Hände hoch für bezahlbaren WohnraumKundgebung in Köln gegen steigende Mietpreise

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Kundgebung am Rudolfplatz in Köln zum bundesweiten Aktionstag Mietenstop.

Köln – Um auf das Problem steigender Wohnkosten aufmerksam zu machen, fand am Samstag der bundesweite Mietenstopp-Aktionstag statt. In mehr als 50 Städten wurden Aktionen und Kundgebungen veranstaltet, so auch auf dem Rufolfplatz in Köln, organisiert von der Initiative Recht auf Stadt. Diese informierte gemeinsam mit Kölner Akteuren und Gruppen zur aktuellen Wohnungsnot in der Domstadt und rückte die Problematik der Wohnungs- und Obdachlosigkeit in den Fokus.

Monatsende: Kühlschrank füllen oder Miete bezahlen?

„Mit den aktuellen Krisen werden sich jetzt recht schnell die Probleme verschärfen, sodass sich immer mehr Menschen am Ende des Monats fragen: Fülle ich meinen Kühlschrank oder bezahle ich die Miete?“, ergänzt der in Mülheim geborene Mitinitiator von Recht auf Stadt und Moderator des Tages Kalle Gerigk. Deshalb sei dieser Tag und die Aktion für ihn so wichtig. Die Kundgebung findet an einer kleinen Bühne mit roter Abdeckplane und einem Banner mit der Aufschrift: Gemeinsam gegen Verdrängung und #Mietenwahnsinn statt. Die Teilnehmer der Protestaktion halten Pappschilder mit roten Händen und der Aufschrift „Mietenstopp“ in die Luft.

Suche nach bezahlbarem Wohnraum in Köln

Mit auf dem Platz parkt der „Wohnen-Wagen“ der gleichnamigen Kölner Initiative, die sich 2016 als Antwort auf die Frage nach Wohnraum für Geflüchtete gegründet hat. „Uns wurde schnell klar, das Problem, wie kommt man in Köln an bezahlbaren Wohnraum, betrifft fast die Hälfte aller Kölner“, erzählt Klaus Adrian, während er den bunt bemalten Wohnen-Wagen aufschließt. „Es vergeht keine Woche, wo nicht jemand in unser Montagscafé kommt und sagt: „Ich halte das nicht mehr aus. Habt ihr nicht eine Wohnung für mich?!" Oft können wir nicht direkt helfen. Wir können nur sagen, was man tun müsste, um an bezahlbaren Wohnraum zu kommen.“ Viele erhoffen sich bspw. Hilfe beim Ausfüllen von zwölf-seitigen Anträgen. Das dauert mehrere Stunden, selbst wenn alle Unterlagen bereits vorliegen.

Direkt neben der Bühne hat Kati Bodendorf von der Initiative #IchbinArmutsbetroffen ihr Banner auf dem Boden ausgebreitet. Seit Ende Mai geht sie alle 14 Tage mit dem Kölner Ortsgruppenverein auf die Straße, um auf die Lage von Menschen in Armut aufmerksam zu machen. „Wenn man einmal seine Wohnung verloren hat, wird man die Angst davor nie wieder los“, berichtet sie aus eigener Erfahrung.

Notschlafstelle für Studierende

In einer Gruppe junger Leute vor der Bühne findet sich der Asta-Vorsitzende der Uni Köln, Ben Himmelrath. „Wir haben gemeinsam mit der Katholischen Hochschulgemeinde Köln eine Notschlafstelle für Studierende eingerichtet; 30 Matratzenplätze in einem Keller. Allerdings haben wir weit mehr als 200 Anfragen innerhalb der letzten Wochen erhalten. Auch von Studierenden aus dem Ausland, die bereits Veranstaltungen an der Uni besuchen müssen. Wir leisten damit ehrenamtliche Soforthilfen. Aber das reicht nicht. Es muss etwas von der Politik kommen“, meint der 22-jährige Student aus den Rechtswissenschaften. Aus der Politik steht an diesem Tag niemand auf der Bühne.

Teufelskreis Wohnungslosigkeit

Von der Selbstvertretung wohnungsloser Menschen e.V. tritt Dirk Dymarski ans Mikrofon. „Hast du keine Wohnung, bekommst du keine Arbeit, aber ohne Arbeit hast du auch keine Wohnung“, beschreibt er den Teufelskreis, in dem er sich 20 Jahre lang befunden hat. Dymarski ist an diesem Tag nicht nur Redner, sondern auch Schauspieler in einem Theaterstück, das wohnungslose und ehemals wohnungslose Menschen von 23 bis 80 Jahren auf die Bühne bringen. Das Projekt ist aus einer Kooperation des Vereins mit der Thetaerwerkstatt Bethel in Bielefeld entstanden. „Die Unerhörten“ nennt sich die Gruppe. Lächelnd erzählt Dymarski von seiner Rolle; er mime den Sachbearbeiter eines Wohungsamtes. Es mache ihm Spaß die Seite der Macht im Stück zu wechseln. Seine Szene zeige, wenn auch überspitzt, wie Vermittlungsgespräche für Wohnungslose verlaufen können. Der Gang zum Amt, die Obdachlosenzählung in Berlin, ein Überfall auf offener Straße – es sind Erlebnisse aus dem Alltag der insgesamt 18 Darsteller.

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Die Aufführung sei wichtig, weil wohnungslose Menschen oft nicht gehört und gesehen werden, erklärt die Leiterin des Obdachlosen-Straßentheaters Pia Ringhoff. „Wir können im Moment eigentlich alle zittern, nicht abzurutschen und irgendwann von Wohnungslosigkeit bedroht zu sein.“ Solange diese Menschen unsichtbar blieben, könne man noch wegschauen. In die Städte zu gehen, und mittendrin zu spielen, setze ein wichtiges Zeichen, „mit der Aktion wollen wir die Sichtbarkeit auf den Plätzen in der Stadt zurückerobern.“

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