Mit „Building Democracy“ entwickeln das NS-Dokumentationszentrum und das Cologne Game Lab ein mehrwöchiges Onlinespiel, das gesellschaftliche Beteiligung erlebbar machen soll.
„Building Democracy“Mit der App aus dem Museum in den Alltag

Bastian Schlang (v.r.), Philipp Bojahr und Ilja Gold haben die neue App im NS-Dokumentationszentrum vorgestellt.
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Ein einmaliges Bildungsangebot im Museum kann zum Nachdenken anregen. Doch die Auseinandersetzung sollte im Alltag weitergehen können. Aus dieser Motivation heraus hat das NS-Dokumentationszentrum (NS-Dok) der Stadt Köln in Kooperation mit dem Cologne Game Lab der TH Köln die App „Building Democracy“ entwickelt: „Building Democracy“.
Sie soll eine Art Weiterentwicklung des Raumspiels „Remote Island“ sein. Das gibt es schon seit 2023 im NS-Dok und ist ein analoges und begehbares Computerspiel. Nach einer globalen Apokalypse finden sich die Spieler auf einer Insel gestrandet wieder und müssen in Kleingruppen selbstständig verschiedene Aufgaben bewältigen. Das Spiel endet mit einer Reflexionsphase, in der die Spielenden über das demokratische Miteinander sprechen sollen. Danach liegt es an den Spielerinnen, Begleitpersonen und Lehrern, das Gelernte aufzugreifen. Bastian Schlang vom NS-Dok hat die Entwicklung mitbegleitet: „Was wir uns schon bei der Konzeption von ‚Remote Island‘ überlegt haben, war: Das kann eigentlich nicht damit aufhören. Wir müssen da irgendwie weiter am Ball bleiben.“

Die Startseite von „Building Democracy“: Hier können die Spielerinnen und Spieler loslegen.
Copyright: NS-Dok
Die App „Building Democracy“ soll die Idee von „Remote Island“ in den Alltag bringen, nach Hause, zur Arbeit, in die Schule oder in den Verein. „Wir ermutigen dazu, sich Fragen zu stellen: Wo gibt es Möglichkeiten, sich demokratisch zu beteiligen?“, sagt Schlang. Mit der App wollen die Verantwortlichen die Spieler zum Handeln ermutigen – raus aus dem Museum. Idealerweise sollen die Teilnehmer beides gespielt haben, zuerst das Raumspiel und dann die App. Gleichzeitig soll sie aber auch erlauben, das Demokratielernspiel außerhalb des Museums, außerhalb Kölns auszuprobieren.
Die App ist webbasiert, jeder kann sich also über einen Browser anmelden, und sie ist auf mehrere Wochen angelegt. Philipp Bojahr vom Cologne Game Lab der TH Köln: „Es ist kein Spiel wie Tetris. Die digitale Komponente funktioniert allein nicht. Man muss als Gruppe vor Ort zusammenarbeiten.“ Bis zu fünf Kleingruppen mit fünf oder sechs Personen können zusammenspielen. Die Zusammenarbeit zwischen NS-Dok und TH Köln ist durch eine Tagung entstanden, die die Welten der Spieleentwicklung und der Museen zusammenführen sollte.
Ein Spiel in drei Akten
Auch wenn vor allem Schulklassen das Raumspiel im Museum nutzen, richtet sich die App auch an alle anderen interessierten Altersgruppen. „Es muss für Schulklassen funktionieren, aber auch für Gruppen in Vereinen, Betrieben und Freundeskreisen“, sagt Schlang.
Das Spiel funktioniert über sogenannte Quests, also Aufgaben. Es besteht aus einem Prolog und drei Akten; zum Abschluss gibt es einen Epilog. Im Prolog muss sich die Gruppe zunächst selbst organisieren und Teams bilden. Danach wird die Arbeitsweise geklärt: Wie wollen sie als Team arbeiten? Was ist ihnen wichtig? Wie wollen sie Entscheidungen treffen? Im ersten Akt sollen die Gruppen nach draußen gehen und sich mit Themen beschäftigen, die ihnen wichtig sind und bei denen sie etwas verändern wollen. Die Themen werden nicht vorgegeben, sagt Ilja Gold vom NS-Dok: „Die Themenfindung ist Teil der Lernerfahrung. Die Gruppen recherchieren, entwickeln ein eigenes Anliegen und können Themen auf der Karte markieren.“
Auf der Karte lassen sich Orte, Organisationen und Akteure verorten und beschreiben. So entsteht eine gemeinsame Wissensbasis, auf die, die Spieler zurückgreifen können. Zwischen den Akten kommen Plenumsphasen, in denen die Gesamtgruppe zusammentritt, über die vorherigen Schritte spricht und gemeinsam abstimmt. „Die Anwendung soll das unterstützen, was die Menschen in der Gruppe und außerhalb des Bildschirms tun“, sagt Gold. Das Digitale ist nur Hilfsmittel: Es soll Menschen animieren, etwas zu tun, in ihr Umfeld zu schauen und dort Dinge anzupacken.
