In Bonn ist eine Schau zum verpoppten Beethoven zu sehen.
„Beethoven by Warhol“Die Zitrone Warhol kräftig ausgepresst

Siebdrucke von Andy Warhol sind in der Sonderausstellung „Beethoven by Warhol“ im Bonner Beethovenhaus ausgestellt.
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Andy Warhol hatte bereits als Kind eine Neigung zu Superstars und wurde später selbst berühmt, indem er sich in deren Ruhm sonnte. Auf seine Siebdrucke kam nur, was sich millionenfach verkaufte, sei es Jesus, Elvis oder eine Tomatensuppe. An diesem Erfolgsprinzip hielt er auch in seinen späten Jahren fest, als er, ein Handelsreisender der eigenen Legende, Prominenten-Porträts gegen Honorar anfertigte. So stieg, kurz vor Warhols Tod, auch Ludwig van Beethoven in den Pop-Himmel auf – nur dass der Komponist dies nicht aus eigener Tasche zahlen musste.
Jetzt erzählt das Bonner Beethovenhaus die Geschichte dieses informellen Gipfeltreffens: Zur 2000-Jahr-Feier der Stadt Bonn bestellte die Stadt bei Warhol eine Porträtserie ihres berühmtesten Sohns und bekam dafür 1987 eines der besseren Werke aus dem damals unter akutem Ausverkaufsverdacht stehenden Spätwerk des Pop-Künstlers. Dabei tat Warhol nichts weiter, als Noten der berühmtesten Beethoven-Komposition (der „Mondschein“-Sonate) über das berühmteste, von Joseph Karl Stieler stammende Beethoven-Porträt zu legen – und beides im eigenen, zum Markenzeichen gewordenen Stil zu verfremden.
Aus diesem Handel zum beiderseitigen Vorteil versucht das Beethovenhaus etwas bemüht, eine kunsthistorische Sensation zu machen – der Anlass ist dieses Mal die 200-Jahr-Feier zu Beethovens Todestag im kommenden Jahr. Vielleicht war das Beethoven-Portfolio tatsächlich der letzte Zyklus vor Warhols durch eine allzu lange aufgeschobene Operation verursachtem Tod. Aber das macht diese schöne Gelegenheitsarbeit weder zu einem Vermächtnis noch zu einer den Zufall überhöhenden Besonderheit.
Immerhin haben die Kuratoren die Warhol-Zitrone kräftig ausgepresst. Sie zeigen die hauseigene Auflage der Beethoven-Serie gemeinsam mit einigen Probedrucken und ergänzen sie um Zeichnungen, die Warhol auf Motivsuche vom Beethoven-Denkmal in der Bonner Innenstadt anfertigte. Überhaupt profitiert die kleine Schau davon, dass Warhol die damalige Bundeshauptstadt auf Vermittlung des Bonner Galeristen Hermann Wünsche häufiger besuchte. Selbst dem Warhol-Kenner bieten die Erinnerungsfotos noch Neues. So sieht man den Perückenkünstler auf einem Esel zum Drachenfelsen reiten, mit einem von ihm porträtierten Ferkel im Arm (eine Ausnahme von der Berühmtheitsregel) oder wie er für eine Unicef-Auktion vorbereitende Polaroids vom damaligen Kanzler Willy Brandt macht. Hermann Wünsche war es wohl auch, der Warhol zur Serie „Deutsche Monumente“ überredete und so den Kölner Dom in die Popgeschichte eingehen ließ. Ansonsten ist über den 1993 verstorbenen Galeristen erstaunlich wenig bekannt.
Ein eigener Raum ist den von Warhol gestalteten LP-Covern gewidmet, die von den Kuratoren als Vorläufer der Beethoven-Serie deklariert werden. Interessant sind hier vor allem die frühen Arbeiten, die Warhol, gelernter Grafiker, vor seiner zweiten Karriere als Künstler anfertigte, und darunter wiederum vor allem das Cover von Paul Desmonds Album „Take Ten“, das 1963 erschien und im Beethovenhaus als heißer Kandidat für Warhols ersten Siebdruck gehandelt wird. Daran könnte etwas sein. Und doch: Dass Warhol als Erstes Dollarscheine zu seinem Markenzeichen veredelte, passt einfach besser zur Legende.
„Beethoven by Warhol“, Beethovenhaus, Bonn, bis 5. April 2027