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Zwei Jahre Vollsperrung vom TischBahn plant Schlupfloch zwischen Bonn und Köln

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07.07.2021, Köln: Infrastrukturprojekt Westspange der Deutschen Bahn. Ausbau der Strecke zwischen Hansaring und Hürth-Kalscheueren.

Bahnhof Haltestelle Köln Süd


Foto: Csaba Peter Rakoczy

Ab Februar 2028 ist der Bahnhof Köln-Süd für zwei Jahre wegen des Austauschs der Kölner Innenstadtbrücken mit dem Zug nicht erreichbar. Foto: Csaba Peter Rakoczy

Die Vollsperrung der linksrheinischen Bahnstrecke zwischen Köln und Bonn für zwei Jahre ab Februar 2028 ist vom Tisch. 

Das ist mal eine recht erfreuliche Nachricht für Pendler zwischen Köln und Bonn, die seit Jahren unter den vielen Baustellen auf der Schiene und der Straße leiden und durch die Sperrung der Bonner Nordbrücke Anfang Juni noch mehr unter Druck geraten sind.

Die geplante zweijährige Sperrung der linksrheinischen Bahnstrecke zwischen Köln und Bonn ab Februar 2028 ist zwar nicht vom Tisch, soll aber deutlich abgemildert werden. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Was ist geplant?

Der Kölner Süden soll auf der Schiene jetzt doch auf direktem Wege erreichbar bleiben. Mit einem Behelfsbahnhof in der Nähe des Justizzentrums.

Aber worum geht es überhaupt? Warum muss zwei Jahre am Stück zwischen Köln und Bonn gebaut werden?

Von Februar bis Juli 2028, so der Plan der Infrastrukturgesellschaft der Bahn (DB InfraGo), soll zunächst die Generalsanierung des Abschnitts Köln-Remagen erfolgen.

Anschließend müssen auf Kölner Stadtgebiet bis Ende 2029 die vier Bahnbrücken an der Vogelsanger, Venloer, Zülpicher und Luxemburger Straße ausgetauscht werden.

Warum ist das nötig?

Sie stammen alle aus den Jahren 1885 und 1886 und sollen durch moderne Bauwerke ersetzt werden, damit ab 2035 der Ausbau des S-Bahn-Westrings in Angriff genommen werden kann. Der Brückentausch wird rund 17 Monate dauern.

24.01.2025 Köln. Der Bahnübergang auf der Luxemburger Straße. Foto: Alexander Schwaiger

Ihre Tage sind gezählt: Die Eisenbahnbrücke auf der Luxemburger Straße wird ab Mitte 2028 durch einen Neubau ersetzt.

Zwei Jahre keine Direktverbindung zwischen dem Kölner Süden und Bonn? Aus Sicht der Bahnnutzer ist das unzumutbar.

Das stimmt. Die DB InfraGo und der Verkehrsverband go.Rheinland haben sich nach erheblichen Protesten mehrerer Bundes- und Landtagsabgeordneter und des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) jetzt darauf verständigt, den regionalen Zugverkehr zwischen Bonn und Köln-Süd aufrechtzuerhalten.

Wie soll das gehen?

Weil der Bahnhof Süd wegen der Baustelleneinrichtung und der Brückenarbeiten an der Luxemburger Straße nicht genutzt werden kann, soll es nach langen Diskussionen jetzt einen provisorischen Haltepunkt mit einem Bahnsteig und zwei Gleisen zwischen der Weißhausstraße und der Pohligstraße geben.

Dort sollen nach Informationen unserer Zeitung Regionalzüge von und nach Bonn und in die Eifel fahren. Pendler könnten dort auf die Bahnen der Kölner Verkehrs-Betriebe umsteigen.

Was sagen die Verantwortlichen?

„Es ist richtig, dass wir gemeinsam mit der DB einen Ersatzhalt ermöglichen wollen“, sagte ein Sprecher von go.Rheinland. „Die Prüfungen laufen, es gibt noch einige Details zu klären.“ Konkrete Ergebnisse sollen laut go.Rheinland im Herbst vorgestellt werden.

