Abo

Hubbel eingebautWarum die Stadt Köln jetzt die Autofahrer am Niehler Ei durchrüttelt

3 min
Die Stadt Köln hat am Niehler Ei Rüttelstreifen eingebaut.

Die Stadt Köln hat am Niehler Ei Rüttelstreifen eingebaut.

An Kölns größtem Kreisverkehr greift das Verkehrsdezernat auf ein aus den Niederlanden und Frankreich bekanntes Konzept zurück.

Wer mit dem Auto von Süden aus über die Industriestraße auf das Niehler Ei – Kölns größten Kreisverkehr – zufährt, wird seit Kurzem kräftig durchgerüttelt. Quer über die Fahrbahn sind im Abstand weniger Meter weiße Streifen zu sehen, die erhaben sind und somit beim Überfahren mit den Reifen für das Ruckeln und ein deutlich hörbares Geräusch sorgen. Ein Verkehrsschild, das auf die kleinen Hubbel hinweist, ist nicht zu erkennen. In dem Bereich gilt Tempo 30 – wer mit höherer Geschwindigkeit über die Unebenheiten fährt, wird durch das Rütteln instinktiv dazu gebracht, abzubremsen.

Das Ziel: mehr Sicherheit und Aufmerksamkeit

Und genau das hat das Verkehrsdezernat der Stadt Köln beabsichtigt. Bei den weißen Bodenerhebungen handelt es sich um sogenannte Rüttelstreifen, die am Niehler Ei erstmals in Köln zum Einsatz kommen. Die quer zur Fahrbahn aufgebrachten Markierungselemente dienen laut der Stadt als „deutlich wahrnehmbares Warnsignal, die Aufmerksamkeit zu erhöhen und Geschwindigkeiten anzupassen“. Wer unkonzentriert  oder müde ist, der wird buchstäblich wachgerüttelt.

Ein am Niehler Ei in die Straße eingefräster Rüttelstreifen

Ein am Niehler Ei in die Straße eingefräster Rüttelstreifen

„Das Niehler Ei ist ein verkehrlich stark belasteter Bereich, an dem es in der Vergangenheit wiederholt zu Unfällen gekommen ist“, sagte ein Stadtsprecher auf Anfrage. Mit den Rüttelstreifen greife die Stadt Köln ein erprobtes Konzept auf, um für mehr Sicherheit und Aufmerksamkeit zu sorgen. Ziel sei es, Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer zusätzlich zu sensibilisieren und so das Unfallrisiko zu verringern.

Zahl der Unfälle auf Teststrecke stark zurückgegangen

Während Rüttelstreifen international bereits seit Jahrzehnten erfolgreich eingesetzt werden, gibt es sie in Deutschland bislang nur vereinzelt oder im Rahmen von Pilotversuchen.

Als Musterbeispiel dafür dient die Autobahn 24 zwischen Berlin und Hamburg. Zwischen zwei Anschlussstellen in Brandenburg hat die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) Rüttelstreifen eingefräst, mit dem Ergebnis, dass die Zahl der Unfälle dort innerhalb des Testzeitraums von sechs Jahren deutlich zurückging. Die Anzahl der Unfälle, bei denen Autos von der Fahrbahn abkamen und nach rechts ausbrachen, verringerte sich um 43 Prozent. Die Zahl der schwer verletzten beziehungsweise getöteten Fahrer und Mitfahrer ging  um 15 Prozent zurück.

Wer öfter in den Niederlanden unterwegs ist, dem dürften die Rüttelstreifen mit Sicherheit ein Begriff sein, denn sie sind nahezu flächendeckend vorhanden. Seit den 1990er-Jahren gibt es das Konzept im Nachbarland, die Zahl der Verkehrsunfälle ging an den Stellen, an denen sie verbaut worden sind, um ein Drittel zurück. In Frankreich sind Rüttelstreifen vor allem vor Mautstationen üblich, um die Autofahrer herunterzubremsen. 

„Dass die Stadt Köln nun als eine der ersten Großstädte in Deutschland ein solches System im kommunalen Bereich umsetzt, unterstreicht den innovativen Anspruch, bewährte Konzepte aufzugreifen, anzupassen und für die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger nutzbar zu machen“, sagte der Stadtsprecher. Gleichwohl sei es aktuell nicht geplant, auch an anderen Orten im Stadtgebiet Rüttelstreifen zu installieren. So wird das Niehler Ei zumindest bis auf Weiteres ein Kölner Unikat bleiben.