Sind Schafe, die einen Supermarkt stürmen, sympathische Werbeträger oder doch eher Symboltiere des Konsums? Versuch einer Antwort.
Schafe bei PennyAngriff der Petfluencer


Eine Gruppe Schafe steht im Kassenbereich des Penny-Markts in Burgsinn.
Copyright: REWE Group/dpa
Es gibt nichts Schöneres, als den Tag mit einem Grumppucino zu beginnen, jedenfalls, wenn man von Tieren, die im Internet berühmt wurden, nicht genug bekommen kann. Auf der Höhe ihres Ruhms verkaufte Grumpy Cat, die mürrisch dreinblickende Katze, die eigentlich Tardar Sauce hieß und an felinem Kleinwuchs litt, neben einer Kaffeemischung auch massenhaft bedruckte T-Shirts, sie tingelte durch Fernsehshows, ließ sich von Madame Tussauds verewigen, trat bei den Wrestling-Meisterschaften an und posierte für den Kalender eines Autoproduzenten – zum Glück hatte sich ihre Besitzerin rechtzeitig die Markenrechte am Internetphänomen gesichert.
Mit Grumpy Cat begann die große Zeit der Petfluencer, tierischer Internet-Stars, die als Werbeträger zuweilen Millionen verdienen, ohne etwas davon zu wissen. Ihre Zielgruppe umfasst sämtliche Besitzer von Haustieren, aber im Prinzip gibt es wenige Menschen, die dem Marketing mit putzigen Vierbeinern widerstehen können. Zumal die Petfluencer durch demokratische Entscheidungen berühmt werden – eher selten gelingt es multinationalen Unternehmen, eine lila Kuh aus dem eigenen Stall als Markenbotschafterin zu installieren.
Der Konzern änderte seinen Werbeslogan in „Erstmäääh zu Penny“
Noch seltener laufen einem die Petfluencer einfach zu – wie diese Woche der Kölner Rewe-Gruppe. Am Montag verirrten sich etwa 50 Schafe in einen Penny-Markt im unterfränkischen Burgsinn und verstopften den Kassenraum, als gäbe es dort etwas umsonst. Nach 20 Minuten war der wollige Spuk vorbei, fünf länger, als es vom Zufall begünstigte Menschen zu Ruhm bringen. Die Bilder der ausgebüxten Herde gingen viral und schafften es sogar in die abendlichen Hauptnachrichten.
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Die Supermarktkette brauchte nicht lange, um die Gunst des unverhofften Streichelzoos für sich zu nutzen. Sie kündigte an, die Patenschaft für die abtrünnigen Schafe übernehmen zu wollen, und änderte den eigenen Werbeslogan in „Erstmäääh zu Penny“. Darunter steht ein einzelgängerisches Schaf, das uns die Botschaft entgegenblökt. Dabei sind Schafe doch Herdentiere, die sich wegen ihres kollektiven Auftretens als traditionelle Einschlafhilfe eignen.
Vermutlich will Penny seiner Kundschaft nicht verklickern, dass er sie für Schafe oder gar für dumme Konsumenten hält – doch der Ruf des possierlichen Herdentriebs ist nun mal nicht der beste. Selbst der Schäfer vermutet, seine Tiere könnten einem Mann mit Einkaufstüte hinterhergetrottet sein, weil sie darin etwas zu fressen vermuteten. An Abenteuerlust, Freiheitsdrang oder souveräne Kaufentscheidungen denkt man bei diesen Petfluencern eben zuletzt.