Dann haben die Proteste ja doch etwas gebracht. Oder?

Ja. Für den VCD ist das ein Erfolg. Seit mehr als einem Jahr haben sich die Kölner Ortsgruppe des Verkehrsclubs und der CDU-Landtagsabgeordnete Oliver Krauß als verkehrspolitischer Sprecher seiner Fraktion darum bemüht, nach Alternativen zu suchen. Die halbseitige Lähmung des Kölner Hauptbahnhofs, der aus Richtung Bonn und Eifel ohne einen Behelfsbahnsteig im Kölner Süden gar nicht mehr erreichbar wäre, halten sie für inakzeptabel.

„Den Menschen wird man auf Dauer die vielen Baustellen auf der Schiene nur zumuten können, wenn es angemessene Ersatzkonzepte gibt“, sagt Krauß. „Der Schienenersatzverkehr ist das nicht. Das können wir in Köln dank der professionellen Arbeit des VCD erreichen. Ein paar Hürden gilt es noch zu überwinden.“

Welche sind das?

„Der Behelfsbahnsteig muss für die Züge von und nach Bonn zumindest auf einem Gleis elektrifiziert werden“, so Krauß. Für die dieselbetriebenen Züge aus der Eifel sei das nicht unbedingt erforderlich, für Bonn jedoch eine unabdingbare Voraussetzung. „Sonst müssten die Bonner in Hürth-Kalscheuren auf die Eifelzüge umsteigen. Das ist dort nur mit langen Wegen möglich.“

Wie sieht das alte Umleitungskonzept denn aus?

Für Zehntausende Pendler hätte das bisherige Umleitungskonzept der Deutschen Bahn und des Verkehrsverbands go.Rheinland bedeutet, dass die Regionalzüge ab Hürth-Kalscheuren über die Güterzugstrecke umgeleitet werden, die über Köln-Eifeltor und die Südbrücke über den Rhein nach Köln-Kalk führt. Dort müssten sie die Fahrtrichtung wechseln, um zum Hauptbahnhof fahren zu können. Dadurch verlängert sich die Fahrzeit um 25 Minuten.

Das klingt doch plausibel, oder?

Blanker Unsinn, kritisierte der VCD im Juli 2025. Weil auch ein Großteil des Fernverkehrs zwischen Köln und dem Rhein-Main-Gebiet für zwei Jahre mit Ausnahme der ICE-Verbindungen über die rechte Rheinseite umgeleitet werden müsse, um noch in den Kölner Hauptbahnhof zu gelangen, werde es auf der Zufahrt zwischen Kalk und Messe/Deutz kaum Platz für weitere Regionalzüge geben.

Die Pendler aus Bonn und der Eifel hätten könnten doch vor der Südbrücke aussteigen?

Ja. Vor der Südbrücke ist bisher am Bonner Wall für die Linien RE 22 und RB 26 ein provisorischer Haltepunkt geplant, um dort auf die KVB-Linie 17 umsteigen zu können. Auf diesem südlichen Abschnitt der Nord-Süd-Stadtbahn lässt sich die Innenstadt aber nicht erreichen, weil sie wegen des Stadtarchiv-Einsturzes auch 2028 noch an der Severinstraße enden wird.

Was ist eigentlich mit dem gesamten Zeitplan? Können nach der Sperrung der Bonner Nordbrücke, die ab 2028 neu gebaut werden soll, und den Brückenproblemen auf der A4 am Kölner Eifeltor solche Großprojekte auf der Schiene überhaupt parallel laufen?

Aus Sicht der Bahn durchaus. Man habe die Sperrpausen für 2028 und 2029 mit einem langen Vorlauf von vier Jahren geplant und könne nicht mehr davon abrücken, sagte ein Sprecher. Sie seien in allen internationalen Fahrplänen hinterlegt. Das Paket lasse sich nicht mehr aufschnüren. Auch das Vorziehen des Neubaus der A4-Brücke am Eifeltor sei nur schwer vorstellbar. Das ist bisher für das erste Halbjahr 2028 geplant, wenn auf der Schiene generalsaniert wird.