Am 27. und 28. Juni können zum Tag der Architektur in NRW 141 und in Köln elf Objekte besichtigt werden. Wir zeigen drei Beispiele.
Neubau, Familienhaus im Zusammenspiel mit BaumDrei Highlights zum Tag der Architektur in Köln

Der Innenhof im Servicehaus des Kölner Studierendenwerks. Das Architekturbüro Gernot Scholz hat sich mit dem Neubau an der Universitätsstraße für den Kölner Architekturpreis beworben.
Copyright: HGEsch Photography
Eine üppig begrünte Terrasse auf einer Tiefgaragendecke, die Sanierung eines Treppenhauses von 1905 oder der Anbau für ein Einfamilienhaus: Die Architektur und ihre Tätigkeitsfelder sind vielfältig. Zum Tag der Architektur, veranstaltet von der Architektenkammer NRW, kann man am kommenden Wochenende 141 Objekte in 76 Städten besichtigen, an Führungen teilnehmen und Einblicke in planerische Prozesse und Besonderheiten der Architektur erhalten. In Köln öffnen am Samstag, 27. Juni, und Sonntag, 28. Juni, elf Objekte ihre Türen. Wir haben drei Beispiele ausgewählt, und zeigen, warum sich ein Besuch dorthin lohnt.
Der Baum als Protagonist

Zum Tag der Architektur öffnet die Architektin Anja Oelmann ihr eigenes Haus, das sie mit ihrem Bonner Architekturbüro 5 BWS um einen Baum herum konzipiert und gebaut hat.
Copyright: Tim Oelmann
Ein 85 Jahre alter Walnussbaum ist der wahre Protagonist eines neugebauten Zweifamilienhauses in Vogelsang. Architektin Anja Oelmann vom Bonner Architekturbüro 5 BWS lebt hier mit ihrer Familie und hat sich entschieden, ihre privaten Türen zu öffnen. Von Anfang an habe festgestanden, dass der Baum bleiben muss, sagt Oelmann. So manch ein Interessent habe vorher sogar abgesagt, weil es in der Baumschutzsatzung der Stadt eigentlich heiße, dass ein Baum nicht unterbaut werden dürfe, erzählt Oelmann. Doch mit einer Ausnahmegenehmigung ging es dann doch. Architektonisch wurde es so gelöst: Es gibt ein Vorderhaus mit einer Wohnung, die derzeit vermietet ist, die mit dem größeren Hinterhaus durch eine breite, zweigeschossige Glasfassade verbunden ist, die unterhalb der Krone verläuft.
„Auch drinnen ist der Baum sehr präsent. Wir haben einen offenen, modernen Raum, mit warmem Parkettboden und schauen auch von innen immer auf den Baum“, sagt Oelmann. In nur neun Monaten war der Bau fertig, das alte Haus musste erst abgerissen werden. Die Schwierigkeit lag darin, das Zweifamilienhaus an das Nachbargebäude dran zubauen. „Es handelt sich um Siedlungshäuser aus den 30er-Jahren, das Gebäude vorher hatte eine schlechte Bausubstanz. Der Nachbar fand es anfangs gar nicht witzig, aber mittlerweile sind wir befreundet.“ Familie Oelmann lebt seit rund zwei Jahren in Vogelsang. „In der Siedlung findet gerade ein Generationenwechsel statt.“
Stieglitzweg 27 und 27a, Samstag und Sonntag, jeweils 12 bis 18 Uhr
Servicehaus als Eingangstor für neues Unigelände

Der Neubau des Kölner Studierendenwerks, das die Mitarbeiter 2025 bezogen haben, steht an der Universitätsstraße.
Copyright: Alexander Schwaiger
Wer auf das Gebäude zuläuft oder es mit dem Auto ansteuert, dem fällt vor allem die eingedrehte Form des Kubus auf: Das neue Servicehaus des Kölner Studierendenwerks an der Universitätsstraße 14 ist vergangenen September feierlich eröffnet worden und bündelt nun alle Serviceeinrichtungen des Werks in einem zentralen Gebäude. Entworfen hat es das Architekturbüro Gernot Schulz Architektur am Sachensenring.
„Der Grund, weshalb es eingedreht da steht, ist, weil es das erste Haus am Platz ist. Das Unigelände, wo früher der Flohmarkt stattfand, wird derzeit entwickelt. Die Gebäude, die dort entstehen, sollen höher sein, sodass das Servicehaus Eingangswirkung haben soll“, sagt Sprecherin Britta van Hüth. Der jetzige Eingangsbereich wird in Zukunft dann als großer Platz zwischen Gebäuden fungieren. Im Inneren öffnet sich ein hoher, heller Lichthof als geschützter, kommunikativer Mittelpunkt für Mitarbeitende sowie Studierende.
Dass hier mit recht wenig Grün gearbeitet wurde, sei dem Standort geschuldet, so van Hüth. „Unter dem Gebäude befindet sich eine Tiefgarage. Mit Grün zu arbeiten war angesichts der innerstädtischen Lage schwer.“ Architektonisch hervorheben möchte van Hüth die sogenannte Betonfertigteilfassade: „Nach oben erweitert sie sich, sodass sie fast eine umgedrehte pyramidale Form erhält. Man muss erst genau hinschauen.“
Simon Drechsler, stellvertretender Geschäftsführer des Kölner Studierendenwerks sagt: „Unser Kerninteresse mit dem neuen Haus war es, die vorher dezentralen Services für Studierende an einem Platz darzustellen. Das Haus bietet viele Sichtachsen. Die Transparenz und Flexibilität in den Etagen spüren wir deutlich.“
Das Studierendenwerk habe sich in Zeiten von Home Office für Desksharing entschieden. „In letzter Zeit haben wir uns auch immer mehr zu den Studierenden geöffnet, die wir mehr und mehr ins Haus holen wollen.“ Es sollen mehr Veranstaltungen stattfinden, Studierende können sich zudem einen Lernplatz im Gebäude buchen. „Wir verschmelzen dadurch als Organisation mit unserer Zielgruppe.“ Aufgrund mangelnder Lernplätze an der Uni werde dieses Angebot von den Studierenden dankbar angenommen, so Drechsler.
Universitätsstraße 14, Samstag, 11 bis 13 Uhr

