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„Living Bridges“ in KölnStadt prüft zwei neue Brücken über den Rhein

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Ein überdachter „Walkway“ mit Laufband soll den Hauptbahnhof und den Deutzer Bahnhof miteinander verknüpfen.

Köln – Sieben Brücken sind die verbindenden Elemente zwischen dem linksrheinischen und dem rechtsrheinischen Köln. Sie formen aus zwei einzelnen, sonst getrennten Teilen eine gemeinsame Stadt. Die Ratspolitiker haben die Stadtverwaltung jetzt beauftragt, zu prüfen, ob es sinnvoll wäre, zwei weitere Brücken zu bauen – eine im Norden zwischen der Bastei und dem Rheinpark, die andere im Süden zwischen dem Rheinauhafen am Ubierring und dem Deutzer Hafen.

„Es ist ein zentrales Thema der Kölner Stadtentwicklung, wie sich die Brücken in das Bestehende einfügen und welche Funktion sie erfüllen“, sagt der Kölner Architekt Christian Schaller.

„Living Bridges“

Einen gleichermaßen spektakulären wie umstrittenen Entwurf hat jetzt Stefan Polónyi in die Diskussion eingebracht. Der Kölner Bauingenieur ist vor allem wegen seiner Faltwerk- und Schalenkonstruktionen und seiner Bogentragwerke bekannt. Er schlägt vor, sowohl im Norden als auch im Süden zwei so genannte „Living Bridges“ mit enormen Ausmaßen zu bauen.

Dabei soll es sich um siebengeschossige Brückenbauwerke mit gläserner Front handeln. Sie sollen über bis zu sechs Fahrspuren für Autofahrer und Radfahrer sowie Bürgersteige und eine Trasse für die Straßenbahn verfügen. Auf anderen Ebenen könnten Büros, Ladenlokale, Restaurants und Cafés sowie Wohnungen und Parkhäuser entstehen. Sogar größere Räume, in denen ein Kino, Theater oder Museum unterkommen könnten, wären grundsätzlich vorstellbar.

Lesen Sie mehr zum Finanzierungsplan auf der nächsten Seite.

Die grundsätzliche Tragkonstruktion für solche Brücken hat Polónyi bereits berechnet. Die Bauwerke könnten theoretisch bis zu 50 Meter breit und 30 Meter hoch werden. Bei der Brücke als Gebäude handele es sich um ein Gedankenexperiment, um zu sehen, was möglich wäre, sagt der 85 Jahre alte Bauingenieur. Schmale, kleine Brücken für Radfahrer und Fußgänger würden die Verkehrs- und Wohnraum-Probleme in der Stadt nicht lösen.

„Die entscheidende Frage lautet, ob Köln eine richtige Metropole oder nur eine große Stadt sein will“, meint Polónyi. Da Hochhäuser als Konkurrenz zum Dom betrachtet würden und deshalb unerwünscht seien, halte er seine Brücken für den idealen Ersatz. Es handele sich eigentlich um Hochhäuser, die quer über den Rhein gelegt werden.

Wie früher in Paris

Das Prinzip der „Living Bridge“ klingt zwar futuristisch, die Wurzeln liegen jedoch im Mittelalter.

Stefan Polónyi (85) studierte Bauingenieurwesen an der Technischen Universität Budapest in Ungarn und wurde 1965 als Professor für Tragwerkslehre an die TU Berlin berufen. 1971 wechselte er an die Universität Dortmund und gehörte zu den Gründern der Abteilung Bauwesen. 1995 wurde er dort emeritiert. Als Bauingenieur arbeitete er unter anderem am Willy-Brandt-Haus sowie am Bundespräsidialamt (beide in Berlin), an der Bahnsteigüberdachung des Kölner Hauptbahnhofs sowie am Keramion in Frechen. (att)

So wurde im Jahr 1325 etwa die Krämerbrücke in Erfurt fertiggestellt, die zuerst mit Fachwerkbuden und nach einem Großbrand 1472 mit bis heute bestehenden Fachwerkhäusern bebaut wurde. Ein weiteres historisches Beispiel ist der Ponte Vecchio im italienischen Florenz, auf dem sich kleine Läden aneinanderreihen, die zunächst von Schlachtern und Gerbern betrieben wurden und später von Goldschmieden. Bebaute Brücken prägten früher besonders Paris – dort gab es bis zur französischen Revolution sechs von ihnen.

Polónyi setzt darauf, dass die „Living Bridges“ ihre hohen Baukosten selbst finanzieren könnten. Das soll funktionieren, indem die Flächen konsequent vermarktet und verkauft werden. Kostenlos nutzbarer öffentlicher Raum könnte entstehen, wenn die Stadt sich an den Kosten beteiligt – dann wären zum Beispiel Plätze und kleine Parks vorstellbar.

Damit die Brücken und die angrenzenden Stadtteile eng verbunden werden können, schlägt Polónyi vor, die Nördliche vom Ebertplatz bis auf das Messegelände und die Südliche vom Rheinauhafen bis weit in den Deutzer Hafen hineinzubauen.

„Da der Deutzer Hafen ohnehin umgestaltet werden soll, wäre das eine große Chance“, so der Bauingenieur. Seine Pläne sehen ergänzend vor, den Hauptbahnhof und den Deutzer Bahnhof besser zu verknüpfen und die Hohenzollernbrücke um einen überdachten „Walkway“ mit einem Laufband zu erweitern. „Man könnte so aus zwei Teilen ein Ganzes machen“, sagt Polónyi.