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Freizeitareal Schloss EulenbroichDie Rösrather Jugend hatte das Wort

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Eine Grafik mit braun markierten Spielarealen inmitten einer grünen Fläche

So sieht der Vorentwurf für den Mehrgenerationenpark nahe Schloss Eulenbroich in Rösrath aus.

Kommunalpolitik zum Mitmachen: 100 junge Leute machten Vorschläge und fragten beim Bürgermeister auch kritisch nach.

Beim Beteiligungsworkshop zum geplanten Spiel- und Mehrgenerationenpark am Schloss Eulenbroich waren am Dienstagabend die Kinder und Jugendlichen der Stadt gefragt. Rund 100 junge Menschen nutzten das Angebot im neuen Ratssaal in Venauen. Sie ließen sich vom beauftragten Planungsbüro die aktuellen Überlegungen für das Freizeitareal erklären, trugen ihre Wünsche vor und verschonten auch den Bürgermeister nicht mit kritischen Fragen.

Nicht nur die Mikrofonanlage wurde routiniert bedient; wer etwas sagen wollte, nutzte das Mikrofon – genau wie im echten Stadtrat. Auch über das Online-Tool Mentimeter wurden Ideen und Vorschläge gesammelt, sichtbar in einer Wortwolke auf einer großen Leinwand. Der Ratssaal war voll, das Publikum diszipliniert, die Wünscheliste lang. Bürgermeister Yannick Steinbach, Vertreterinnen und Vertreter der Stadtverwaltung sowie Ratsmitglieder aller Parteien hörten den jungen Bürgerinnen und Bürgern zu.

Diese Formate werde ich in Zukunft immer wieder anbringen, wenn sich Gelegenheit dafür ergibt
Rösraths Bürgermeister Yannick Steinbach

Uli Moll vom Düsseldorfer Büro „Strauchwerk Landschaftsarchitekten“ stellte einen Vorentwurf für das Gelände von der Größe von zweieinhalb Fußballfeldern vor. Im Fokus steht eine Grünfläche zwischen Schloss Eulenbroich und Sülz, die zu einem Mehrgenerationenareal entwickelt werden soll. Im nördlichen Teil soll eine naturnahe und inklusive Spiellandschaft insbesondere für jüngere Kinder entstehen. Der südliche Bereich soll unter anderem eine Pumptrack- oder Skateanlage sowie Sport- und Fitnesselemente erhalten. Geplant ist außerdem ein zentraler Treffpunkt zwischen beiden Bereichen mit Überdachung und Sitzmöglichkeiten.

Einer der meistdiskutierten Punkte war das Angebot für Radsport und Skateboarden. Der Planer erklärte den Unterschied: Ein Pumptrack ist mit Fahrrad, Scooter, BMX und Skateboard nutzbar und damit für eine breitere Zielgruppe geeignet. Eine klassische Skateanlage hingegen ist auf Skateboards optimiert und bietet weniger Flexibilität. Viele Kinder sprachen sich für eine Kombination aus beidem aus – ein Pumptrack mit integrierter Skatefläche. In einer offenen Runde, die an eine echte Ratssitzung erinnerte, trugen die Kinder ihre Wünsche vor.

Eine Million Euro hat die Stadt für das Areal eingeplant

Die Liste war beeindruckend vielfältig: Skatepark und Pumptrack, Klettergerüste, Trampoline, Wasserrutsche und Wasserspielplatz. Außerdem: Karussell, Seilbahn, Ninja-Warrior-Parcours, Reckstangen, ein kleiner Fußballplatz mit kurzen Toren, Basketballkörbe, Hängematten und ein Baumhaus zum Chillen. Spontanen Beifall erntete der Vorschlag, eine bereits eingeplante Trennwand zu den Parkplätzen als legale Graffiti-Fläche zu gestalten. Auch ein Snackautomat wurde laut beklatscht.

Und was darf das eigentlich alles kosten? Eine Million Euro habe die Stadt für das Areal eingeplant, so der Bürgermeister. Zudem hat die Rösrather Bürgerstiftung, die die Entwicklung des Areals ins Rollen gebracht hatte, eine finanzielle Unterstützung in Aussicht gestellt.

Erst 2029 werden die Spielgeräte und Anlagen zur Verfügung stehen

Am Ende der Veranstaltung ließ der Bürgermeister formell abstimmen – in echter Stadtratssitzungsmanier. Sein Beschlussvorschlag: den Spiel- und Mehrgenerationenpark Schloss Eulenbroich weiterzuplanen und mit den besten Ideen des Tages zu beauftragen. Das Ergebnis: einstimmig angenommen, keine Gegenstimmen, keine Enthaltungen.

Wie es weitergeht, erläuterte die Leiterin des Planungsamtes. Vor dem Bau ist ein Bauleitplanverfahren erforderlich, das erfahrungsgemäß anderthalb Jahre dauert. Das konnte das junge Publikum alles gut nachvollziehen. Allerdings – und hier machte sich ungläubiges Staunen und vereinzelt hörbare Verwunderung im jungen Publikum breit – seien danach erst noch weitere Prüfungen nötig, bis im Sommer 2028 endlich der Bagger kommen kann. „Und 2029 können wir hoffentlich auf der Schaukel sitzen“, versprach der Bürgermeister.

Das Publikum fragte auch nach Begrünung und Hochwasser-Gefahr

Da die Fläche als ökologische Ausgleichsfläche ausgewiesen ist, muss der Eingriff in die Natur durch zusätzliche Bepflanzung kompensiert werden. Nachfragen der Kinder galten der Begrünung und der Hochwasser-Gefahr. Der Planer kündigte an, mehr Bäume zu integrieren als heute vorhanden sind. Spielgeräte sollen so konstruiert sein, dass sie Überflutungen schadlos überstehen. Von Öffnungszeiten, freilaufenden Hunden, über Toiletten, Müllbehälter bis hin zur Einzäunung – das junge Publikum hatte sich schon seine Gedanken gemacht.

Das Planungsbüro wird die gesammelten Wünsche grafisch aufbereiten. Die Stadt will die Ergebnisse anschließend veröffentlichen. Yannick Steinbach zeigte sich mit dem Abend sehr zufrieden: „Diese Formate werde ich in Zukunft immer wieder anbringen, wenn sich Gelegenheit dafür ergibt“, sagte er nach der Veranstaltung. Die Kinder, so sein Fazit, seien problemlos in die Rolle von Stadtratsmitgliedern geschlüpft. Auch das Jugendamt will mit dem Nachwuchs dauerhaft im Gespräch blieben. Dazu waren auf den Tischen QR-Codes aufgeklebt, dahinter ein Link als direkter Draht für die Anliegen der Jugend.