„DSDS“-Produzentin über Dieter Bohlen„Juroren dürfen polarisieren“

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Leony (l-r), Katja Krasavice, Pietro Lombardi und Dieter Bohlen sitzen am Jurytisch von "Deutschland sucht den Superstar"

Leony (l-r), Katja Krasavice, Pietro Lombardi und Dieter Bohlen sitzen dieses Mal in der Jury von „Deutschland sucht den Superstar“.

Am Samstag, 14. Januar, startet um 20.15 Uhr bei RTL die Jubiläumsstaffel von „Deutschland sucht den Superstar“, die auch die letzte sein soll. Produzentin Ute Biernat glaubt dennoch an die Zukunft der Show.

Frau Biernat, am Samstag startet die Jubiläumsstaffel von „Deutschland sucht den Superstar“, gleichzeitig hat RTL angekündigt, dass es die letzte ist. Wie ist Ihre Gefühlslage? Überwiegt die Vorfreude oder der Abschiedsschmerz?

Ute Biernat: Ich bin eine gnadenlose Optimistin und deshalb freue ich mich, dass wir die 20. Staffel machen und ich freue mich auch sehr, dass wir die Staffel mit Dieter machen. Ein 20-jähriges Jubiläum zu feiern ohne den, der die Show 19 Staffeln lang mitgeprägt hat, wäre komisch gewesen. Ich bin ein bisschen aufgeregt, gleichzeitig neugierig bis angriffslustig. Geschlagen gebe ich mich noch nicht. In „DSDS“ ist im wahrsten Sinne des Wortes noch viel Musik drin.


Ute Biernat ist Geschäftsführerin der Ufa Show & Factual mit Sitz in Köln. Das Kerngeschäft des Unternehmens umfasst die Entwicklung und Produktion von Entertainmentformaten. Dazu zählen Talent- und Gameshows, Quizshows, Dating- und Comedyshows sowie beliebte Factual Entertainment-Formate. Seit der ersten Staffel produziert die Firma „Deutschland sucht den Superstar“.

Am Samstag startet um 20.15 Uhr die Jubiläumsstaffel von „DSDS“ bei RTL. Der Sender hat angekündigt, dass nach dieser 20. Runde Schluss sein soll mit dem Castingformat. In der 19. Staffel hatte man Dieter Bohlen, der seit Beginn dabei war, aus der Jury geworfen, ihn aber nun nach gesunkenen Quoten in der 19. Staffel wieder zurückgeholt.


Also hoffen Sie, dass es doch noch weitergeht?

Sagen wir mal so: Wenn wir jetzt gute Quoten haben, wären ja eigentlich alle verrückt aufzuhören. Viele Musiker haben schon oft gesagt, sie gingen auf Abschiedstournee und machen dann doch weiter. Unter dem Motto lasse ich das jetzt mal so stehen und hoffe das Beste. Wenn es nicht der Fall sein sollte, haben wir einen würdigen Abschluss mit der Jubiläumsstaffel.

War es falsch von RTL, das Ende nach dieser Staffel anzukündigen?

Ich war am Anfang traurig, als gesagt wurde, wir machen die 20. Staffel und hören dann auf. Ich hätte das lieber offengelassen, verstehe aber auch, dass der Sender, wie wir alle, immer wieder nach neuen Shows sucht.

Haben Castingshows denn generell eine Zukunft im deutschen Fernsehen?

Ich glaube, das hängt von der inhaltlichen Ausgestaltung ab. Solche Formate sterben nicht per se. „DSDS“ erzählt die Geschichte „From Zero to Hero“ und den Wunsch nach einem besseren Leben oder einer neuen Chance für die Zukunft teilen viele Menschen. Wichtig ist, dass gesellschaftliche Veränderungen, sich auch in Shows wiederfinden. Dem muss man Rechnung tragen. Wir haben viele Klassiker in unserem internationalen Katalog, wie zum Beispiel „Was bin ich?“, die Show mit Robert Lembke aus den Sechzigern. Das Thema geht heute auch noch, das muss nur moderner aufbereitet werden. Eine gute Grundidee ist immer zeitlos.

