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Ausstellung im K 21 in DüsseldorfBildhauerei am eigenen Körper

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Mierle Laderman Ukeles schüttelte 8500 New Yorker Müllmännern die Hand: Szene aus der „Touch Sanitation Performance“.

  1. Ihr Projekt „Touch Sanitation” führte Mierle Laderman Ukele dazu, 8500 New Yorker Müllmännern die Hand zu drücken.
  2. Deutsche Galerien taten sich damals noch schwer, die Konzeptkünstlerinnen als Talente wahrzunehmen.
  3. Eleanor Antin dokumentiert mit ihrer vielteiligen Fotoinstallation „Carving: A Traditional Sculpture” ihre einmonatige Diätaktion.

Düsseldorf – Am 3. April 1969 entwarf die US-amerikanische Malerin und Konzeptkünstlerin Lee Lozano (1930–1999) in ihrem Private Book 1 (einem kleinen Notizbuch, das sie in ihrem Leben und Arbeiten begleitete) die Idee eines „Konrad Fischer show piece“. Sie schlug vor, ihren Ateliertisch in der Galerie auszustellen, „with dust“, mitsamt Staub. Auf radikale Weise würde das Werk so die Trennung von Arbeit, Leben und Kunst aufheben. Lozanos Idee wurde nicht aufgegriffen, ihr Vorschlag landete in der Schublade – so wie diverse andere künstlerische Anbahnungsversuche auch.

Konrad Fischer (1939–1996) hat in seiner Düsseldorfer Galerie seit 1967 nicht nur avantgardistische Kunst ausgestellt, sondern gemeinsam mit seiner Frau Dorothee (1937–2015) in über 40 Jahren auch eine beeindruckende Sammlung zusammengetragen. Die in den 1960er Jahren in den USA aufkommende Konzeptkunst war dabei, neben der Minimal Art, einer der Schwerpunkte.

Der Nachlass, den die Kunstsammlung NRW kürzlich erwerben konnte, spiegelt – mit originalen Werken ebenso wie mit Fotografien und Dokumenten – die professionelle Leidenschaft des Sammlerpaars und gewährt einen Einblick in ein bedeutendes Kapitel der international verzweigten rheinischen Kunst- und Ausstellungsgeschichte. Er macht aber auch einige Leerstellen sichtbar. Kaspar König, Sol LeWitt, Lucy R. Lippard und andere Netzwerker gehörten schon damals zum inneren Zirkel; auch dies kann jetzt im digitalisierten Archiv im K 21 eingesehen und erforscht werden.

Als die Szene noch überschaubar war

Eleanor Antin (geboren 1935), Adrian Piper (1948) und Mierle Laderman Ukeles (1939) sind die drei anderen Konzeptkünstlerinnen im Fischer-Archiv, die jetzt zusammen mit Lee Lozano in der Ausstellung „I’m Not a Nice Girl !“ in der Bel Etage des K 21 ausgestellt sind. Die Dokumente des Archivs, Skizzen, Fotografien, Briefe und andere Texte werden in der von Isabelle Malz und der Künstlerin Katrin Meier klug kuratierten Schau durch – geliehene – Objekte anschaulich. Und erinnern an eine Zeit, als die Kunstszene noch überschaubar war und daran arbeitete, neue Konzepte für die Kunst fernab jeglicher emotionalen Expressivität zu entwickeln.

Obwohl die Künstlerinnen in den 1960er und 70er Jahren besonders in New York durchaus vernetzt waren, Ausstellungen hatten und in Künstlerzirkeln zu Hause waren, taten sich die meisten Galerien in Deutschland noch schwer damit, auch die jungen Konzept-Künstlerinnen als Talente wahrzunehmen und in ihr Programm aufzunehmen.

Die Performance- und Konzeptkünstlerin Eleanor Antin ist in Düsseldorf nun unter anderem mit ihrer vielteiligen Fotoinstallation „Carving: A Traditional Sculpture“ von 1972 anwesend, die ihr Abnehmen während einer Diät dokumentiert, von vorne, von hinten, von der Seite. Einen Monat lang führt sie täglich das bildhauerische Wegnehmen (Carving) am eigenen nackten Körper vor – eine „performative Rückeroberung“ des Konzepts Skulptur.

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Zwischen 1979 und 1980, als Artist-in-Residence der Sanitärbetriebe von New York City, entwickelte die ebenfalls an einer feministischen und institutionskritischen Perspektive interessierte Mierle Laderman Ukeles ihr Projekt „Touch Sanitation“. In dem performativen Werk folgte sie den Angestellten bei ihrer Arbeit, um ihnen allen persönlich zu danken und mittels Kunst die alltäglichen Reinigungsarbeiten in die Wahrnehmung zu rücken. Die ganze Stadt sollte zum Ort der Performance werden: „Danke dafür, dass ihr New York City am Leben erhaltet.“

Die sichtbare Wertschätzung der in den Pflegeberufen Beschäftigten war schon in Ukeles Manifest 1969 das zentrale Thema: „Maintenance Art – Proposal for an Exhibition“ ist eine Arbeit, die vor allem ihr aktivistisches Engagement zeigt.

Lee Lozano schied völlig aus der Kunstwelt aus

Ebenfalls im Jahr 1969, das lag aber sicher nicht allein an Konrad Fischers Ignoranz, verabschiedet die Künstlerin Lee Lozano sich mit einem Manifest, dem „General Strike Piece“, Schritt für Schritt konsequent von der Kunst und der Kunstwelt. Sie geht nicht mehr zu Vernissagen, meidet alle Kontakte zu Kolleginnen und Kollegen und steigt 1972 mit dem „Drop Out Piece“ gänzlich aus der Kunstwelt aus. Sie schließt ihr Studio und wird 30 Jahre lang bis zu ihrem Tod keine Kunst mehr produzieren. Es ist ein minuziös geplanter Prozess mit Skript und Selbstinstruktionen, Regeln und taktischen Interaktionen.

Glücklicherweise aber ist Lee Lozano, so wie die drei Kolleginnen auch, als Künstlerin inzwischen wieder bekannter, ihre Radikalposition würde sonst gewiss fehlen in der Geschichte und Anthologie der Konzeptkunst.

K 21 ( Ständehausstraße 1, Düsseldorf): „I’M NOT A NICE GIRL!

Eleanor Antin, Lee Lozano, Adrian Piper, Mierle Laderman Ukeles“

Öffnungszeiten: bis 17. Mai Di–Fr 10–18, Sa, So , feiertags 11–18 Uhr

www.kunstsammlung.de