Köln – „Junger Mann sucht neuen Namen“, annoncierte anno 1965 die „Bravo“. Der junge Mann war immerhin schon 27, ein Alter, in dem wenige Jahre darauf manche Rockstars bereits das Zeitliche segnen würden. Nicht jedoch Carl-Dieter Heckscher, der war vergleichsweise solide und startete gerade als Moderator bei Radio Luxemburg. Der Sender sprach die gleiche jugendliche Zielgruppe an wie die „Bravo“ und seine Discjockeys meldeten sich kumpelig mit Vornamen.
Das gerade war Heckschers Problem: Einen Dieter gab es hier schon, einen Charlie ebenfalls. Sollten doch die „Bravo“-Leser entscheiden, wie sie ihn künftig rufen wollten. Ralf, Ted, Kai und Michael lauteten einige Vorschläge, Thomas machte das Rennen. Und so wurde aus Carl-Dieter Heckscher Dieter Thomas Heck.
Ein Jungbrunnen
Wer den „Hitparade“-Moderator jetzt vorm geistigen Auge hat, verrät sein fortgeschrittenes Alter. Mit Jugendkultur hätte man ihn aber eh nie in Verbindung gebracht. Was irgendwie alles über die erstaunliche Langlebigkeit und Jungbrunnenhaftigkeit der „Bravo“ erzählt.
Deutschlands buntestes und einflussreichstes Jugendmagazin ist nämlich gerade 65 Jahre alt geworden, hat mit anderen Worten das Rentenalter erreicht. Es ist schon sagenhaft, wie vielen Generationen die „Bravo“ die Pubertät illustrierte, von Maria Schell und James Dean – den ersten Gewinnern des „Bravo Otto“ – bis zu den genderfluiden Zwillingen von Tokio Hotel.
Wer war 1991 Starschnitt?
Und weit darüber hinaus, denn die „Bravo“ gibt es immer immer noch, nur Dieter Thomas Heck hat vor drei Jahren final abmoderiert. Freilich erinnert die Auflagenkurve des Magazins an eine Skisprungschanze: Knapp 1,6 Millionen „Bravo“-Exemplare lagen im Nachwendejahr 1991 wöchentlich an den Kiosken. Starschnitt war damals Chesney Hawkes, an den erinnern sich heute wohl noch sehr viel weniger Leute als an Dieter Thomas Heck.
Im Jahr 2021 erscheint das gedruckte Heft nur noch einmal im Monat und verkauft 82 000 Exemplare. Die digitale Revolution hat die „Bravo“ gewissermaßen eingekesselt.
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Nicht nur, dass die Jugend keine Printprodukte mehr liest und die Musikindustrie, mit der die „Bravo“ lange Jahre nahezu inzestuös verbunden war, nur noch ein Magerschatten ihrer fetten Jahre ist – die exklusive Vermittlerposition, die das Magazin einst innehatte, ist mit dem Siegeszug der sozialen Medien endgültig zerbröselt: Stars pflegen sich auf Instagram selbst als Produkt, ihre Fans melden sich via TikTok zurück.
Und die Aufklärungsarbeit haben längst Youporn und Co. vom Dr. Sommer-Team und seiner beliebten „Liebe, Sex und Zärtlichkeit“-Doppelseite übernommen. Fairerweise muss man sagen, dass die Anzahl der Follower auf den entsprechenden „Bravo“-Kanälen ihre Printauflage inzwischen um ein Vielfaches übersteigt. Die „Bravo“ ist ja immer mit der Zeit gegangen, ihre Jugend schien so ewig wie das Spiel der Hormone.
Doch was tun, wenn die Zeit nicht mehr mit der „Bravo“ gehen will? Zum 1. Januar wurde die legendäre Münchner Redaktion geschlossen, vor der Fans mit dem Autogrammstift lauerten und in der Take That zur Weihnachtsfeier auftrat, „Bravo“ und „Bravo Girl“ lässt der Bauer Verlag seitdem vom externen Redaktionsbüro Wipperfürth an der Kölner Schanzenstraße produzieren. Übrig geblieben ist allein der Name.


