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Neues KonzeptSpektakulärer Vorschlag zum Umzug des Kölner Großmarkts

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Eine neue Attraktion: Aus der Einkaufshalle für Großhändler könnte eine Markthalle für jedermann werden. An der Nordseite entstehen Büro- und Atelierflächen.

Köln – Nachdem die Fraktionen im Rat den letzten Plänen der Stadtverwaltung zur Zukunft des Kölner Großmarkts eine Absage erteilt haben, weiß noch keiner so genau, wie es weiter gehen soll. Finanzierungsmodell und Standort stehen wieder zur Debatte, mancher zweifelt sogar daran, dass Köln in Zukunft überhaupt noch einen Großmarkt braucht.

Nun bringen Unternehmen, die in der Raderberger Halle ihr Geld verdienen, mit einem eigenen, durchaus spektakulären Vorschlag neuen Schwung in die Debatte.

Neues Frischezentrum

Zusammen mit dem Architekten Paul Link arbeiten sie an einem beachtenswerten Konzept: Sie wollen ein neues Frischezentrum – direkt neben dem alten. Ein modernes Drehkreuz für Lebensmittel soll sich in das „Entwicklungskonzeptes Südliche Innenstadt-Erweiterung“ (ESIE), von den Planern auch „Parkstadt-Süd“ genannt, integrieren lassen.

Die ESIE-Ziele, den inneren Grüngürtel bis zum Rhein zu verlängern und ein neues Stadtquartier mit tausenden Wohnungen entstehen zu lassen, sollen nicht gefährdet werden. Der neue Großmarkt soll unter Wohnungen, die auf sein Dach gebaut werden könnten, verschwinden.

Markthalle für jedermann

Aus dem denkmalgeschützten Gebäude soll eine Markthalle für jedermann werden, ergänzt um einen Platz im Freien, der für verschiedene Zwecke im neuen Stadtquartier genutzt werden kann.

In Raderberg könnte sich die Frischemarkt-Logistik für Einzelhändler mit den Anforderungen eines Platzes für den Endverbraucher verbinden lassen. „Man muss den Großmarkt leben lassen“, sagt Fermin Montaner von der Interessengemeinschaft „Kölner Großmarkt“. Das könne er am besten an dem Ort, an dem er seit Jahrzehnten funktioniere.

Mit den vom Architekten in ersten Skizzen umgesetzten baulichen Idee verbindet sich ein Zukunftskonzept: Neben seinen Funktionen zur Versorgung der Stadt mit frischen Lebensmitteln will man offen sein für neue Anforderungen und Aufgaben. Das alles ließe sich am besten zentrumsnah erledigen: Große Lastwagen bringen Waren, die dann in der Innenstadt von kleinen Fahrzeugen über innovative Verkehrslogistikkonzepte verteilt würden.

Ein Großmarkt in der Stadt sei somit auch ein Beitrag zum Umweltschutz, so die Sprecher der Händler. Sie verweisen auf andere Städte: In München sei die Verlagerung vom Tisch, in Stuttgart wird mitten in der Stadt neu gebaut. „Wir haben gemerkt, dass viele, die im Rathaus über die Zukunft dieses Zentrums entscheiden, gar nicht wissen, was hier los ist“, sagt Frank Brugman von der Großmarkt-IG.

Welche Ideen sprechen gegen den Vorschlag - mehr im nächsten Abschnitt.

In den vergangenen Wochen habe man zusammen mit der Industrie- und Handelskammer Politiker aller Fraktionen davon überzeugen können, sich einmal mitten in der Nacht für eine Führung über das Gelände wecken zu lassen. Die IG Großmarkt zeigte durchaus staunenden Politikern die Arbeit und das Angebot von 140 Unternehmen mit rund 1800 Mitarbeitern an einen quirligen Wirtschaftsstandort, der einfache Jobs genau wie Ausbildungsberufe in vielen Sparten sowie Perspektiven für neue Unternehmensansiedlungen bieten kann.

Der geführte Rundgang verband sich mit dem Appell, einen Verbleib in Raderberg in die Überlegungen einzubeziehen. „Bei der Suche nach einem neuen Standort wurden alle möglichen Orte geprüft, nur nicht der heutige“, so Brugman. Jetzt, nachdem die Diskussion über die Zukunft des Großmarkts festgefahren ist, scheint der Zeitpunkt für die Forderung günstig.

Mehrere Hürden

Die Probleme, die gegen die Ideen der Händler sprechen, liegen auf der Hand: Der Großmarkt, verbunden mit einer tagsüber geöffneten Markthalle, führt zu Verkehrsproblemen und -belastungen.

Zweite Hürde: Das Werkstattverfahren für die Entwicklung der „Parkstadt-Süd“ ist in vollem Gange. Im Konzept ist zwar auch von der Verbindung einer Wohnbebauung mit Arbeitsplätzen die Rede. An den Großmarkt hat dabei jedoch keiner gedacht. Im Gegenteil: Alle Planungen für das neue Quartier gehen davon aus, dass der Großmarkt seine Flächen pünktlich 2020 räumt.

Eine Zusage,ob denn in so kurzer Zeit tatsächlich in Marsdorf oder sonst wo ein neuer Großmarkt gebaut werden kann, in den die Unternehmen aus Raderberg umziehen können, dürfte keiner mehr geben. Eine Verlängerung der Nutzungsverträge für Raderberg liegt auf der Hand. Doch das hat sich bislang noch kein Politiker oder Verwaltungsmitarbeiter getraut, offen auszusprechen.

„Radeberger Modell“ statt ÖPP

Auch zur möglichen Finanzierung eines Neubaus am alten Standort haben die Händler der IG eine klare Meinung: Keine Kooperation mit einem privaten Großinvestors im Rahmen einer Öffentlich-private Partnerschaft, kein Genossenschaftsmodell, keine Experimente. „Wir bevorzugen das Raderberger Modell“, so Montana.

Die Stadt baut eine Halle und vergibt im Umfeld gegen Pacht Grundstücke an Unternehmen, die für die eigenen Bedürfnisse darauf bauen können. Wie viel für das neue Konzept investiert werden müsste, haben Architekt Paul Link und die Händler noch nicht ausgerechnet. Billig dürfte es nicht werden.