ist uns auch ganz wichtig. Wir sammeln die Kronkorken, um sie zu verkaufen und die Erlöse zu spenden.“

Die finalen Vorbereitungen sind noch im Gange, aber die Schmitzebud soll rechtzeitig zum Start in neuem Look erscheinen. Das Gasthaus am Rather Mauspfad wird von Donnerstag bis Sonntag jeweils von 10 bis 22 Uhr geöffnet sein. Es soll ein einladender Ort für Radler, Spaziergänger und sonstige Besucher werden.

Linus betont: „Die Radsport-Tradition möchten wir aufrechterhalten“. Zur Erinnerung daran werden signierte Trikots die Wände schmücken. Es ist außerdem geplant, bei besonderen Anlässen Filme über historische Radrennen vorzuführen. „Ich mag alte Traditionen. Deshalb freut mich auch, dass es in diesem Jahr am 11. September wieder eine Talentprobe im Tanzbrunnen gibt.“

Linus vor seinem neuen Lokal, der Schmitzebud.

Der Hausherr legt noch einmal Hand an. Doch am 14. Mai soll alles fertig sein. Dann will Linus die Eröffnung der Schmitzebud mit seinen Gästen feiern.

Linus hat einige anstrengende Monate hinter sich. Er informierte EXPRESS.de wochenlang über die erheblichen Schwierigkeiten bei der Realisierung seines Gastro-Projekts. Schon Anfang April seufzte er: „Wenn ich gewusst hätte, wie kompliziert es ist, eine Tasse Kaffee zu verkaufen, hätte ich es nicht gemacht. Die Hürden sind unfassbar“. Nun, nach zweimonatiger intensiver Anstrengung, steht dem Start nichts mehr im Weg.

Es gab wiederholt Schwierigkeiten, etwa bei der Einrichtung der Kasse oder mit den Geräten für Kaffee und Geschirr. „Das ist komplizierter als ein Medizinstudium.“ Inzwischen sind diese Angelegenheiten aber gelöst. „Wir wollen eine gemütliche Gastlichkeit bieten, wo Alt und Jung sitzen bleiben können. Natürlich werde ich auch regelmäßig vor Ort sein, um das zu erleben.“

Die Ursprünge der Schmitzebud liegen in einer Holzbude, in der ab dem Jahr 1898 Erfrischungen an Ausflügler gereicht wurden. Ab den 1930er Jahren wurde der Kiosk zu einem beliebten Ort für Amateur- und Berufsradfahrer, die Touren ins Bergische Land machten. Benannt wurde sie nach der Familie Schmitz, welche das Büdchen nach dem Zweiten Weltkrieg weiterführte.

Entertainer Linus freut sich, nach wochenlanger Warte- und Umbauphase endlich die Schmitzebud in Rath-Heumar eröffnen zu können.

Entertainer Linus freut sich, nach wochenlanger Warte- und Umbauphase endlich die Schmitzebud in Rath-Heumar eröffnen zu können.

Die frühere Eigentümerin Marita Wimmer musste den Betrieb 2007 nach 25 Jahren aus gesundheitlichen Ursachen aufgeben, woraufhin dem Bau der Abriss drohte. Damals engagierte sich eine Initiative von Bürgern erfolgreich für dessen Rettung. So konnte der Kiosk 2009 mit einer neuen Inhaberin wiedereröffnet werden. In der Folgezeit gab es mehrere Pächterwechsel. Der letzte Betreiber war Holger Kirsch, der frühere Zugleiter des Kölner Rosenmontagszuges und Präsident von Viktoria Köln.

Der Moderator erklärt: „Für mich schließt sich der Kreis. Ich bin hier schon als Sechsjähriger vorbeigelaufen, weil hier der Eingang zum Königsforst ist, in dem meine Eltern früher oft spazieren waren. Seit 13 Jahren wohne ich in Rath. In diese Location habe ich mich von Anfang an verliebt“.

Blick in das Lokal Schmitzebud.

Der Wintergarten der Schmitzebud lädt zum gemütlichen Beisammensitzen ein.

Der Unterhaltungskünstler ist in der Gastronomiebranche nicht unerfahren. „Ich hab’ 1985 in der Kölner Südstadt das Linus eröffnet. Da gab es im Umkreis von 300 Metern 16 Kneipen.“ Seine Leidenschaft für antike Stücke, die er in seinen Läden namens Königslust anbietet, prägt auch das Interieur. So dient eine Mannequin-Puppe als Leuchte, Chesterfield-Sofas schaffen eine gemütliche Atmosphäre und ein HB-Männchen weckt Erinnerungen an frühere Werbung. Für Kinder stehen Stühle im Stil der 70er-Jahre bereit, während ein Bild von Audrey Hepburn die Wand ziert. Er stellt klar: „Wir werden hier aber nichts verkaufen“.

Es ist denkbar, dass der neue Inhaber für seine Gäste gelegentlich auch singen wird. Eine Erlaubnis für Konzerte liegt jedoch noch nicht vor. Erst einmal müssen sich die internen Prozesse etablieren. Mit dem Radrennen „Rund um Köln“ am 17. Mai erwartet die Schmitzebud schon kurz nach dem Start ein erstes großes Ereignis für Radsportbegeisterte.