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„Zugang zu Kultur verbessern“Mit Piktogrammen barrierefreie Veranstaltungen in Köln finden

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10.09.2026 Köln. Pressekonferenz zur Kennzeichnung von Barrierefreiheit bei Veranstaltungen durch die Event-Plattform Rausgegangen (ein Unternehmen der Kölner Stadt-Anzeiger Medien) und der Stadt Köln. Foto: Alexander Schwaiger

Zsolt Káldi, Referent für kulturelle Teilhabe, Kulturdezernent Stefan Charles und Rausgegangen-Gründer Tim Betzin mit Mirjam Tomše, Behindertenbeauftragte der Stadt, Dominik Dahm, Head of Product, und Kulturamtsleiterin Juana von Stein. 

Die Stadt und das Start-up Rausgegangen kooperieren für mehr Transparenz in Sachen Barrierefreiheit – Piktogramme sollen bundesweit und in Österreich verwendet werden.

Das Problem ist Mirjam Tomše nicht neu. „Das Ticket ist gekauft, ich komme an der Location an, und dann ist da eine Treppe, die ich nicht schaffen kann“, sagt Tomše, Behindertenbeauftragte der Stadt Köln. Hätte sie die Information, dass die Veranstaltung nicht barrierefrei ist, vorher gehabt, hätte sie das Ticket gar nicht erst gekauft. Menschen mit Behinderung müssen aktuell in der Regel anrufen, googeln oder mailen, um an belastbare Informationen zu kommen. Zukünftig soll das einfacher sein: Im Veranstaltungsportal Rausgegangen sollen User direkt sehen können, ob ein Ort oder eine Veranstaltung barrierefrei, barrierearm – oder eben nichts davon ist. Möglich macht das eine Kooperation von Stadt Köln und Rausgegangen, die Donnerstagabend vorgestellt wurde.

„Wir haben immer wieder Nachrichten von Usern bekommen, die uns gefragt haben, wie es um die Barrierefreiheit von Locations oder Veranstaltungen steht“, sagt Tim Betzin, Gründer von Rausgegangen. Vonseiten der Veranstalter wiederum habe man gehört, dass sie oftmals gar nicht wüssten, wie sie effektiv kommunizieren sollen, dass sie barrierearm oder sogar barrierefrei sind. Seit Ende August sind auf der Webseite und in der App in Deutschland und Österreich einheitliche Piktogramme zur Barrierefreiheit von Locations und Veranstaltungen integriert – entwickelt vom Kölner Kulturamt.

Die Ansicht in der Rausgegangen-App

Ausgangspunkt für die Piktogramme war eine Befragung von knapp 600 Kölner Kulturakteurinnen und -akteuren im Jahr 2024, initiiert vom Referat für kulturelle Teilhabe im Kulturamt. Mehr als 80 Prozent der Befragten bestätigten damals: Barrierefreiheitsangebote seien zwar vorhanden, aber nicht ausreichend sichtbar. „Das war eine klare Handlungsempfehlung für uns“, sagte Juana von Stein, Leiterin des Amts. Gemeinsam mit Betroffenen wurde daraufhin ein offener Piktogramm-Standard entwickelt. „Es wurde immer wieder getestet, überprüft, verbessert, aber auch verworfen“, so von Stein. Die Piktogramme mussten möglichst viele Bedürfnisse abdecken, für jeden verständlich – und auch noch schön sein. „Man muss sie ja auf seiner Webseite, auf seinem Flyer oder eben in seiner App zeigen wollen.“

Sechs Monate bis Umsetzung

Von der Konzeptphase im März dieses Jahres bis zur Einführung im August hat die Entwicklung rund sechs Monate gedauert. Ab März wurden Konzept und Design erarbeitet, im Mai folgte die technische Umsetzung. Ende Juni wurden die Änderungen der Webseite eingearbeitet, Ende August die in der App. Ein normales Tempo für ein Start-up, eine eher ungewöhnliche Geschwindigkeit für die Verwaltung, wie von Stein zugibt.

Technisch funktioniert das System so: Veranstalterinnen und Veranstalter tragen beim Anlegen eines Orts oder eines Events an, welche Piktogramme zutreffen – etwa Rollstuhlzugänglichkeit, eine barrierefreie Toilette oder auch Hinweise zu Triggerwarnungen. Angaben zu einer Location werden dann automatisch an alle dort in der Zukunft stattfindenden Veranstaltungen vererbt. Jedes Piktogramm ist mit einer Erklärung hinterlegt, damit etwa klar wird, dass eine als „barrierefrei“ gekennzeichnete Toilette nicht automatisch für jeden Elektrorollstuhl geeignet ist. Nutzer können auch nach ihrem Bedarf filtern und sich nur Angebote anzeigen lassen, die zu ihren Voraussetzungen passen. 

Geht es nach den Beteiligten, soll das Piktogramm-Set auf der Veranstaltungsseite ein Exportschlager aus Köln werden und dazu beitragen, dass die Transparenz in Sachen Barrierefreiheit in Deutschland und Österreich, wo Rausgegangen aktiv ist, zunimmt. Bundesweit, so Betzin, haben bis Donnerstag bereits 326 Locations Merkmale hinterlegt, verteilt auf rund 10.000 Termine. Tendenz steigend.

„Zugang zur Kultur spürbar verbessern“

Die stärkste Nutzung verzeichnet weiterhin Köln, gefolgt von Berlin, München und Leipzig. Kulturdezernent Stefan Charles hat, berichtet er bei der Vorstellung des Projekts, schon Freunden in London, New York und Paris davon erzählt: „Die sind alle begeistert.“ Juana von Stein sagte: „Was in Köln entstanden ist, wird damit den Zugang zur Kultur spürbar verbessern – und für sehr viele Menschen in ganz Deutschland einen echten Unterschied machen.“

Dass die neue Zusammenarbeit nicht automatisch bauliche oder strukturelle Barrieren beseitigt, ist allen Beteiligten klar – sie schafft jedoch eine verlässlichere Informationsgrundlage für Menschen, die Kulturveranstaltungen besuchen möchten. Robin Heß von Rausgegangen formuliert die Motivation so: „Mit dem neuen Feature schaffen wir mehr Klarheit. Es ist ein erster Schritt – und wir wollen weiter daran arbeiten, dass mehr Menschen Kultur erleben können.“