Abo

Kommentar zur Schul-Klo-ChallengeSchwach, dumm und kein bisschen witzig

2 min
ausgebrannte schultoilette

Eine ausgebrannte Schultoilette 

Köln – Seit Jahrzehnten schon halten es Jugendliche für einen lustigen Streich, Schultoiletten zu verstopfen und zum Überlaufen zu bringen. Im Übermut, aus Geltungssucht, als Mutprobe. Was aber seit einigen Wochen landauf, landab in Schultoiletten passiert, offenbar animiert durch eine Challenge auf der Video-Plattform Tiktok, ist längst mehr nur ein Streich. Es ist ein ernsthaftes Problem.

Denn es geht nicht mehr nur um die ein oder andere übergelaufene Kloschüssel. Es geht um massenhafte Sachbeschädigung, um konzertierte Brandstiftung mit Rettungseinsätzen und Verletzten. Das ist nicht lustig, das ist sehr teuer und vor allem: gefährlich. In vielen Ländern der Welt posten Jugendliche tausende Kurzvideos davon, wie sie Schultoiletten massiv verwüsten. Pädagogen und Behörden wissen sich kaum zu helfen, in ihrer Verzweiflung rationieren sie Klopapier, bewachen die Eingangstüren der Toilettenanlagen, dokumentieren die WC-Gänge der Schülerinnen und Schüler.

Unkontrollierbare Dynamik

Es ist müßig über die Sinnhaftigkeit von Challenges, also „Herausforderungen“, auf Social-Media-Kanälen zu debattieren. Diesmal aber werden nicht Videos von Menschen gepostet, die sich mit Eiswasser übergießen, sondern die systematische Zerstörung von zumeist öffentlichem Eigentum, indem Toiletten verstopft und auch angezündet werden, was Täter wie Mitschüler, Lehrpersonal und Nachbarn gefährdet. Aufrufe gleich welcher Art in den sozialen Netzwerken entwickeln unkontrollierbare Dynamiken. Es ist eine Frage der Medienkompetenz, das zu bedenken, bevor man sich beteiligt. Und zu wissen, dass es wunderbar lustige, bizarre, geistreiche, sinnlose Challenges gibt, es aber schwach, dumm und kein bisschen witzig ist, mit dem Leid anderer zu prahlen, zumal in abertausenden wackeligen Handyvideos.

Das könnte Sie auch interessieren:

Der Herdentrieb - und nichts anderes sprechen die Challenges an - war schon immer ein starker Trieb, natürlich auch bei Jugendlichen, die die Folgen ihrer Handlungen mitunter nicht absehen. Warum sollte das auf Tiktok anders sein. Aber Menschen in Gefahr zu bringen ist eine völlig andere Qualität als sich dabei zu filmen, wie man in einem Superhelden-Kostüm den Müll rausbringt. Es gibt nichts, was „Herausforderungen“ wie die #klopapier-Challenge rechtfertigt.