Köln – In Köln gibt es Bedarf an Flächen für Kultur unter freiem Himmel. Darin ist sich die Stadt mit zahlreichen Veranstalter einig. Ideen gibt es viele, und nach zwei Jahren Einschränkungen durch die Corona-Pandemie ist auch die Motivation groß. Jüngst aber hat die Stadt einer Weiternutzung des Open-Air-Geländes „Südbrücke“ eine Absage erteilt. Artenschutz, Lärmbeschwerden und eine lediglich als Ausnahme geltende Nutzungserlaubnis führt die Stadt als Gründe an. Kurzfristigkeit, anderslautende Signale in Gesprächen und mangelnde Flexibilität lauten die Vorwürfe der Betreiber dagegen.

2021 war eine Veranstaltung auf dem Gelände möglich
Copyright: Alexander Roll
Am Mittwoch ist nun ein Treffen zwischen Verwaltungsvertretern und Verantwortlichen der Südbrücke angesetzt, um die Standpunkte zu klären und auszuloten, ob und was auf dem Gelände künftig möglich sein soll. Im Vorfeld des Gesprächs teilte eine Stadtsprecherin auf Anfrage mit: „Die Rahmenbedingungen und rechtlichen Voraussetzungen haben sich nicht verändert. Dennoch ist die Stadtverwaltung an einem offenen und konstruktiven Austausch mit allen Beteiligten interessiert.“
Direkt betroffen vom Ausgang der Gespräche ist Gastronom Daniel Rabe. Er ist Mitveranstalter eines Weinfestivals, das auf dem Südbrücke-Gelände vom 17. bis 21. August stattfinden sollte, in der vergangenen Woche dann aber abgesagt werden musste. Im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ beschreibt der 41-Jährige, was das für ihn, aber auch betroffene Mitwirkende und Künstler sowie die Kulturszene in Köln insgesamt bedeutet.

Daniel Rabe
Copyright: Michael Bause
Herr Rabe, für das Weinfestival und andere Veranstaltungen an der Südbrücke sind bereits Tickets verkauft worden. Was bedeutet das für Sie als Veranstalter und für die weiteren Beteiligten?
Für uns bedeutet es konkret die Absage unserer fünftägigen Veranstaltung. Wir haben keine Chance, unser Festival mit so wenig Vorlauf umzusetzen, sollte es doch noch eine Einigung geben. Das ist sehr schade.
Wie bewerten Sie das anstehende Gespräch mit der Stadt? Weckt es Hoffnung bei Ihnen, dass Ihr Weinfest und andere Veranstaltungen möglicherweise doch noch stattfinden können?
Es wäre gut wenn hier mal jemand erklärt, was genau an den Rahmenbedingungen nicht stimmt. Liegt es ernsthaft an einer Eidechse? In Köln? Wenn hier einzelne Eidechsen verhindern, kulturelle Orte entstehen zu lassen, dann gute Nacht Köln. Dann kommt immer wieder die Aussage, es gäbe Anwohner, die sich beschwert hätten. Da fände ich eine konkrete Aussage schön. Haben sich zwei oder 72 beschwert? Warum genehmigt man nicht einfach bis 22 oder 24 Uhr – es geht uns nicht um wilde und laute Partys. Zu ihrer Frage: Nein, wir haben keine Hoffnung mehr und alles abgesagt.
Was ist aus Ihrer Sicht falsch gelaufen und wie hätte der Konflikt im Sinne aller Beteiligten vorab vermieden oder aufgelöst werden können?
Es gab auch Fehler der Betreiber, hier ist die Stadt nicht alleine der Buhmann. Viel früher hätte ein Dialog gesucht werden müssen. Es hätte vermieden werden können, dass wir und andere in die Tonne investieren.
Das könnte Sie auch interessieren:
Welches Signal geht von der gesamten Debatte an Veranstalter und Betreiber von Kultur- und Publikums-Events aus, insbesondere nach zwei entbehrungsreichen Corona-Jahren?
Das Signal ist eine Katastrophe. Fallen ihnen nur drei Orte in Köln ein, wo draußen entspannt gefeiert werden kann? Wir sind eine Millionenstadt und haben kaum kulturelle Flächen im Außenbereich. Das geht so nicht, so dürfen Städte nicht geplant werden. Vor allem nicht, wenn es immer wärmer wird. Und in Zeiten einer Pandemie sollten endlich bürokratische Hürden über Bord geworfen werden, die Menschen möchten an die frische Luft.
Was wünschen Sie sich für sich und den Standort Köln, um in Zukunft mehr Planbarkeit, weniger Probleme und damit möglicherweise auch ein attraktiveres Angebot in der Stadt zu erhalten?
Ich wünsche mir, dass die Politik sich endlich mehr durchsetzt und nicht von der Verwaltung vorführen lässt. Was viele nicht wissen, wir haben echt gute Politikerinnen und Politiker in Köln, die Interesse an einer lebenswerten Stadt haben. Aber zu vieles wird von der Verwaltung verhindert.



