Köln testet erstmals Elternhaltestellen als Ergänzung zu neuen Schulstraßen. Der ADAC hält das für pragmatisch, Verkehrswende-Initiativen warnen vor einem falschen Signal.
Sichere SchulwegeNeue Elternhaltestellen vor Kölner Schulen sorgen für Kritik

Die Stadt Köln hat wie hier an der Ecke Kretzerstraße/Xantener Straße in Nippes an drei Schulen Elternhaltestellen eingerichtet und dafür Hinweisschilder aufgestellt.
Copyright: Tim Attenberger
Mit neuen Schulstraßen will die Stadt Köln Kinder besser vor dem Autoverkehr schützen. Zugleich hat sie an drei Schulen erstmals sogenannte Elternhaltestellen eingerichtet – also Zonen, an denen Eltern ihre Kinder mit dem Auto absetzen können. Genau daran entzündet sich nun Kritik der Initiative Kidical Mass, die sich für die Sicherheit von Kindern auf dem Schulweg einsetzt, der Fußgängerinitiative Fuss e. V. und des Verkehrsclub Deutschland (VCD) Köln.
ADAC bezahlt Hinweisschilder
Die Zonen befinden sich an der Katholischen Grundschule Horststraße in Mülheim, an der Stephan-Lochner-Schule im Rathenauviertel sowie an der Inklusiven Offenen Ganztagsschule Kretzerstraße in Nippes. Die Stadt Köln hat dort drei neue Schulstraßen eingerichtet, auf denen der Autoverkehr zu Schulbeginn und -ende zeitweise eingeschränkt wird. Die Elternhaltestellen hat die Stadt als Ergänzung vorgesehen. Die blau-weißen Hinweisschilder dafür hat der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) bezahlt.
„Ich bin irritiert, weil die Stadt Köln in der Vergangenheit ganz bewusst keine Elternhaltestellen einrichten wollte“, sagt Kidical-Mass-Sprecherin Simone Kraus. Eine Schulstraße verfolge das Ziel, dass die Schülerinnen und Schüler zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem Roller zur Schule gelangen. „Elternhaltestellen sind ein Angebot in die Gegenrichtung“, sagt Kraus. Sie befürchtet, dass Eltern die Zonen als Signal verstehen könnten, ihre Kinder trotz Schulstraße weiterhin mit dem Auto zu bringen.
„Es mag Einzelfälle geben, bei denen das vielleicht sinnvoll sein kann, aber das kann keine grundsätzliche Lösung sein“, sagt Kraus. Sie wirft der Stadt vor, die unterschiedlichen Gegebenheiten an den Schulen nicht ausreichend zu berücksichtigen. An der Stephan-Lochner-Schule etwa halte sie eine Elternhaltestelle für nicht zielführend.
Die Ortsgruppe Köln des Fuss e.V. sieht die Elternhaltestellen ebenfalls kritisch. „Besteht doch die Gefahr, dass Eltern diese Einrichtung als Einladung verstehen könnten, ihre Kinder per Auto zur Schule fahren zu können“, sagt Sprecherin Anne Grose.
„Elternhaltestellen können helfen, gefährliche Situationen direkt vor dem Schultor zu reduzieren – aber nur, wenn sie nicht als bequeme Einladung zum Elterntaxi missverstanden werden“, sagt Hans-Georg Kleinmann, Vorstandsmitglied beim VCD Köln. Elternhaltestellen seien allenfalls eine Übergangslösung für scheinbar unvermeidbare Autofahrten. Priorität müssten sichere Schulwege, Schulstraßen, Tempo 30 und sichere Querungen haben.

So sehen die Hinweisschilder für die Elternhaltestellen aus.
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Die Stadt Köln weist die Kritik zurück. Sie versteht die Elternhaltestellen nicht als Einladung zum Elterntaxi, sondern als Versuch, den Bringverkehr aus dem unmittelbaren Schulumfeld herauszuhalten. „Damit durch die Einrichtung einer Schulstraße keine verkehrsgefährdende Situation durch Verlagerung des Bring- und Holverkehrs auf umliegende Straßen entsteht, können Elternhaltestellen aus Sicht der Stadt Köln eine sinnvolle ergänzende Maßnahme zur Schulstraße sein“, teilt ein Stadtsprecher auf Anfrage mit. Deshalb teste die Stadt in Gebieten mit hohem Parkdruck feste Haltestellen für Elterntaxis. „Sie sollen Eltern in Ausnahmefällen eine sichere Möglichkeit bieten, ihre Kinder gezielt ein- und aussteigen zu lassen“, so der Sprecher.
Keine Förderung des Elternverkehrs
Am Beispiel der Kretzerstraße in Nippes zeige sich, warum eine solche Ergänzung sinnvoll sei: Rund zehn Prozent der Schülerinnen und Schüler wohnen laut der Stadt weiter als 1,5 Kilometer und somit mehr als 20 Gehminuten von der Schule entfernt. „Ohne eine geregelte Bring- und Holmöglichkeit außerhalb der Schulstraße besteht die Gefahr, dass sich der Elterntaxi-Verkehr lediglich in angrenzende Straßen verlagert und dort neue Gefahren entstehen“, sagt der Stadtsprecher. Die Maßnahme ziele nicht darauf ab, Elternverkehr zu fördern.
Der ADAC, der für die drei Schulen insgesamt sechs Hinweisschilder zur Verfügung gestellt hat, unterstützt die Einrichtung von Elternhaltestellen bereits an anderen Schulen in Nordrhein-Westfalen. „Die Kombination aus Schulstraßen und Elternhaltestellen ist ein guter Ansatz, um die Verkehrssituation rund um Schulen zu verbessern“, sagt ADAC-Mobilitätsexperte Roman Suthold. „Wichtig ist, dass die Angebote von den Eltern angenommen werden. Wer sein Kind mit dem Auto bringen muss, sollte die ausgewiesenen Haltestellen nutzen und den direkten Bereich vor dem Schuleingang freihalten.“
Grundsätzlich plädiere der ADAC Nordrhein dafür, den Schulweg zu Fuß, mit dem Tretroller oder dem Fahrrad zurückzulegen. Wenn ein kompletter Schulweg ohne Auto nicht möglich sei, seien die Elternhaltestellen aber eine sinnvolle Alternative, da Kinder zumindest den letzten Teil des Weges selbstständig zu Fuß zurücklegten.
Die vom ADAC finanzierten Hinweisschilder haben juristisch betrachtet keine Bedeutung, da die deutsche Straßenverkehrs-Ordnung keine eigenständige Verkehrszeichen- oder Rechtskategorie „Elternhaltestelle“ vorsieht. Die Hinweisschilder wurden deshalb jeweils in Verbindung mit einem zeitlich begrenzten, eingeschränkten Halteverbot aufgestellt, das den Zeiten der jeweiligen Schulstraße entspricht.
In Köln gibt es ein großes Interesse an Schulstraßen. Insgesamt 88 Schulen stehen aktuell auf einer Vormerkliste der Stadtverwaltung. Eine schnelle Umsetzung scheitert nach Angaben der Stadt bislang an „fehlenden Ressourcen“.