Der Innenhof im Servicehaus des Kölner Studierendenwerks
Copyright: HGEsch Photography
Soziale Landschaftsarchitektur in Sürth

Architekt Thomas Knüvener von Knüvener Architekturlandschaft hat den Außenbereich des Jugendhauses Sürth neu gestaltet
Copyright: Knüvener Architekturlandschaft
Wie kann man ein Außengelände barrierefrei gestalten und gleichzeitig dem Hochwasserschutz gerecht werden? Das war eine der Herausforderungen für den Landschaftsarchitekten Thomas Knüvener. Das inklusive und am Rhein gelegene Jugendhaus Sürth hat nicht nur sein Freizeitgelände neu gestaltet, sondern auch einen neuen Raum erhalten, der sich als eine Art Mini-Bürgerzentrum dem Stadtteil öffnen soll.
„Unser Platz mit der Kastanie verbindet nun beide Gebäude, wir können sie aber im Sinne unseres Schutzkonzepts für die Jugendlichen auch separat bespielen, da es separate Eingänge gibt“, sagt Thomas Göttker, Leiter des Jugendhauses, das der Verein Miteinander leben betreibt. „Wir wollen Menschen mit Behinderung ermutigen, sich zu treffen und am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen“, so Göttker.
Vorher sei das Jugendhaus durch wildes Grün verborgen gewesen. „Wir wollten eine neue Adresse für Sürth schaffen. Entstanden ist also ein kleiner Vorplatz, der den Neubau barrierefrei erschließt“, so Architekt Thomas Knüvener. Der Architekt hat den Vorplatz mit großen Betonelementen eingefasst, die um eine Kurve gehen und somit zum Eingang leiten.
Auf einem anderen Platz, der als Treffpunkt dient, thront ein Kastanienbaum in der Mitte. „Wir brauchten für den Baum eine ökologische Baubegleitung, weil er zu kippen drohte. Es ist eine ganz tolle Möglichkeit, in so einem historischen Bestand zu arbeiten und in die Jahre gekommene Objekte aufzuwerten, auch wenn es kompliziert ist“, so Knüvener der sein Büro Knüvener Architekturbüro in Köln hat. Den zusätzlichen Raum gestaltete das Kölner Büro Hutta Architektur Partnerschaft mbB Johann Eckartz & Wolfgang Zeh.
Fronhofstraße 42, Samstag 15 bis 17 Uhr, Führung um 16 Uhr, Treffpunkt Vorplatz

Architekt Thomas Knüvener von Knüvener Architekturlandschaft hat den Außenbereich des Jugendhauses Sürth neu gestaltet
Copyright: Knüvener Architekturlandschaft
Weitere Obejekte in Köln
Wohn- und Geschäftshaus Kölner Südstadt (Sanierung), Wormser Straße 51, Samstag, 11 bis 16 Uhr, Schorn Consult Immobilienberatung & Immobilienbewertung
Holzkubus in Gewerbehalle, Wikingerstraße 56 in Rath/Heumar, Samstag 10 bis 14 Uhr, Antoniter Siedlungsgesellschaft mbH
Dachterrasse und Gartenzimmer, Volkhovener Weg 219 in Volkhoven/Weiler, Sonntag, 11 bis 13 Uhr, Landschaftsarchitektin Dipl.-Ing. Yvonne Göckemeyer
Gesamtschule Wasseramselweg, Samstag, Führung von 11 bis 12 Uhr und von 13 bis 14 Uhr, Treffpunkt Vorplatz Schule, v-Architekten GmbH
Stadtrauminstallation „Draussen“, Vondelstraße 4-8 in der Südstadt, Samstag und Sonntag, 10 bis 18 Uhr, Führung jeweils um 17 Uhr, Treffpunkt Haupteingang Comedia Theater, Oba Architektur Bonon Kaufel PartmbB
Treppenhaus eines Altbaus (Sanierung), Subbelrather Straße 303 in Ehrenfeld, Samstag 10 bis 13 Uhr und 14 bis 16 Uhr, Stolinska-Scholz Hube Architekten Partnerschaft mbB
Einfamilienhaus (Anbau), Margueritenweg 19 in Junkersdorf, Sonntag, 14 bis 17 Uhr, Führung jeweils um 14, 15 und 16 Uhr, Nagy-Architektur


