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Er kam in FriedenZum Tod des Alien-Forschers Erich von Däniken

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Der Schweizer Bestseller-Autor Erich von Däniken in seiner Schreib- und Forschungswerkstatt am 05.03.2015 in Interlaken

Der Schweizer Bestseller-Autor Erich von Däniken

„Die Götter waren Astronauten“, lautete Erich von Dänikens oberster Glaubenssatz. Jetzt trat er seine letzte Reise an.

Sein Verleger nannte ihn einen „emotionalen Nicht-Schriftsteller“, fand Erich von Dänikens „Erinnerungen an die Zukunft“ aber so ergiebig, dass er das Manuskript von einem Ghostwriter gründlich umschreiben ließ. Der Lohn der Mühe war der erste Weltbestseller der „Präastronautik“, einer 1967 in Liebhaberkreisen bereits bestens etablierten Parawissenschaft, die in archäologischen Funden nach Beweisen für das segensreiche Wirken außerirdischer Besucher auf der Erde sucht.

Der gelernte Koch und Teilzeit-Hotelier fand sie an allen Ecken der Welt, indem er die Lücken, die seriöse Wissenschaftler ließen, mit fantastischen Spekulationen füllte – und die Weltreligionen zu Ablegern der Science-Fiction erklärte. „Die Götter waren Astronauten“, lautete Dänikens oberster Glaubenssatz, aus dem er neben Weltwundern wie den Pyramiden oder Stonehenge auch etliche Entwicklungssprünge der Menschheit ableitete. Im folgenden Jahr lieferte Stanley Kubrick mit seiner „Odyssee im Weltraum“ den Film zur präastronautischen Welterklärung – stahl sich allerdings ins Philosophisch-Ungefähre eines schwarzen Monoliths davon.

Däniken unterzog sich dagegen den Mühen der schwurbelnden Beweisführung und machte sich entsprechend angreifbar – auch innerhalb der eigenen Glaubenskongregation. 1968 warf ihm der französische Autor Robert Charroux vor, seine „Phantastische Vergangenheit“ plagiiert zu haben, was Däniken mit der Bemerkung abtat, Charroux’ Buch sei selbst lediglich eine aufgewärmte Version von „Aufbruch ins dritte Jahrtausend“ des Duos Louis Pauwels und Jacques Bergier. Man könnte die Genealogie verlängern, mindestens bis zum 1951 erschienenen Roman „Reich im Mond“.

Die Aliens aus der Däniken-Galaxie waren so rätselhaft wie freigiebig

In seiner Schweizer Heimat musste sich der junge Bestseller-Autor derweil einer Anklage wegen Betrugs erwehren. Offenbar war er als Hotelier 8000 Franken an Kurtaxe schuldig geblieben und verbrachte dafür 18 Monate in Untersuchungshaft. Zur Kinopremiere seiner „Erinnerungen“ kam er frei und wurde bald darauf durch Hollywood rehabilitiert – die Verfilmung wurde 1971 als Bester Dokumentarfilm für den Oscar nominiert. In der Traumfabrik musste man niemandem den messianischen Gleichklang von Göttern und Außerirdischen erklären – auch wenn letztere meistens den Weltuntergang heraufbeschworen.

Die Aliens aus den Weiten der Däniken-Galaxie waren hingegen so rätselhaft wie freigiebig. Sie brachten die Menschheit erst auf das Niveau, auf dem sich über die eigene Herkunft und eine Alternative zu den entzauberten großen Erzählungen der Weltreligionen spekulieren ließ. Das machte den Reiz von Dänikens Glaubenslehre aus, neben der Einsicht, dass die menschliche Vorstellungskraft begrenzt, das Weltall aber nachweislich unendlich ist. Allzu leicht konnte man darüber übersehen, dass Dänikens Aliens planetarische Rassenpolitik betrieben, indem sie auserwählte Völker unterstützten. In späteren Jahren veröffentlichte er solche kruden Gedanken in einem rechten Verlag. 

Heute weiß jedes Kind, dass die „Wahrheit irgendwo da draußen ist“, auch wenn es den Namen Erich von Däniken vielleicht nicht mehr kennt. Über den Schweizer Starautor senkte sich erst der Spott, dann der gnädige Nebel des öffentlichen Vergessens. Zu seinen Gunsten spricht, dass er sich als Wissenschaftler und niemals als Auserwählter oder Apostel missverstand; mit den menschengemachten Göttern lebten seine Außerirdischen in friedlicher Koexistenz. Erich von Däniken kam in Frieden, das immerhin unterschied ihn von religiösen Kriegern und Apokalyptikern. Wenn sein Erbe lebendig bleibt, dann, weil es dem modernen Menschen wohl leichter fällt, an UFOs zu glauben, als an die Wiederkehr eines himmlischen Erlösers. An diesem Samstag ist er im Alter von 90 Jahren im Kanton Bern gestorben.