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Über 1000 Bilder90-jähriger Kölner malt seit sechstem Lebensjahr

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Ein älterer Mann sitzt an einem Maltisch unter einem Dachfenster.

Walter Raab hat viele Zollstocker Motive – wie hier den Wochenmarkt – gemalt.

Mit 90 Jahren ist der Zollstocker Walter Raab noch immer produktiv und zeigt in seinen Bildern vor allem Köln, den Süden und die Kraft der Farben. 

Wenn Walter Raab von seinem Leben erzählt, wird schnell klar: Malen war für ihn nie bloß ein Hobby, sondern ein tiefes Bedürfnis. „Malen war für mich immer eine Notwendigkeit, die Skizzen am Ende des Tages fast wie ein Zwang“, sagt der Zollstocker. Auch nach langen Arbeitstagen, wenn er beruflich unterwegs war, ließ ihn der Drang nicht los. „Es konnte so spät werden, wie es wollte, wenn ich ins Hotelzimmer kam, holte ich meine Farben raus und machte kleine Skizzen von dem, was ich an dem Tag beobachtet hatte. Das musste sein“, erzählt der 89-Jährige.

Geboren wurde Walter Raab 1936 in Bayenthal. Der Krieg prägte seine frühen Jahre: 1943 wurde die Familie ausgebombt, zwei Jahre verbrachte sie im Bergischen Land, bevor sie 1945 nach Köln zurückkehrte – nach Zollstock, in den Kalscheurer Weg. Dort lebt Raab bis heute und ist im Veedel tief verwurzelt. Mit 14 begann er auf Wunsch des Vaters eine Lehre zum Fernmeldebauhandwerker bei der Post. „Wir waren recht arm. Mein Vater war Kriegsverletzter und musste sein Leben lang die Familie als Hilfsarbeiter über Wasser halten. Ihm war ein sicherer Beruf für mich sehr wichtig“, erinnert sich Raab. Das war in Ordnung, doch der junge Walter wollte mehr. Über die Abendschule holte er die Fachschulreife nach, arbeitete sich in den höheren Dienst hoch und war drei Jahrzehnte als Lehrer in der Erwachsenenbildung tätig.

Schaufenster-Deko brachte ihn als sechsjähriges Kind zum Malen

Die Kunst aber begleitete ihn von Anfang an. „Mein Cousin machte eine Lehre zum Schaufensterdekorateur. Als es einmal um eine Winterlandschaft ging, faszinierte mich, dass die ausgesparten, weißen Stellen den Schnee darstellten. Da war ich sechs“, schildert Raab. Zur Einschulung bekam er einen Farbkasten – und legte los. „Seither hat mich die Faszination für Farben und Malen nie losgelassen“, sagt er.

Ein Aquarell zeigt die Kölner Südbrücke.

Immer wieder malte Walter Raab auch Motive aus der Südstadt, wie hier Südbrücke.

Mehrere Tausend Bilder sind seither entstanden. Die Motive findet Raab meist vor der eigenen Haustür: der Kölner Dom, der Höninger Weg, die Rheinlandschaften bei Rodenkirchen, Brauhäuser, Menschen, Gebäude. Es geht ihm dabei nicht um die exakte Wiedergabe, sondern vor allem um die Atmosphäre. Auch auf Reisen hatte er sein Skizzenbuch stets dabei. Viele Werke zeigen mediterrane Landschaften aus Griechenland, Tunesien, Spanien oder Frankreich. „Hier können die Farben zu ihrer völligen Entfaltung aufblühen“, schwärmt Raab.

Für den Allgemeinen Bürgerverein Zollstock kopierte Raab die älteste bekannte Ansicht des Stadtteils aus dem 18. Jahrhundert. Für die Gemeinde St. Pius hielt er die Geschichte der Kirche in vier Gemälden fest. Über 50 Ausstellungen hat er im Laufe der Jahre bestritten. Heute verzichtet er darauf. „Die Vorbereitungen – das Verpacken der Bilder, das Tragen, das Aufhängen – sind mir mittlerweile zu anstrengend geworden“, sagt er.

Trotz Talent und Produktivität wurde die Kunst für Raab nie zum Broterwerb. „Ich kannte Maler, die mussten morgens malen, um abends zu essen. Das wollte ich nicht, sondern unabhängig malen können“, sagt er. Im April wird er 90 Jahre alt. Mehrmals pro Woche arbeitet er noch immer in seinem Atelier unterm Dach, über seiner Wohnung. „Ich mache das ohne Druck, sondern einfach wie es kommt.“ Konkrete Pläne hat er nicht. „Ich bin einfach dankbar, wenn alles so bleibt, wie es ist“, so Raab.