Schnell registrieren die Zöllnerinnen und Zöllner am Flughafen Köln/Bonn: Der angebliche Feuerwehrmann aus Mexiko verhält sich ungewöhnlich, auffallend nervös. Vor rund drei Wochen ist der 45-Jährige aus Mexiko-City über Istanbul nach Köln geflogen. Als er den Flughafen verlassen möchte, sprechen die Beamten ihn an. Der Mann verstrickt sich in widersprüchliche Aussagen. Ein Drogenwischtest reagiert positiv auf Kokain.
Aufgrund des positiven Tests suchen die Beamten im Koffer des Mannes nach möglichen Drogenverstecken. Zwischen Kleidung, Waschtasche und Schuhen entdecken sie mehrere verschlossene Plastikflaschen und auffallend viele Sockenknäuel. „Als eine junge Kollegin eine Shampooflasche öffnete, fand sie dann statt Kokain mehrere lebende Schlangen“, sagt Jens Ahland, Sprecher des Hauptzollamts Köln.
Knapp 30 Tiere überlebten Transport nicht
Insgesamt entdeckt der Zoll 37 Giftschlangen, überwiegend Vipern und Klapperschlangen, sowie 55 Echsen verschiedener Arten. Mehrere Tiere waren jeweils in einer Flasche oder in Socken versteckt. „Ein außergewöhnlicher Aufgriff für den deutschen Zoll, auch wenn es uns betroffen macht, was manche Menschen Tieren aus reiner Profitgier antun“, sagt Ahland. Den Transport nannte er „extrem tierschutzwidrig“: Die Tiere seien ohne Wasser und Nahrung unterwegs gewesen. Knapp 30 Tiere überlebten den Transport nicht.

In so einem Koffer entdeckten die Beamten die Tiere.
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Der 45-Jährige gab laut Zoll an, Feuerwehrmann zu sein und in Deutschland Urlaub machen zu wollen. Er habe die Tiere im Auftrag eines brasilianischen Freundes als Freundschaftsdienst mitgenommen. Der Zoll vermutet hinter dem Fall gewerbsmäßigen Schmuggel. Zu möglichen Hintermännern und zum konkreten Ziel der Tiere äußerte sich Ahland aus ermittlungstaktischen Gründen nicht. Die weiteren Ermittlungen führt das Zollfahndungsamt Essen.

Der Kölner Zoll hat mehr als 90 lebende Reptilien am Flughafen Köln/Bonn entdeckt.
Copyright: Hauptzollamt Köln
Weil die Tiere fachkundige Versorgung benötigten, schalteten die Veterinäre der Stadt Köln eine spezialisierte Schlangenfarm in Schladen bei Braunschweig ein. Ein Fachmann holte die Reptilien noch in der Nacht ab. Am frühen Morgen wurden sie dort versorgt. Zahlreiche Tiere überlebten den Transport nach Angaben des Zolls dennoch nicht. Etwa 30 Tiere seien gestorben, so Ahland.
Auch wenn der Fund in dieser Größenordnung außergewöhnlich ist, stößt der Zoll immer wieder auf Verstöße gegen den Artenschutz. In Köln/Bonn gehe es etwa um Produkte aus geschützter Schlangenhaut oder Krokodilleder, zum Beispiel Handyhüllen, Taschen und Gürtel, sagte Ahland. Oft werden exotische Tiere aber auch nach Deutschland eingeführt, um sie als Haustiere zu halten.
Im Vorjahr registrierte der Zoll bundesweit mehr als 1300 Aufgriffe mit insgesamt mehr als 56.600 geschützten Tieren, Pflanzen oder daraus hergestellten Waren. Mehr als 90 Prozent der Fälle würden in Postsendungen oder an Flughäfen festgestellt.

Der Kölner Zoll hat mehr als 90 lebende Reptilien am Flughafen Köln/Bonn entdeckt.
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So etwa im Juli 2025: Damals entdeckte der Kölner Zoll rund 1500 junge Vogelspinnen in einer Sendung aus Vietnam. Die Tiere waren in kleinen Kunststoffbehältern versteckt, die wiederum in Keksverpackungen steckten und offenbar an einen Empfänger im Sauerland gehen sollten. Auch 2023 gab es am Flughafen Köln/Bonn einen ungewöhnlichen Tierfund: Ein Amerikaner hatte bei seiner Einreise nach Deutschland knapp 640 Spinnen, Skorpione, Hundertfüßer und Käfer in seinem Koffer.
„Es macht uns stolz, mit unserer täglichen Arbeit einen wichtigen Beitrag zum internationalen Artenschutz zu leisten“, sagt Ahland. Zugleich warnt er: „Wenn man solchen strukturellen und gewerbsmäßigen Schmuggel nicht unterbindet, dann stehen irgendwann alle auf der Liste der bedrohten Arten.“
Der aus Mexiko kommende Mann durfte nicht nach Deutschland einreisen. Die Bundespolizei wies ihn zurück, „aufgrund der von der Person ausgehenden Gefahr für die Sicherheit und Ordnung“, so Ahland. Am nächsten Morgen musste er in die Türkei fliegen. Zum möglichen Strafmaß sagte Ahland allgemein, bei gewerbsmäßigem Schmuggel artengeschützter Tiere seien hohe Geldstrafen, aber auch Freiheitsstrafen möglich.
Was nun mit den Tieren passiert, ist noch offen. Wenn sie sich erholen und wieder reisefähig sind, könnten sie nach Mexiko zurückgebracht werden. Das Land habe grundsätzlich Interesse an der Rückführung geschützter Tiere, sagte Ahland.