Ute Biernat, CEO Ufa Show & Factual

Ute Biernat, CEO Ufa Show & Factual

Aber heute kann man auch auf TikTok oder Instagram zum Star werden – ohne zwischengeschaltete Instanz. Oder hat das Fernsehen doch noch mal eine andere Wucht?

TikTok-Stars werden heute scheinbar schneller erfolgreich. Es bleibt nicht aus, dass sich diese Szene auch professionalisiert. Aber ja, noch hat das Fernsehen eine andere Wucht, vor allem bei Castingshows. Bei DSDS werden aus tausenden Bewerbern am Ende einige herausgefiltert, die sich alle miteinander vergleichen müssen. Sie alle erhalten unter anderem Stimm-, Tanz- und Interview-Training. Über einen Zeitraum von vielen Monaten entwickeln sie sich unter den Augen der Zuschauer permanent weiter.

„DSDS“ hat eine junge Zielgruppe. Wie kriegen Sie die vors lineare Fernsehen, für das sie angeblich verloren sind?

Deutliche Worte, klare Kante – das war über viele Jahre das Markenzeichen von „DSDS“. Im letzten Jahr wollte RTL sich neu ausrichten und familienfreundlicher werden. Das wollten wir mit „DSDS“ auch bedienen. Die Zuschauer verbinden aber etwas anderes mit „DSDS“ und sind froh, dass da wieder eine Jury sitzt, die klare Worte findet. Das wird auch von jungen Leuten gemocht.

Wer „DSDS“ regelmäßig guckt, merkt, dass der Zahn der Zeit auch an Dieter nicht vorbeigeht
Ute Biernat

Aber man kann ja Kritik üben und im Ton dennoch freundlich sein.

Wer „DSDS“ regelmäßig guckt, merkt, dass der Zahn der Zeit auch an Dieter nicht vorbeigeht. Damit meine ich gar nicht sein Alter, sondern weil ihm völlig klar ist, dass auch er sich mit aktuellen Themen beschäftigen muss. Das spiegeln ihm sicher auch sich seine Kinder zu Hause wider.

Es gab ja nicht nur Ärger wegen Dieter Bohlen. Auch Xavier Naidoo und Michael Wendler haben Ihnen einige Unruhe in der Jury beschert. Sucht man vielleicht beim Ziel, auch mal zu polarisieren, die falschen Leute aus?

Die Juroren dürfen polarisieren, und umso mehr Dissonanzen sie haben, desto mehr Entertainment ergibt das. Wenn alle im Chor „Ach, wie schön“ sagen, beendet das jede Diskussion sofort. Xavier Naidoo hatte schon einen kleinen Imagekratzer bevor wir ihn in die Jury geholt haben. Und die erste Staffel mit ihm war Bombe, denn er brachte nicht nur viel Expertise, sondern auch eine große Fangemeinde mit. Bei Wendler kam der Sinneswandel aus dem Nichts. Darauf muss man dann reagieren – sowas plant man nicht. Denn das ist nichts, was man sich für die Glaubwürdigkeit eines Produktes wünscht.

Bei RTL ist gerade so viel in Bewegung. Ist diese große Unruhe für Sie von Produzentenseite nicht schwierig?

Generell gilt, wo Strukturen geändert werden, kommt oft Unruhe auf und Prozesse verändern sich. Das muss nicht nur negative Auswirkungen haben. Bei der Jubiläumsstaffel gab es eine reibungslose und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit allen Beteiligten bei RTL. Für uns steht immer das Produkt im Mittelpunkt und nur daran werden wir gemessen.

Was bedeutet das für Ufa Show & Factual, wenn „DSDS“ entgegen Ihrer Hoffnung doch endet nach dieser Staffel?

Die Show ist ja immerhin ihr Aushängeschild. Wir werden immer mit „DSDS“ tief verbunden bleiben, weil es unser erster großer Riesenerfolg war. Sollte die Show wegfallen, wäre das sehr traurig für eine Menge Mitarbeiter, die über einen sehr langen Zeitraum mit Herzblut an dem Projekt gearbeitet haben und sich sehr damit identifizieren. Aber wir sind auch ein großes, kreatives Haus mit vielen tollen Kollegen, Ideen und neuen Konzepten. Wir stehen eben nicht nur auf einem Bein und das lässt mich enthusiastisch in die Zukunft blicken. 

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