Köln – Vorteilsannahme, Betrug, Bestechung, Korruption – die Liste der angeklagten Vorwürfe wiegt schwer gegen zwei ehemalige inzwischen im Ruhestand befindliche Architekten des Westdeutschen Rundfunks, die mit einem Bauunternehmer von März 2014 bis November 2016 gemeinsame Sache gemacht haben sollen. Am Freitag stand noch ein Bauleiter und der Unternehmer vor dem Amtsgericht.
Köln: Angeblich Geschenke und Bauarbeiten für WDR-Mitarbeiter
Laut Anklage soll der Bauunternehmer, dessen Firma nahezu ausschließlich für den WDR tätig war, in 45 Fällen rechtswidrig Stundenlöhne von Mitarbeitern abgerechnet haben. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft waren die Mitarbeiter an den entsprechenden Tagen entweder krank, bauten Überstunden ab, waren im Urlaub und in einem Fall war der Handwerker bereits verstorben. Dessen Name stand dennoch auf dem Stundenzettel, mit dem Arbeitslohn eingefordert wurde. Auf diese Weise zahlte der WDR für tatsächlich nicht geleistete Stunden- und Nachtschichten insgesamt 36.401,26 Euro.

Der Angeklagte (2.v.l.) am Freitag in Köln im Gericht.
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Um für zukünftige Aufträge bevorzugt behandelt zu werden, gab es vom Firmenchef (62) Geschenke, darunter ein Weintemperierschrank nebst Somelier-Set, einen elektrischen Allesschneider sowie mehrere hochwertige Regale. Architekt B. soll insgesamt Geschenke im Wert von 7000 Euro erhalten haben. Laut Anklage soll er im Gegenzug dem Bauunternehmer Aufträge im Gesamtwert von 90.000 Euro zugeschustert haben.
Köln: Angeklagte weisen Vorwürfe weit von sich
Der mitangeklagte Bauleiter S. (62) hatte sich laut Ermittlungsakte für den Anbau seines Einfamilienhauses im Rechtsrheinischen die Dienste des Bauunternehmers kostengünstig gesichert und einen Preisnachlass von 15.000 Euro erhalten. In seinem Zuständigkeitsbereich hatte er nach Anklage dem Bauunternehmer dafür Aufträge im Wert von 45.000 Euro erteilt. Beide Architekten sind inzwischen im Ruhestand, strafrechtlich noch nicht in Erscheinung getreten und waren mehrere Jahrzehnte im Dienste des WDR für Bauvorhaben im Studio Bonn, in Bocklemünd, im Funkhaus und den WDR-Arkaden verantwortlich.
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Architekt S. hatte drei Tage vor seiner Pensionierung 2018 bei gekürzten Bezügen vom WDR die Kündigung erhalten.
Bereits im Ermittlungsverfahren hatten die Angeklagten die Vorwürfe weit von sich gewiesen. Zumindest in einem Fall erfolgreich. Gegen Architekt B. war das Verfahren bereits im Vorfeld eingestellt worden. Wegen geringer Schuld. Auf eine Geldauflage wurde verzichtet. Der Prozess ist auf zwei Verhandlungstage terminiert.



