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Beethoven-Klavierkonzerte in Kölns PhilharmonieOvationen für Stefan Vladar

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Stefan Vladar     

Köln – Zu Zeiten Mozarts und Beethovens war es durchaus noch üblich, Klavierkonzerte vom Flügel aus zu leiten. Im 19. Jahrhundert wurde die Personalunion von Solist und Dirigent aus guten Gründen aufgelöst. Trotzdem verzichten manche Pianisten noch heute gern auf kapellmeisterliche Unterstützung, auch wenn sie meist selbst keine Dirigenten von Stand sind.

Das ist bei Stefan Vladar ganz anders. Der Wiener Pianist zählte in den 80er Jahren zu den großen Hoffnungen der internationalen Klavierszene, eroberte sich dann auch das Dirigentenfach und wirkt derzeit als GMD in Lübeck. Beim Kontrapunkt-Konzert in der Philharmonie spielte und dirigierte er Beethovens Klavierkonzerte Nr. 3 und 5 mit beeindruckender Souveränität. Sobald er eine Hand von den Tasten löste, war sie ordnend und formend beim Orchester, dessen Part nicht etwa pauschal nebenher lief, sondern klangrednerisch differenziert ausgearbeitet war. Trotzdem musste auch Vladar der Doppelfunktion seinen Tribut zollen: Letzte pianistische Flexibilität ist nun einmal nicht zu erwirken, wenn man zugleich die Truppe präzise in der Spur halten möchte.

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Ein im Detail nicht ganz ausgefeiltes Spiel, großzügige Pedalisierung und die akustisch ungünstige Flügelposition sorgten dafür, dass über dem c-Moll-Konzert ein leichter Schleier der Undeutlichkeit lag. Das Es-Dur-Konzert dagegen rollte mit schönster Klarheit ab: flächig und durchsichtig, pianistisch glanzvoll und taghell im Ausdruck.

Dazwischen gönnte sich Vladar keineswegs eine Auszeit, sondern trat mit Schuberts „Unvollendeter“ ans Pult. Die geraffte, ganz auf inneren Zusammenhalt angelegte Darstellung hatte zweifellos hohe Qualitäten, zeigte aber eine gewisse Tendenz zur Überkontrolle: Man muss nicht jeden langen Halteton durchdirigieren – zumal bei einem so versierten Klangkörper wie dem niederländischen Residentie Orkest. Das Den Haager Stadtorchester ließ im Rahmen einer traditionellen Lesart durchaus historisches Stilbewusstsein erkennen; im Tutti waren Schärfe und Fülle gut ausbalanciert, auch wenn die sehr präsenten Bläser die schlank besetzte Streichergruppe zuweilen in den Hintergrund drängten.

Das Publikum bereitete am Ende allen Beteiligten Ovationen – vor allem dem reich beschäftigten Maestro, der sich nach zweistündigem Dauerstress mit Liszts „Consolations“ Nr. 3 eine sanfte Schlussrunde gönnte.