Viel Lob für neues Newsangebot„Völlig unironisch großartig“ – Tagesschau erstmals in einfacher Sprache gesendet

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Das Logo des neuen Newsangebots „Tagesschau – in einfacher Sprache“. Aus den rund ein Dutzend Beiträgen der gewohnten News werden dafür etwa vier Themen herausgegriffen und völlig anders aufbereitet.

Das Logo des neuen Newsangebots „Tagesschau – in einfacher Sprache“. Aus den rund ein Dutzend Beiträgen der gewohnten News werden dafür etwa vier Themen herausgegriffen und völlig anders aufbereitet.

Die „Tagesschau“ gibt es ab sofort auch in einfacher Sprache. Das neue Newsangebot sorgt für viel Lob in den sozialen Netzwerken.

Deutschlands beliebteste Nachrichtensendung „Tagesschau“ gibt es ab sofort auch in einer abgewandelten Fassung in einfacher Sprache. Am Mittwochabend wurde die erste Sendung ausgestrahlt. „Es ist bundesweit das erste tagesaktuelle Fernsehnachrichtenangebot dieser Art“, teilte der Norddeutsche Rundfunk zuvor mit. „Von montags bis freitags gibt es je eine Ausgabe, die die wichtigsten Themen des Tages zusammenfasst. Sie wird um 19 Uhr auf tagesschau24 ausgestrahlt und ist auch auf tagesschau.de zu finden.“

Aus den rund ein Dutzend Beiträgen der gewohnten News werden dafür etwa vier Themen herausgegriffen und völlig anders aufbereitet: Keine Fremdworte, kaum Nebensätze, wenige Silben, kurze Aussagen. Die Moderatorinnen und Moderatoren sprechen in der täglichen Spezialausgabe zudem langsamer.

Erste Ausgabe der „Tagesschau“ in einfacher Sprache bekommt viel Lob

Die erste Ausgabe der „Tagesschau“ in einfacher Sprache sorgte am Mittwochabend für viel Begeisterung und Lob für die ARD. „Ich find’s, völlig unironisch, großartig“, schrieb der Politikwissenschaftler Carlo Masala zu einem Ausschnitt, in dem die erste Meldung in einfacher Sprache zu sehen war: Ein Bericht über die Wehrdienst-Pläne von Verteidigungsminister Boris Pistorius. Mehr als 4.700 Menschen stimmten dem Beitrag bis zum Montagmorgen zu.

Auch der Geschäftsführer des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtverbands, Ulrich Schneider, lobte die Sendung. „Ausgezeichnet! So geht Inklusion“, schrieb er bei X. „Gratulation der ARD und der Tagesschau.“ In dem sozialen Netzwerk trendeten die Begriffe „Tagesschau“ und „Sprache“. Neben viel Lob gab es auch hämische Kommentare zu dem bewusst einfachen Sprachniveau der Moderationstexte.  

„17 Millionen Erwachsene, die weder richtig lesen noch schreiben können“

„Dieses Zusatzangebot der ‚Tagesschau‘ richtet sich an Menschen mit Lese-, Lern- und/oder Hörschwierigkeiten, an Menschen mit geringen Deutschkenntnissen oder an Menschen, die sich zum Beispiel nach einem anstrengenden Arbeitstag kurz und einfach informieren wollen“, erläuterte der NDR. Begleitet wird das Projekt durch die Universität Hildesheim.

„Wir haben festgestellt, dass wir in Deutschland etwa 17 Millionen Erwachsene haben, die weder richtig lesen noch schreiben können“, sagte der Erste Chefredakteur von ARD-aktuell, Marcus Bornheim, der dpa. Allen Menschen ein seriöses Nachrichtenangebot zu machen, sei der öffentlich-rechtliche Auftrag.

„Tagesschau“ in einfacher Sprache richtet sich an vielfältige Zielgruppe

Die Zielgruppe sei sehr vielfältig, so Bornheim: „Menschen, die kognitive Probleme haben, komplizierte Inhalte und Texte zu verstehen. Dann haben wir natürlich viele Menschen, die aufgrund von Krankheiten – Schlaganfällen zum Beispiel – Probleme haben, Nachrichten wirklich zu verstehen und sie nachzuvollziehen. Immer größer wird auch der Anteil derjenigen in Deutschland, die Deutsch nicht als Muttersprache gelernt haben, also eine Migrationsgeschichte mitbringen. Und für alle diese Gruppen wollen wir eine ‚Tagesschau‘ in einfacher Sprache anbieten.“

Projektleiterin Sonja Wielow erläuterte im dpa-Interview: „Wir stellen eine Meldung aus der klassischen ‚Tagesschau‘ einmal auf den Kopf. Wir setzen viel weniger Wissen voraus. Das heißt, wir können nicht mit dem üblichen Schlagsatz der Neuigkeit einsteigen, sondern wir fangen erstmal mit dem Allgemeinen an und tasten uns dann zur eigentlichen Neuigkeit vor – das ist ein ganz gravierender Unterschied. Dabei gilt natürlich: Bei aller Vereinfachung müssen wir immer inhaltlich korrekt bleiben.“ FDP-Politiker Christian Lindner ist zum Beispiel kein Finanzminister, sondern ein „Minister für Geld“. (das/dpa)

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