Abo

40 Jahre TKKGIm Zweifel erst mal zuschlagen

4 min
TKKG

Seit 40 Jahren gibt es die Hörspielreihe nun schon.

Köln – Es gibt Fälle, da muss man Farbe bekennen: Beatles oder Rolling Stones, Die Ärzte oder Die Toten Hosen, Star Wars oder Star Trek? Wer in den 80er und 90er Jahren jung war, musste noch eine andere gewichtige Entscheidung treffen: „Die drei ???“ oder „TKKG“? Einmal drei, einmal vier jugendliche Detektive, für die Schule eine ewige Nebenbeschäftigung war, lösten in den Europa-Hörspielen knifflige Kriminalfälle.

Vieles, was Kinder und Jugendliche vor der Jahrtausendwende unterhielt, ist längst verschwunden. Niemand spricht mehr von Tamagotchis oder Trollen, aber diese beiden Hörspielreihen haben sich bis heute gehalten.

Vor genau 40 Jahren, am 31. März 1981, erschien die erste Folge des deutschen Detektiv-Quartetts. Und weil die jugendlichen Hobby-Ermittler keine kleinen Brötchen backen, machten sie sich direkt mal auf „Die Jagd nach den Millionendieben“. Die Titel blieben in der Folge ähnlich blumig. Ob „Das leere Grab im Moor“, „Das Phantom auf dem Feuerstuhl“, „Nachts, wenn der Feuerteufel kommt“ oder „Hexenjagd im Lerchenbach“– für die TKKG-Bande wartet meist schon an der nächsten Ecke ein neues Abenteuer.

Erstaunlich erfolgreich

Die „TKKG“-Reihe ist eine erstaunliche Erfolgsgeschichte. Rund 40 Millionen Tonträger wurden bisher gekauft, das können in Deutschland nur die ewigen Rivalen der „Drei ???“ toppen. Entwickelt hat die Reihe der Schriftsteller Rolf Kalmuczak. Unter dem Pseudonym Stefan Wolf schuf er die Welt der vier Schüler Tim, Karl, Klößen und Gaby – TKKG. Mit Kalmuczaks Tod im Jahr 2007 endete die Reihe aber nicht, sie wurde auf seinen Wunsch von anderen Autoren fortgesetzt.

Der Wohnort von „TKKG“ ist eine ungenannte Millionenstadt irgendwo in Deutschland. Sie alle besuchen eine Internatsschule, aber nur Tim und Klößchen wohnen auch dort, im „Adlernest“. Gaby lebt mit ihrem Hund Oskar bei ihren Eltern, ihr Vater ist Kommissar Glockner.

Das könnte Sie auch interessieren:

Hört man heute in die erste Folgen, fühlt man sich in die 80er Jahre zurückversetzt, Computer spielen keine Rolle, telefoniert wird aus der Telefonzelle. Es ist eine versunkene Zeit.

Neben nostalgischen Gefühlen stellen sich beim Wiederhören aber vor allem Störgefühle ein. Das liegt zum einen an der stereotypen Zeichnung der Hauptfiguren. Tim – ehemals Tarzan – ist ein Supersportler und der Anführer der Bande. Karl ist schmal und schlau, Klößchen, der Name lässt es erahnen, ist dick und gemütlich.

Und Gaby ist tierlieb und sportlich – vor allem aber himmelt sie Tim an und muss immer dann nach Hause, wenn es spannend wird. Es ist ein erschreckendes Frauenbild, das die alten Folgen kennzeichnet. Sie sind stets schutzbedürftig und brauchen Männer, die ihnen zeigen, wie der Hase läuft.

Erst mal zuschlagen

Außerdem nutzte Tim gerade zu Beginn seine Kampfsportkünste, um mögliche Verbrecher erst mal zu verprügeln. Immer nach dem Motto „Erst zuschlagen, dann fragen“.

Noch schlimmer sind die rassistischen Klischees, die in der Reihe zum Ausdruck kommen. Wer einen osteuropäisch klingenenden Namen hat, ist zwielichtig, Italiener sind in der Mafia und auch die Physiognomie taugt zur Täterbestimmung: Eine Hakennase macht eben verdächtig. Obdachlose sind Penner und es geht auch schon mal gegen Rocker und „Zigeuner“, in einer frühen Folge ist von „Kümmeltürken“ die Rede.

Das ist heute anders. Und einige der schlimmsten frühen Entgleisungen hat man vom Markt genommen. „Ich muss ehrlich sagen, dass ich die alten Folgen nicht sehr häufig anhöre“, sagt Klößchen-Sprecher Manou Lubowski, der ebenso wie Tim-Sprecher Sascha Draeger seit Beginn an dabei ist, der DPA. „Die damaligen Dialoge waren naiver als jetzt. Was die politisch unkorrekten Ausdrücke angeht: Abgesehen davon, dass wir kleine Kinder waren: Es war sehr normal. Es war eine andere Zeit.“ Lubowski betont: Es sei richtig, heute Begriffe wie „Zigeunersoße“ zu ändern: „Wenn ich in alten Folgen solche Ausdrücke hören würde, würde ich mich wahrscheinlich auch ein bisschen fremdschämen, weil es so fern von der jetzigen Zeit ist.“

Rassismus und Sexismus hat man also verbannt, dafür hat die Gegenwart Einzug gehalten. Natürlich recherchieren die vier Jungdetektive heute auf dem Smartphone. Und an Karfreitag veröffentlicht Amazon Music das interaktive „TKKG“-Hörspiel „Das verfluchte Osterei“. Die Jagd auf die heute junge Generation hat begonnen.