Kölner CitySchandfleck auf der Hohe Straße wird endlich saniert – aber nicht vollständig

Lesezeit 4 Minuten
Das Bild zeigt das Eckgebäude Hohe Straße/Brückenstraße.

Das Eckgebäude Hohe Straße/Brückenstraße wird saniert, doch der Silber-Becker-Teil bleibt außen vor.

Das seit langem leerstehende Eckhaus Hohe Straße/Brückenstraße wird saniert. Doch ein wichtiger Teil ist ausgenommen.

Es ist seit langem ein Ärgernis auf der Hohe Straße. Das Eckhaus zur Brückenstraße, in dem bis 2004 das Modegeschäft Mantelhaus Goertz und bis 2014 Silber-Becker ihre Verkaufsräume hatten, steht seit langem leer und ist derzeit im Erdgeschoss von verschiedenen, recht unansehnlichen Zwischennutzungen mit kurzen Mietverträgen besetzt – unter anderem von einem Imbiss und einem Laden, der Süßigkeiten von Paletten verkauft. Auch die Antiquitätenhandlung „Schwarzer Elefant“ hat hier seit 2019 einen Interimsstandort.

Dass ausgerechnet an dieser zentralen Stelle der Hohe Straße solche Zustände herrschen, hatte immer wieder Kritik und Unverständnis hervorgerufen. Nun hat der in Starnberg ansässige Immobilienentwickler Ehret und Klein das Gebäude des Mantelhauses Goertz aus dem Jahr 1955 gekauft und will es sanieren.

Visualisierung der Sanierung an der Hohe Straße, Gebäude mit begrüntem Dach.

Visualisierung der Sanierung und Aufstockung an der Hohe Straße/Ecke Brückenstraße. Der graue Gebäudeteil, ehemals Silber-Becker, bleibt von der Umgestaltung ausgenommen.

Der Komplex hat eine Nutzungsfläche von 3000 Quadratmetern und große Schaufensterfronten sowohl zur Hohe Straße als auch zur Brückenstraße. Die Fassade mit den charakteristischen Geländern und das geschwungene Treppenhaus (in den derzeitigen Räumen des „Schwarzen Elefant“) stehen unter Denkmalschutz.

In den nächsten Jahren – genauere Angaben gibt es bisher nicht, da erst noch der Bauantrag genehmigt werden muss – soll das Gebäude revitalisiert und außerdem um ein komplettes Geschoss und ein Staffelgeschoss mit viel Holz aufgestockt werden. Auf dem begrünten Dach ist ein Café geplant. Die Nutzung sieht einen Mix aus Einzelhandels-, Gewerbe- und Gastronomieflächen vor, wobei der Einzelhandel nur das Erdgeschoss belegen wird. Mehrstöckige Verkaufskonzepte funktionieren nicht mehr, das haben Untersuchungen und auch viele Geschäftsaufgaben gezeigt.

Die Frittenbude an der Hohe Straße bleibt erst einmal

Allerdings gibt es einen großen Haken bei der Sache: Denn das graue Silber-Becker-Gebäudeteil zur Hohe Straße hin, an dem noch immer der Schriftzug des Unternehmens prangt, konnte von Ehret und Klein nicht erworben werden – sodass die Sanierung rund um diesen Trakt verlaufen wird. Und dort bleibt erst einmal alles beim Alten, einschließlich Frittenbude. Michael Ehret, geschäftsführender Gesellschafter, sagt: „Das Objekt wäre natürlich eine schöne Ergänzung gewesen.“ Derzeit befände man sich aber in keinerlei Verhandlungen. Zu den Gründen möchte er nichts sagen. Aber offenbar stimmten Preis und Bedingungen nicht. Dem Gesamtkonzept tut das aber seiner Meinung nach keinen Abbruch.

Michael Ehret vor Modellen und Fotos in der Ausstellung.

Michael Ehret ist geschäftsführender Gesellschafter von Ehret und Klein.

Trotz dieses Wermutstropfens: Das süddeutsche Unternehmen, das zum ersten Mal in Köln aktiv ist, glaubt fest an die Zukunft der Hohe Straße. „Wir finden sie sehr spannend, das ist immerhin eine der wichtigsten Einkaufstraßen Deutschlands und hat viel Potenzial. Aber es gilt auch in A-Städten und A-Lagen neu zu denken, damit sie weiterhin leben und pulsieren.“ Vor allem in den oberen Stockwerken und auf den Dächern seien bisher viele Möglichkeiten ungenutzt.

Weitere Gebäude an der Hohe Straße werden abgebrochen 

Das Unternehmen hat außerdem an der Ecke Hohe Straße/Große Budengasse drei schmale Häuser gekauft, in dem unter anderem das Schuhhaus Raphael und Yves Rocher Mieter sind. Die Häuser werden abgebrochen und es wird ein Neubau entstehen. Unter anderem ist eine Außentreppe geplant, über die Passanten auf die Dachterrasse gelangen können. Bei beiden Immobilien wurde über Verkäufer und Kaufpreis Stillschweigen vereinbart.

Ein Süßwarenladen ist Übergangsmieter im Gebäude. Oben sind die charakteristischen Geländer des denkmalgeschützten Hauses zu sehen.

Ein Süßwarenladen ist Übergangsmieter im Gebäude. Oben sind die charakteristischen Geländer des denkmalgeschützten Hauses zu sehen.

Annett Polster, Geschäftsführerin des Vereins Stadtmarketing, freut sich über das Sanierungsvorhaben: „Das ist ein wichtiges Signal für den mittleren Bereich der ältesten Einkaufsstraße Kölns.“ Gerade der mittlere Bereich der Hohe Straße ist derzeit von Leerständen und Zwischennutzungen geprägt, während an den beiden Enden bereits für die Zukunft umgebaut wird – dort entsteht das Dom-Carré, der ehemalige Wempe-Komplex wird neu gestaltet und der Umbau eines Geschäftshauses als Interimsquartiers der Zentralbibliothek beginnt.

Dass der Silber-Becker-Trakt nun wie ein alter Zahn stehen bleibt, findet  Annett Polster schade. „Daran sieht man, wie abhängig die Entwicklung der Innenstadt von den Eigentümern ist.“ Umso erfreulicher sei, dass mittlerweile viele der Immobilienbesitzer bei der vom Stadtmarketing mitgegründeten Initiative „Kölner Handelslagen“ mitmachen, um die Einkaufsmeilen attraktiver zu machen. Michael Ehret ist auch beigetreten: „Unsere Projektverantwortlichen sind oft vor Ort und stehen mit den lokalen Vertretern im engen Austausch.“

Für Kölner, die sich mit der geplanten Sanierung und der Geschichte des Mantelhauses Goertz beschäftigen wollen, gibt es in dem Gebäude nun eine Ausstellung. Der Kölner Fotograf Joachim Rieger kuratierte die Schau „Erlebniswelt Mantelhaus – damals/heute/morgen“.

Schaufensterpuppen stehen vor einem Foto mit dem Schriftzug des Mantelhauses Goertz.

Eine Ausstellung erzählt die Geschichte des Mantelhauses Goertz.

Gezeigt werden Fotografien aus den 50er Jahren von Karl Hugo Schmölz, Kunst- und Videoinstallationen und Visualisierungen der Bauvorhaben. Die Ausstellung ist vom 24. Februar bis 28. April 2023, jeweils freitags von 14 bis 18 Uhr, geöffnet (Eingang Brückenstraße). Bei großem Interesse werden die Öffnungszeiten erweitert.

Nachtmodus
KStA abonnieren