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Ein barocker Elon MuskKölner Verlag startet mit neuem Buch von Florian Illies

3 min
Autor Florian Illies

Ein bevorzugtes Genre von Florian Illies: die unterhaltsam-tiefgründige Biografie.

Bestseller-Autor Florian Illies erzählt in „Träume aus Feuer“ vom Aufstieg und Fall eines Alchemisten, der Glas statt Gold erfand.

Florian Illies gilt als eine vielseitige Persönlichkeit in der deutschen Kulturlandschaft. Er fungiert als Herausgeber der Wochenzeitung „Zeit“, betätigte sich als Auktionator und hatte für eine kurze Periode die Leitung des Rowohlt Verlags inne. Seit beinahe drei Jahrzehnten verfasst der heute 55-Jährige Bestseller wie „Generation Golf“ oder „1913“. Mit „Zauber der Stille“ über den Maler Caspar David Friedrich entwickelte der Historiker eine neue Form: die unterhaltsame und zugleich tiefsinnige Biografie. Seine Werke erreichen Auflagen von mehreren hunderttausend Exemplaren und positionieren ihn als einen der gefragtesten deutschsprachigen Autoren der Gegenwart.

Wenn Florian Illies ein neues Werk wie das aktuelle „Träume aus Feuer“ publiziert, ist dies ein beachtenswertes Ereignis in der Literaturbranche. Das Buch liefert diesmal sogar das Fundament für einen neuen Verlag: Der Pfaueninsel Verlag ist eine Gründung des Kölner Konzerns Bastei Lübbe mit dem Ziel, den gehobenen Buchmarkt zu bedienen.

Ort der Monarchen und der Vergessenheit

Die Buchpräsentation wurde passenderweise auf der Pfaueninsel in der Berliner Havel abgehalten. Einst ein Refugium für preußische Könige und Fürsten, die dort Schlösser errichteten, Mätressen empfingen und exotische Tiere hielten, ist die Insel heute ein populäres Ausflugsziel. Über ein Jahrhundert lang geriet sie jedoch in Vergessenheit – ein Schicksal, das sie mit ihrem einst berühmtesten Bewohner teilt.

In „Träume aus Feuer“ schildert Illies auf 120 Seiten die Lebensgeschichte des Naturphilosophen und frühen Chemikers Johannes Kunckel (1635-1703). Es ist die Erzählung vom Aufstieg und Fall eines Mannes, den man heute als eine Art Start-up-Gründer ansehen würde.

Gescheitert bei Gold, erfolgreich mit Glas

Der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm (1620-1688) berief Kunckel an seinen Hof in Potsdam, um für ihn Gold zu erzeugen. Dies missriet, doch stattdessen fertigte Kunckel Glas in leuchtendem Rubinrot und Kobaltblau. Durch den Verkauf dieses Luxusartikels konnte der Kurfürst seine Staatskasse sanieren und seinen prunkvollen Lebensstil finanzieren.

Als Dank wurde Kunckel vom Fürsten mit Geschenken überhäuft, darunter die Insel Pfauenwerder, damals ein verwunschenes, von Kaninchen bevölkertes Eiland. Kunckel baute dort ein Laboratorium und eine Glasbläserei, die bald mit den renommierten Manufakturen von Murano bei Venedig wetteiferte.

Illies beleuchtet jedoch auch die negativen Aspekte des Erfolgs. Am Hof intrigierten sowohl die Kinder des Herrschers als auch andere Höflinge gegen Kunckel. Unmittelbar nach dem Tod des Kurfürsten 1688 fiel der Alchimist in Ungnade. Seine Manufakturen wurden niedergebrannt, und er musste alle erhaltenen Zuwendungen zurückerstatten. Das Buch schließt mit dieser Katastrophe und klammert Kunckels späteres Comeback am schwedischen Königshof aus.

Das barocke Brandenburg als überraschend modernes Sujet

Der Konflikt sei dabei von großer Aktualität, wie Illies selbst hervorhebt. „Schon vor dem Tesla aus der Fabrik in Grünheide kam aus Brandenburg ein Luxusprodukt für die Welt - Kunckels rubinrotes Glas“, erklärt er. Den Vergleich von Kunckel mit einem Elon Musk des Barock und des Großen Kurfürsten mit Trump erachtet Illies als naheliegend. Schließlich sei auch im Weißen Haus alles golden, ähnlich den barocken Schlössern.

Für Illies stellt sein Buch zudem eine „Parabel für die Kraft des Träumens: Dass das, wovon wir träumen, nicht gelingt, aber am Ende gelingt etwas anderes. Der Kurfürst träumt vom Gold und bekommt Glas. Aber das ist so wertvoll, dass es ihn ebenso reich werden lässt.“ Zusammen mit der Aufnahme der in Frankreich verfolgten Hugenotten schuf der Monarch so die Grundlagen für ein blühendes Brandenburg, das die Folgen des Dreißigjährigen Krieges schneller überwand als seine Nachbarn. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.