Satellitenbilder zeigen Köln großflächig braun: Der Rhein führt ungewöhnlich wenig Wasser, die Wälder verfärben sich früh. Zwei Kölner Wissenschaftler erklären, was die Trockenheit für Natur und Menschen bedeutet.
Köln wird braunWie die Trockenheit Rhein, Wald und Menschen belastet

Die Kiesbänke an den Pollerwiesen wirken wie eine Wüste in der Sommerhitze. Der Pegelstand beträgt 0,63m.
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Wer aus der Vogelperspektive auf Köln schaut, sieht derzeit vor allem einen ungewöhnlich schmalen Rhein, links und rechts des Flussbetts viel Sand. Dort, wo sonst starke Strömungen fließen, können Menschen teilweise tief in das Flussbett hineingehen. Wer noch einige Kilometer weiter herauszoomt, erkennt ein Köln, das von einer Farbe bestimmt wird: Braun. Auf Satellitenbildern des europäischen Erdbeobachtungsprogramms Copernicus von Anfang August ist die Stadt großflächig braun. Für zwei Kölner Wissenschaftler ist das ein Warnsignal: für den Zustand des Wassers, für die Wälder rund um die Stadt und für die Gesundheit der Menschen, die in ihr leben.
Alexander Fekete ist Geograph und Professor mit Schwerpunkt Katastrophenrisikomanagement an der Technischen Hochschule in Köln. Für ihn erfüllen die Satellitenbilder eine wichtige Funktion, auch wenn sie beunruhigend sind: „Solche Bilder sind ein sehr guter Indikator, weil die Menschen schwarz auf weiß oder, sozusagen, braun auf grün endlich sehen: Ja, tatsächlich haben wir ein Problem.“ Die Bilder bestätigen das, was Klimamodellierungen seit vielen Jahrzehnten vorhersagen, und dennoch sei es für ihn überraschend, dies in der Realität zu erleben.
Hitze und Trockenheit als Folgen des Klimawandels seien zu lange nicht ernst genommen worden, sagt Fekete. Hochwasser und Starkregen beeinträchtigten den Alltag der Menschen. Bei solchen Extremwetterereignissen sei für jede und jeden klar, dass es nicht wie bisher weitergehen könne. Bei Hitze änderten die Menschen ihre Gewohnheiten dagegen eher nicht. Doch die Folgen könnten genauso wie bei anderen Extremwetterlagen tödlich sein. Bereits im Juli wurde der traurige Rekord der Hitzetoten in NRW gebrochen. Das zeigen die Zahlen des Robert Koch-Instituts.
Der Klimawandel verändert den Wasserhaushalt in Nordrhein-Westfalen. Längere Trockenperioden, häufigere Hitzephasen und eine höhere Verdunstung führen dazu, dass Wasser in der Landschaft knapper wird. Klimamodelle und Beobachtungsdaten zeigen, dass sich diese Entwicklung künftig fortsetzen kann. In Nordrhein-Westfalen haben die Trockenperioden laut dem Umweltportal NRW seit 2018 deutlich zugenommen.
Diese Entwicklungen erhöhen das Risiko, dass sich Trockenperioden zu länger anhaltenden Dürrephasen entwickeln. Besonders wenn mehrere niederschlagsarme Jahre mit hohen Temperaturen zusammentreffen, trocknen die Böden schneller aus, und die Auswirkungen auf Gewässer, Vegetation und Grundwasser verstärken sich. Ende Juli waren 94 Prozent der Fläche Nordrhein-Westfalens von „ungewöhnlicher Trockenheit und Dürre“ betroffen, laut Umweltportal.
Um der Hitze entgegenzuwirken, müsste sich auch die Bauplanung verändern, sagt Alexander Fekete. Köln sei wie viele Großstädte in den 1960er und 1970er Jahren autogerecht geplant worden und entsprechend stark versiegelt. Auch ungenutzte Flachdächer würden Hitze zurückstrahlen. Das führe dazu, dass die Stadt sich auch nachts nicht abkühlen könne. Die Wärme werde im Beton gespeichert und kühle sich abends nicht so ab wie auf dem Land.
Selbst der Rhein trage zum Problem bei. Die Wasserflächen erhöhen die Luftfeuchtigkeit. Die Folge: tropische Nächte. Auch bei historischen Pegeltiefständen. Auf den Rhein selbst habe der Mensch natürlich kaum Einfluss. Wichtiger sei es, so Fekete, in der Stadt auch baulich für mehr Durchlüftung zu sorgen. Frischluftschneisen müssten erhalten bleiben.
Der Wald verfärbt sich, als wäre es schon Herbst
Auch abseits des Flusses ist die Trockenheit sichtbar. Udo Nehren, Professor für Ökosystemmanagement mit Schwerpunkt Klimaanpassung und Naturgefahren, beobachtet in den Wäldern rund um Köln einen frühen Blattabwurf: „Mittlerweile sieht man den Trockenstress bei fast allen Laubbäumen: angefangen bei der Birke über die Buche bis zur Eiche. Die haben frühzeitig einen Blattabwurf, gerade an sonnenexponierten Lagen.“ Besonders betroffen seien junge Anpflanzungen, deren Wurzeln noch nicht tief genug reichten.
Er rechne damit, dass dadurch neue Anpflanzungen teilweise wieder zugrunde gehen könnten. Der Blattabwurf sei dabei zunächst ein Schutzmechanismus der Bäume, erklärt Nehren: Die Photosynthese werde eingeschränkt, um weniger Wasser zu verdunsten. Selbst alte, tief verwurzelte Buchen zeigen mittlerweile Stresssymptome.
Das habe auch konkrete Folgen für die Kölner Bevölkerung. Die Wälder rund um die Stadt wirkten als Erholungsgebiete, doch ihr Kühleffekt nehme mit zunehmender Trockenheit ab. Je länger es trocken bleibe, desto weniger natürliche Kühlung entstehe. Weil die Böden austrockneten und die Bäume immer weniger Wasser abgäben, nehme der Kühleffekt stetig mit der Hitze ab.
Auch die Waldbrandgefahr nehme extrem zu, sagt Nehren, und nicht nur in Wäldern, sondern auch in Gebieten, die austrocknen, wie Heidegebieten und Mooren. Laut dem Umweltportal NRW besteht in Köln und Umgebung eine „hohe Gefahr“ für einen Waldbrand.
Die Böden seien zudem inzwischen nicht nur lange trocken, sondern so verhärtet, „sodass sie, selbst wenn es regnet, erst einmal kaum Wasser aufnehmen.“ Träfe ein starkes Gewitter auf verhärtete, ausgetrocknete Böden, könne das Wasser nicht versickern und fließe oberflächlich rasch ab. Das habe zur Folge, dass kleine Gewässer sehr schnell anstiegen können, sagt Nehren. Er stellt jedoch ausdrücklich klar, dass ein solches Szenario nicht das große, langsam ansteigende Rheinhochwasser betreffe, sondern eher kleinere Zuflüsse.
